Band 
Vierter Band. F bis G.
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Gebärde

übergehendes, die Gebärde, obschon sie sich auch in Bewegungen äußert, etwasBeharrliches; 2) die Miene erstreckt sich bloß auf die Bewegungen des Gesichts, dieGebärde auch auf den übrigen Körper; 3) die Miene ist bloß Seelenausdruck imGesichte vernünftig sinnlicher Wesen, Gebärden zeigen sich auch bei bloß sinnlicbbc-zehrenden Wesen; 4) die Miene ist daher Ausdruck der Gesinnung, des freien Cha-rakters, Gebärde drückt die eben jetzt herrschende Leidenschaft, den vorübergehendenAffect aus. So bemerkbar diese Unterscheidungen hin unk wieder sind, so schwanktdoch im Ganzen der Sprachgebrauch. Übrigens ist auch bei diesen Unierscbeidun-gen nicht zu verkennen, daß Gebärde bald in einem wettern, bald in einem engernSinne genommen ist. 2m wettern Sinne besaßt man darunter jeden physiognomi-schen Ausdruck des Innern im Körper, und dann sind die Mienen mit darunter be-griffen. Jene stumme Sprache mit ihren malenden, ausdrückenden und deutendenZeichen, welche man die Gebärdensprache nennt, würde deshalb aum die Mie-ncnsprache unter sich befassen, sodaß die Gebärdensprache ebcnsowol das Gesicht alsdie übrigen Glieder des Körpers zu Darstellungsmitteln hat. Die Gebärde wäredemnach das Allgemeine, die Miene das Besondere. Beim Entwurf einer T keorieder körperlichen Beredlsamkeit wird es dienlich sein, diesen also festgesetzten llnker-schied anzunehmen, und zur Mienensprache auch Das mitzurechnen, was das Ge-sicht nach der obigen Bestimmung von Gebärden in veränderter Bewegung aus-drückt. Körperliche Beredtsamkeit ist aber die Kunst, einem Andern seine Gedankenmittelst des Körpers und gewisser Modificationen desselben so mitzutheilen, daß sieden verlangten Eindruck auf ihn machen. Diese Modificationen des Körpers sindentweder Bewegungen und Stellungen desselben, oder Töne. Man sieht, daß dieganze Schauspielkunst sich daraufgründet, indem von den Bewegungen und Stel-lungen des Körpers die Äction, und von den Tönen die Declamation abhängt. DieAction ist nun eigentlich nichts Andres als die Gebärdenkunst selbst in jenem allge-meinen Sinne. Jene Bewegungen und Stellungen des Körpers sind nämlich Ver-änderungen desselbenoder seiner Theile, in Ansehung ihrer Lage lind Figur, mit ge-wissen Veränderungen der Seele übereinstimmend. Die Summe der Bewegungenist Gesticu lation; aus der Stellung gehen die Attitüden (s. d.) hervor, Tra-qen und Haltung des ganzen Körpers im Stehen, Sitzen und Liegen währendeiner gewissen Situation. Hier ist immer etwas Unbewegliches. Festes. Attitüdenmacht der ganze Körper; Gesticulation können nur die beweglichen Theile desselbenmachen, Kopf, Arme, Hände, Füße, entweder alle zusamnun oder jedes für sich,weshalb es auch eine Kops, Arm-, Hände- und Füßesprache gibt, wovon freilich diemeisten Schauspieler nichts verstehen. Vcn allen diesen stummen Sprachen unter-scheidet man nun noch besonders die Gesichtssprache, und zwar nicht ohneGrund. Das Gesicht ist kein so beweglicher Theil als Kopf, Arm, Hand und Fuß;theils aber durch die eigenthümliche Bildung und die bleibende Form seiner festen,theils durch das veränderliche Spiel seiner beweglichen Theile, theils durch Züge,welche durch Gewohnheit in den beweglichen Theilen fest und bleibend geworden sind,tritt hier das Innere in dem Außer» in den bedeutendsten, unzweideutigsten und un-verkennbarsten Kennzeichen hervor. Hier ist also eine Beweglichkeit ganz eigner Art,und von einer so großen Wichtigkeit, Laß man wol Ursache hätte, ihr eine vorzüglicheAufmerksamkeit zu widme», zumal da es auch hier wieder fast so viele eigne Spra-chen gibt, als Theile des Gesichts. Wer eine Stirn-, Augen-, Nasen-, Lippen- undWangensprache lächerlich finden wollte, bewiese damit nur, daß er die Natur hierniemals genugsam beobachtet hat. Diese Gesichtssprache nennt man auch Mimik(s. d.), ein Begriff, der freilich an sich mehr umfaßt. Wenn Engel die Mimik in dieethische oder physiognomische eintheilt, welche die Eigenthümlichkeit einesCharakters, und in die pathognomische, welche die vorübergehenden Verwund-ungen durch Affectcn u. Leidenschaften in bestimmten Situationen darstellt, so liegt