Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
521
JPEG-Download
 

521

Gassendi Gaßncr

Gassendi (Pierre ), PräposituS der Domkirche zu Di'nc und Pros. derMathematik zu Paris, geb. 1592 zu Chantcrsier bei Digne in der Provence . Einlebbafter und durchdringender Geist, ein glückliches Gedächtniß und eine glühendeWißbegierde erregten früh die Hoffnung, daß er einmal etwas Ausgezeichneteswerde leisten können. Ältern wandten daher, wiewol sie arm waren, Alles aufseine Erziehung. Man erzählt, daß er schon in s. 4. Z. kleine Predigten hielt. SeineLiebe für die Astronomie zeigte sich fast ebenso früh. Er entzog sich den Schlaf, umden gestirnten Himmel zu sehen. Kaum hatte er in Digne seine Studien vollendet,als er schon Rhetorik lehrte. Erfand Beifall, obwol ererst16 Z. alt war. 1614wurde er zum tkeolog. Lehrer in Digne ernannt, und 2 Jahre nachher erhielt er denLehrstuhl der Theologie u. Philosophie aus der Universität zu Aix . Nach 8 Jahrenführte ihn die Liebe zur Einsamkeit nach Digne zurück, wo er ein Werk gegen dieAristotelische Philosophie schrieb, aber nicht vollendete. Darauf studirte er eifrigerNaturwissenschaften und selbst die Anatomie, und verfaßte eine Schrift, um zu be-weisen, daß der Mensch nur zu vegetabilischen Speisen bestimmt, und daß der Ge-nuß des Fleisches ein gefährlicher Mißbrauch sei. Der kränkliche Mann selbst lebtenach diesen Grundsätzen. Auch als Astronom war G. ausgezeichnet, wiewol er dieseWissensch. nur in Rücksicht der Astrologie erlernt und die Chimären der letztern erstspät aufgegeben hatte. Wir besitzen von ihm u. a.: Beobachtungen eines Merkur-durchganges durch die Sonne („k.pi^l. ack 8rli>cli!,rcl»i» kle 5Icru»>><> in 8ols> >-<>", in s. Werken), und geschätzte Biographien mehrer der berühmtesten derzeit.Astron., deö KopernicuS, Tycho-Brahe, Peurbach u.Regiomontanus (Zoh. Mül-ler), welcher der Ausg.s. Werke einverleibt sind. Ein Proceß zog ihn nach Paris , woer mächtige Freunde bekam, deren einer ihm den Lehrstuhl der Mathematik an demI.^sl verschaffte. Descaries brach danials eine neue Bahn in der Philo-sophie. G. griff ihn mit solchem Erfolg an, daß sich die Philosophen der damaligenZeit in Cartesianer und Gassendisten theilten. Schon auf der Schule hatte ihm diescholastische Philosophie widerstanden. Das Studium der Natur hatte ihn zu De-mokrit und Epikur geführt, deren wichtige Lehrsätze er als ein mit den Alten innigvertrauter Gelehrter zur Grundlage seiner Physik machte. Er erneuerte die Lehrevon den Atomen und dem leeren Raum in mehren s. Schriften; aber eben dadurchzog er sich gefährliche Feinde zu. Ungeachtet der Reinheit seiner Sitten griff manihn von Seiten der Religion an, wogegen er sich aber zu vertheidigen wußte. Erstarb den 25. Oct. 1655. G.'S Werke wurden 1658 zu Lyon , nebst s. Lebe», vonSorbiöre, und 1728 zu Florenz von Averrani, jedesMal in 6 Bdn., Fol., heraus-gegeben. Alle verrathen einen Mann von tiefer Gelehrsamkeit, aber eben diese Ge-lehrsamkeit schadet zuweilen seinen Folgerungen und dem Zusammenhange. Ob-gleich ihn Gibbon den größten Philosophen unter den damaligen Gelehrten und dengrößten Gelehrten unter den Philosophen nennt, so steht doch DescarteS in Anse-hung des selbstdenkenden Geistes und StylS über ihm. — Zu s. Familie gehörteZean Jacques, Graf Gassendi , franz. Generallieut. u. Pair, geb. 1748,unter Napoleon Senator, Derf. eines geschätzten Werks über die Artillerie. Er befeh-ligte 1789 die Artillerie-Comp., bei welcher Bonaparte als Lieutenant standund starb den 14. Dec. 1828 zu Nuits in Frankreich . 51.

Gaßn e rsIohann Joseph), geb. am 20.Aug. 1727 zu Bratz beiPluden; inSchwaben, bekannt als Teufelsbanner, war kath. Pfarrer zu Klösterle im BiSthumChur. Die Erzählungen von den Besessenen in der Bibel und sein ununterbrochenesForschen in den geheimnißvollen Schriften berühmter Magiker hatten ihm den Glau-ben in den Kopfgesetzt, daß die meisten Krankheiten von bösen Geistern herrühren,deren Macht bloß durch Segensprechungen u. Gebete vertilgt werde» könne. Er fingan, einige seiner Pfarrkinder zu heilen, und erreichte wenigstens so viel, daß er Auf-sehen machte. Der Bischof von Konstanz berief ihn in s. Residenz, wurde aber bald