444 Frondsberg
fortzudauern. Die Schätzungen, die man dem Volke auflegte, waren ungeheuer,und da sich das Parlament weigerte, sie einzuzeichnen, so wurden mehre Male ein-zelne Glieder desselben verhaftet. Dies reizte nicht nur das Volk, sondern auch diePrinzen vom Gcblüte und viele Große wider Mazarin auf, der sich unmäßig berei-cherte. An der >Lpihe der Fronte stand der Coadjutorvon Netz (s. d.). Die Leiden-schaft und die Selbstsucht der übrigen Häuptlinge, welche sogar span. Truppen indas Land zogen, verhinderten, daß die Fronde Etwas zur Wohlfahrt des Ganzen aus-richtete. Zwar versprach 1649 der Hof der Fronde gesetzliche Freiheit der Person,des Eigenthums, der Justiz, Steuer - und GesetzbewilligungSrccht; allein er hieltsein Wort nicht, und der AuSgang dieser Händel diente bloß dazu, die kbnigl. Machtnoch mehr zu befestigen. Die Zeit der Fronde dauerkevon 1648 — 54. S. die „515-ninire., >!e Um« üc äloUrvill,'" und St.-Aulaire's „I >!,<>>. (I,- l -1 broixle" (Paris 1821, 3 Bde.). Noch jetzt wird ein Tadler der Regierung Frondeur genannt.(Dgl. Bachaumont.)
Frondsberg (Georg v., Frundsberg , Freundsberg, Fronsperg), Herrzu Mindelheim , kaiserl. Feldhauptmann, geb. 1415, starb zu Aiintelheim 1528.Sein Vater, Ulrich, war, wo nicht Urheber, doch erster Hauptmann des schwäbi-schen Buntes; sein Bruder Kaspar zeichnete sich durch tapfere Thaten als Fühlerim Bundeskriege aus. Georg »ahm an dem Auge des schwäbischen Bundes widerden Herzog Alben von Baiern Theil, bildete aber sei» großes Talent für die Kriegs-kunst in den Kriegen des Kaisers Maximilian I. gegen die Schweizer aus. Schon1504 galt er für eine» der tapfersten Ritter im kaiserl. Heere. Seit 1512 stand eran der Spitze der kaiserl. Truppen in Italien . Er diente mit gleichem Ruhme alsFeldherr Maximilians I. und Karls V.; diesem half er (1525) die Schlacht vonPavia gewinnen. Mehr als ein Mal führte er ihm Kriegsvölkcr aus Deutschland zu. 1526 halte er 12,000 Deutsche auf eigne Kosten mittelst Verpfändung seinerGüter angeworben, durch welche er Karls von Dourbon Heer so verstärkte, daßBeide vor Rom ziehen und es mit>Ltlirm nehme» konnten. In der Folge führteer gegen Ulrich von Würtemberg das Fußvolk des schwäbischen Bundes an, undim Kriege wider Frankreich diente er in den Niederlanden unter Philiberr von Dra-men. F. hat das Kriegswesen verbessert. Eine Truppengattung zu Fuß, welchevon ihren Lanzen Lanzknechte genannt und in Regimenter getheilt wurde, gabden Schweizern an kriegerischer Haltung und Tapferkeit nichts nach. „Fronds-berg war" wie eine alte Handschrift sagt, „ein großer schwerer Mann, und anGliedern also stark, wenn er den Mittelfinger der rechten Hand ausstreckte, daß erdamit den stärksten Mann, so sich steif stellte, vom Platze stoßen konnte. Wen» ei»Pferd daher gelaufen kam, konnte er es beim Zaum ergreifen und eilend stellen.Die großen Büchse» und Mauerbrecher konnte er allein mit seinen starken Lendenvon einem Orte an den andern führen, und wenn er vom Rosse stieg und ging,konnte man ihm nicht wohl folgen". Als er bei Ferrara die wegen rückständigerLöhnung lobenden Truppen nicht in Ruhe bringen konnte, ward er, wie er glaubte,vom Schlage gerührt und von dort auf ein Schloß gebracht. „Da siehst du michwie ich bin", sagte er zu seinem Freunde Schwalinger, „das sind die Früchte desKriegs! Drei Dinge sollten einen Jeden vom Kriege abschrecken : die Verderbungund Unterdrückung der armen unschuldigen Leute; das unordentliche und sträflicheLeben der Kriegsleute und die Undankbarkeit dcrFürsten, bei denen die Ungetreuenhoch kommen und reich werden, und die Wohlverdienten unbelohnt bleiben". Aufdem Reichstage zu Worms (1521), wo Luther vor Karl V. sich verantworten sollte,machte der ruhige Blick des angefeindeten Mannes einen solchen Eindruck auf denalten F., daß er Luther » freundlich auf die Schultern klopfte: „Munchlein,Munchlein", sagte er zu ihm, „du gehst jetzt einen Gang, dergleichen ich und man-cher Oberster auch in der allerernstlichsten Schlachtordnung nicht gethan haben.