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lisch ? Philosophie zu hören. Letztere, durch den Wust der Scholastik entstellt, er-regte schon damals in ihm den Widerwillen, der ihn später zu ihrem erklärtesten Wi-dersacher machte. Früh entwickelte er jenen seltenen Beobachtungsgeist, der ihnauszeichnete; kaum 19 I. alt, leiteten ihn die Schwingungen einer im Dom zuPisa vom Gewölbe herabhängenden Lampe auf die Gesetze des Pendels, die er zuerstbestimmte und zur Abmessung der Zeit benutzte, wiewol die Idee von der Anwen-dung des Pendels von ihm nur unvollkommen gefaßt und erst später von s. SohneVicenzo und besonders von HuygenS vervollkommnet wurde, welchen Letzten, manals den wahren Erfinder der Pendeluhren anzusehen hat. Hieraus studirte er unterOstilio Ricci die Mathematik, erschöpfte bald den EuklideS und Archimedes, undwurde durch Letzter» 1586 auf die Erfindung der hydrostatischen Wage geführt.Mathematik und Naturwiffenschaft beschäftigten ihn jetzt ausschließlich, und schon1589 ward er Pros. der Mathematik zu Pisa . Unablässig war er bemüht, die Rechteder Natur gegen eine verkehrte Philosophie geltend zu machen, wofür er jetzt alsVater der neuern Physik gepriesen wird, damals aber die härtesten Verfolgungen er-dulden mußte. Vor vielen Zuschauern zeigte er durch Versuche, die er auf demThurme der Domkirche anstellte, daß das Gewicht auf die Geschwindigkeit fallen-der Körper keinen Einfluß habe. Dadurch reizte er die Aristoteliker gegen sich der-gestalt, daß er s. Lehramt nach 2 Jahren niederlegen mußte. Er begab sich zu Fi-lippo Salviati, wo ihn Francesco Sagredo , ein würdiger Venetianer, kennen lernte,auf dessen Empfehlung ihn der Senat von Venedig 1592 als Lehrer der Mathe-matik »ach Padua berief. Hier las er mit außerordentlichem Beifall; aus den ent-ferntesten Gegenden Europas strömten ihm Schüler zu. Er hielt seine Vortrüge inital . Sprache, die er zuerst für die Philosophie bildete. 1597 erfand er den Pro-portionalcirkel. Wichtiger sind die mathematischen Wahrheiten, die er seit 1602entdeckte, z. B. daß die Räume, durch welche sich ein fallender Körper in gleichenZeittheilen bewegt, wie die ungeraden Zahlen 1, 3,5, 7..wachsen, d. h. daß derfallende Körper, nachdem er in der ersten Secunde 15 pariser Fuß durchlaufen hat,in der zweiten 45, in der dritten 75 u. s. w. zurücklegt. Ob ihm die Erfindungdes Thermometers gehöre, ist schwer zu bestimmen; vielleicht hat er denselben nurzweckmäßiger eingerichtet. Auch über den Magneten machte er interessante Beob-achtungen. Das Fernrohr (s. d.), das in Holland nicht bloß unvollkommen,sondern auch unfruchtbar blieb, wandte G. gen Himmel und machte damit in kurzerZeit eine Reihe derwichtigsten Entdeckungen. Erfand, daß der Mond, wie die Erde,eine unebene Fläche habe, und lehrte die Höhen seiner Berge aus ihrem Schattenmessen. Den neheligen Fleck, welcher die Krippe heißt, löste er in seine einzelnenSterne auf und ahnete, daß sich die ganze Milchstraße mit schärfer» Fernröhrenebenso werde auflösen lasten. Am merkwürdigsten war die Entdeckung der Iupi-terStrabanten, am 7. Zan. 1610. Auch das Dasein des Saturnrings bemerkteer, ohne jedoch von demselben eine richtige Vorstellung zu fassen. Die Sonnen-flecken sah er etwas später, und schloß aus ihrer gemeinschaftlichen Forkrückungvon O. gegen W. auf eine Rotation des SonnenkörperS und auf die Neigung sei-ner Are gegen die Ebene der Erdbahn. Doch haben Scheinet' zu Ingolstadt undIoh. Fabricius, Prediger zu Ostell in OstfrieSland , allerdings den Ruhm, dieseEntdeckung zuerst durch den Druck bekanntgemacht zu haben.') G.'S Name war
*) Nm den Deutschen die Ehre dieser Entdeckung vor dem Italiener zu sichern,bedarf es nur einer Vergleichung des Jahres ihrer diesfallsigen Schriften. Fabri-cius's „Asrk-Stio cie msculis in Sole obsenvstis" erschien schon 1611 zu Wiktenberg;Scheiner's ,,'pres epistolse üe msculis solsi-ibus" 1612 zu Augsburg ! Galilei s„lstoris e üimonsti stioni intorno slle msckie sol<>l'i" erst 1613 zu Rom . DieGeschichte des wegen dieser Priorität geführten Streites erzählt Lalande in s. „Astro-nomie", lll, S. 386 fq., 2. Allst.