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Französische Literatur: Spekulative Philosophie
alle unsere Erkenntnisse und Begriffe zuletzt aus der Erfahrung entspringen. DieSeele des Kindes, lehrte er, ist wie ein dunkles und leeres Cabinct. Anfangs las-sen dieSinne Ideen, d. i. Vorstellungen ei», wodurch sie Stoffe erhalt, an denensie ihre Kraft üben kann. Sie beobachtet nun, was außer ihr und in ihr vorgeht,fängt an zu urtheilen und zu schließen, und nach und nach die Urtheile und Schlüsseimmer weiter auszudehnen. Darin besteht die Reflexion. So sind alle, selbst diehöchsten Begriffe und die abstiactesten (ganz allgemeinen) Wahrheiten entstanden.— In Frankreich nahm Etienne Bonnot de Condillac (geb. 111ä, st.1780)denLocke'schen Empirismus auf und bildete ihn zu s. Sensualismus aus. Er lehrte:„Die Basis, das Princip aller Entwickelungen in unserm Geiste, ist das Empfin-dungsvermögen (!i> saeiiliü -In <umiir). Alle einzelne Ideen, Erkenntnisse- Ver-mögen, selbst die Reflexion- Verrichtungen und Gewohnheiten sind successive Um-wandlungen (ii-nicko, -nation.--) dieses Princips. Die Empfindung ändert nur dieForm, wie das Ei?- wenn es in Wasser aufgelöst wird und dann als Dampf ent-weicht". Die Einfachheit der Methode und die Klarheit der Darstellung erregtendie allgemeinste Theilnahme. Er wurde das Haupt einer Schule, die »och jetzt inFrankreich die herrschende ist. Die Encyklopädisten, welche ganz im Geiste dessel-ben arbeiteten, trugen das Meiste zu ihrer Ausbreitung bei, vorzüglich Diderot ,d'Alembert und HelvetiuS . Der Effect war der glänzendste; die schwerste allerWissenschaften, welche die anhaltendste Anstrengung der Denkkraft erfodert, wurdederFassungSkrast des gboßen Haufens nahe gebracht; Jeder konnte über Metaphy-sik mitsprechen. Man bemerkte ccker nicht, daß man an die wichtigsten Problemegarnicht gedacht- die höher», einflußreichsteil Untersuchungen abgeschnitten, unddie Philosophie erniedrigt harte. Indem man nun das Empfindungsvermögen,die niedrigste Stufe in der Entwickelung unsers Geistes, in welcher er am meistenvon der Außenwelt abhängig ist, als das bildende Prinzip betrachtete, und in demMenschen nichts Andres erblickte als ei» etwas feiner organisirres, von sinnlichenTrieben bewegtes Thier (wie Helvetius ), so mußte der Gedanke, daß eigentlich diematerielle Welt das absolute Wesen, der Geist nur eine Verbindung bon Aromen,der Gründ seiner Handlungen der Egoismus, und das Ziel derselben verfeinerterSinneligenuß, mithin der Glaube an Freiheit, an Tugend und Seelengröße, anGott, Vorsehung und Unsterblichkeit, nichts als Wahn und Einbildungsei, kaumgut genug für Bürger und Bauer, des stärker» Geistes aber ganz unwürdig —dieser Materialismus mußte eine nothwendige Folge jenes Systems sein. Damitzerstäubte aber Alles, was dem menschliche» Leben Reiz, Werth und Würde gibt.Ein scharfsinniges Auge hätte schon damals prophezeien können, daß in einemVolke- in welchem diese Überzeugungen herrschend werden, über kurz oder lang alleBünde der Gesellschaft sich auflösen müsse». Nicht mit Unrecht hat man hierineine vorzügliche Ursache der Revolution erblickt. Es war freilich sehr übereilt,wenn Einige jene Philosophen für die alleinigen Urheber derselben hielte», denneinö so ungeheure Umwälzung konnte nur das Resultat einer Reihe vorangegange-ner Ereignisse und Mannigfaltig verketteter Ursachen lind Wirkungen sein, uüd jeneLehren würden niemals so um sich gegriffen haben, wen» nicht das Sittenverderb-niß schon da gewesen wäre, ruck die höher» Stände nicht schon nach diesen Maximengehantelt hätten. Aber durch die Schriften der sogenannten Philosophen, durchVoltaire'? hellen Verstand, uiischöpfiicheii Witz, d'Alemberi'S geistreiche Klarheit-der ander Spitze derEncyklopätiste» stand, erschienen jene verderblichen Maximenzugleich als Lehren der Weise» des Volks, sie wurden dadurch gewissermaßensanctioniri- sie verbreiteten sich schneller durch alle Classen, die noch Ldchwankendenwurden von dem allgemeinen ^wome mit fortgerissen. Dadurch und durch die ausihnen entspringende Steigerung des Egoismus und der Sittenverkerbniß wirktensie so zerstörend, Reusseau's schwer, mcnscher Ernst steht einzig in der franz. Lile-
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