Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
83
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Fervand Ferrara 83

Ferrand (Antoine, Graf), Mitgl. der sranz. Akademie und Vcrf. meh-rer geschützten geschichtlichen Werke, geb. 1152, zeichnete sich vor der RevolutionalsParlamentSrath zu Paris durch Beredtsamkeit und Patriotismus aus. Er wi-dersetzte sich den Anleihen, die das Ministerium verlangte, und federte den Königauf, durch die Einheit des Throns mit dem Parlamente den öffentlichen Credit zubefestigen. Der Gang, den die Revolution bald nach ihrem Ausbruche nahm,bestimmte ihn zur Auswanderung. 1801 kehrte er nach Frankreich zurück, ohnejedoch an öffentlichen Geschäften Theil zu nehmen. Jetzt erschien sein berühmtesWerk: „I.'cgui! ,I<> I'lnsioix" (4 Bde., 5. Ausg. 1816). Dann setzte F.aus Rulhüre'S Papieren die Geschichte Polens fort. Nach dem Einzüge derVerbündeten in Paris war er Einer von Denen, welche sich am kräftigsten für dieAurückberusung der Bourbons verwendeten. Er wurde dafür von Ludwig III.1814 in? Ministerium berufen. Zu der Comite ernannt, welche mit dem Entwürfeder Verfa>sung?urkunde beauftragt wurde, hatte er an dieser den größten Antheil.Später trat er aus dem Ministerium in die PairSkammer. 1817 erschien seine,,'I lx vrlt,- ü("i ie-v<-luiü>i!>" in 4 Bdn. In den letzten Jahren war er blind undlitt an einer Lähmung der Füße, fand sich aber regelmäßig in den Sitzungen derPairSkammer ein. Er starb den 16. Januar 1825. Seine Stelle in der sranz.Akademie erhielt Casimir Delavigne .

Ferrara, ehemaliges Herzogthum in Oberitalien . Das alte, aus Toscanasiannnende, und schon im 9. Jahrh, berühmte Haus Este hatte über Ferrara dasVicariat. (S. Este.) Als 1597 der Mannsstamm dieses Hause? in der Haupt-linie auSgcstorben war, folgte aus einer Nebenlinie Herzog Cäsar. Diesem entrißClemens > III. Ferrara (1598), das er als eröffnetes Lrh» zum Kirchenstaateschlug. Die Herzoge von Modena haben ihre Ansprüche daraus vergebens geltendzu machen gesucht. Die Hauptst. Ferrara der Delegation gl. N., in einer niedrigenund ungesunden Gegend (Maremmen von Comacchio ) an einem Arme des Po, hat3500 Häuser, 23,600 Einw., über 100 Kirchen, eine Universiiät, ein Museum re.So blühend sie unter der Regierung der Herzoge von Este war, als 80,000 Men-schen den glänzendsten und gebildetsten Hos Italiens umwohnkcn, so verfallen lindarmselig ist sie jetzt. Ihre Straßen sind breit und regelmäßig, aber öde; ihre Pa-läste groß und gut gebaut, aber wenig bewohnt. Das Schloß, vcm päpstlichenLegaten bewohnt, enthalt noch Überbleibsel guter Fresccmalereien von Dossi undTina». In den Kirchen findet sich manches gute Bild, besonders von dem hier ein-heimisch gewesenen Garofalo, einem Schüler Rafael'S. Der Dom, mit einer alt-golhische» Vorderseite, aber inwendig in neuerm Style ausgebaut, ist ein großes,doch eben nicht ansprechendes Gebäude. Desto anziehender ist die Bibliothek, woaußer sehr schätzbaren Sammlungen alter Handschriften, Antiken, Münzen u. dgl.,sich mehre Andenken an die glorreiche Zeit der Stadt befinden. Plan zeigt hier dasDintefaß und den Stuhl des Ariosto, dasManuscript seinerSatyren, mehre Briefe,und auch sein Denkmal, welches aus derKuche S.-Benedetto, wo er begraben liegt,hierher gebracht worden ist. Ferner bewahrt man hier die Handschrift des „l'.i>iir>rlillo" von Guarini und viele Überbleibsel des Tosso auf, unter diesen ein Heft seiner,,8ii>iv", mit der Zueignung an Leonore von Este, ein Manuseript des „BefreitenJerusalems" von fremderHand, wo er Stellen am Rande verbrsserk, mehre Briefeu.s.w. Auf das wehmüthigste wird man an den unglücklichen Dichter im St.-Annenspikale erinnert, wo eine Marmortafel mir einer stolzen Inschrift über demfeuchten und finstern Kerker prangt, in welchem ihn Herzog AlfonS >l. 7 Jahreschmachten ließ. (Dgl. Este und Tasso.) Erfreulicher sind die Erinnerungenan Ariosto ; ihm zu Ehren heißt ein Platz der «7tadt Piazza Ariostca, und seinWohnhaus, von Innen und Außen mit Inschriften geziert, wird wie ein Hei-ligthum von Eingeborenen und Fremden mit Andacht betreten. Die FesiungS-

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