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Vierter Band. F bis G.
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Fallgut, Falllehen

Die Kugel, auf der Hand getragen, drückt; frei gelassen, stillt sie lothrechtherab; auf eine schiefe Flache gelegt, rollt sie herab, wobei sie zugleich dieFläche mit einen! Theile ihres Gewichts drückt. Nach welchen Gesetzen dieseBewegung geschieht, darüber bestanden ehemals die irrigsten Vorstellungen.Nach der Aristotelischen Physik verhält sich die Geschwindigkeit des Fallesverschiedener Körper zu einander, wie das Gewicht derselben. Demnach sollteein 10 Mal schwererer Körper auch 10 Mal schneller fallen als der leichtere.Diesen Irrthum bestritt Galilei schon zu der Zeit, als er noch in Pist stu-dirte. Kaum war er Lehrer daselbst geworden, so erklärte er sich öffentlichgegen diesen und andre Lehrsätze der peripatetischen Philosophie. Er bestiegdie Kuppel des dortigen hohen Thurmes und ließ Körper von sehr unglei-chem Gewicht herabfallen, die, wenn ihre Materien nur nicht zu sehr anDichtigkeit verschieden waren, den Boden fast zu gleicher Zeit erreichten. Ga-lilei erwies in der Folge, als Lehrer in Padua , die Richtigkeit seines Satzesauch durch 2 Pendel von gleicher Länge und sehr ungleichem Gewichte, die,dessenungeachtet, ihre Schwingungen mit gleicher Gesckwindigkeit verrichteten.Zu ebenso irrigen Vorstellungen hatte die Wahrnehnumg Anlaß gegeben,daß die Schnelligkeit des Falles mit der Länge des Weges zunimmt. DieAristoteliker sagten, alle Körper hätten ein inneres Bestreben nach dein Mit-telpunkte der Erde, und eilten demselben um so schneller zu, je näher sie ihmkämen. Andre erklärten die zunehmende Schnelligkeit des Falles aus demzunehmenden Drucke der Luft, und die allgemeine Meinung war, daß dieGeschwindigkeit in dem Verhältniß des zurückgelegten Raums zunehme, daßalso ein Körper, wenn er 5 Klafter gefallen sei, 5 Mal so viel Geschwindig-keit erlangt habe, als er am Ende der ersten Klafter Weges gehabt: eineMeinung, die bei ihrer großen Einfachheit und scheinbaren Natürlichkeit dochetwas ganz Unmögliches enthält. Auch Galilei hatte Mühe, sich von ihrloszumachen. Endlich gelang es ihm, ihre Nichtigkeit zu beweisen, indem erdarthat, daß sie bei der Anwendung auf den Fall der Körper mit sich selbststreite, weil aus ihr folgen würde, daß der Körper durch 5 Klafter in ebender Zeit falle, in welcher er durch eine Klafter fällt. Dagegen kam dieserNaturforscher auf den richtigen Gedanken, daß die Geschwindigkeit beim Falleim Verhältnisse der verflossenen Zeit zunehmen müsse, und Zeigte, daß, dadie Körper von der Schwere nie verlassen werden, sie also auch in jedemZeittheile einen neuen Eindruck von derselben erhalten. der sich mit der Wir-kung der vorigen verbindet. Aug diesem Gesetze folgt ferner, daß die vonfreifallenden Körpern durchlaufenen Räume sich wie die Quadrate der Zeitenverhalten. Versuche haben gelehrt, daß der Fall in der ersten Secunde et-was Weniges über 15 pariser Fuß betrage. Um daher die irgend einer an-dern Secundenzahl — i zugehörige Fallhöhe — l> kennen zu lernen, muß mansetzen 1: ,r 16: b. Ist , z. B. 3, so wird l, — 135 erhalten, d. h.

in 3 Secunden fällt ein Körper durch 135 pariser Fuß. Zur bequemen An-stellung von Versuchen über diesen Gegenstand hat der Engländer Atwood ei-nen Apparat angegeben, welcher unter dem Namen der Aiwood'schen Fall-maschine bekannt ist. Man findet eine ausführliche Beschreibung in Gilbert'S„Annalen", 1803, St. 5, und in Neumann's „Lehrb. der Physik" (Wien 1818), Dd. 1, S. 186 fg.

F a l l g u t, F a l l l e h e n. In Schwaben , wie in den angrenzendenProvinzen, bediente man sich seit langer Zeit fast ausschließend einer Ver-pachtungsweise der Feldgüter, wobei der Pächter, indem er das Gut antrat,eine Art Abfindungssumme zahlte, und dann aus seine Lebenszeit, oft auchauf die Lebensdauer seiner Gattin das Gut überkam, ohne jedoch dasselbe