Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
538
JPEG-Download
 

L38

Gedächtniß Gedächtnißübung

ter diesen zeichneten sich aus: Kaltlebniidt in Jena (1750); Ianken in LeipzigMohr in Giengen in Schwaben; VleckA in Berlin , Direckor der ersten Hebam-me,«schule Deutschlands (1751); Röderer, Leh-er an der zweiten Anstalt dieser Art,in Getiingen (ebenfalls 1751 gestiftet); Cranz in Wien (1757), vorzüglich durchVerbreitung der L.vret'sicklii Zange: Stein in .Kassel undMarburg (1703); stleris^berg in Gertingen (1781) n. A. Dv Errichtung niedrer Eurbindungs-- und Heb-amnienschulen e>leichterte auch die Erlernung dieser .Kunst und brachte sie auf denGrad po,t Ausbildung, auf welchem sie sich jetzt befindet. Hierzu trugen m derneuern Zeit besonders die beiden Stark in Jena , Osiander in Göttin gen, SiHoldinWmzburg, Wigand, Ilagele, Boer, Jörg u.A.bei. Man ist jetzt auf den glücklichenMittelweg gekommen, durch Ausbildung aller zu dieser Kunst gehörigen Kenntnissedie Fälle bestimmen zu können, wo die Kunst sich leidend »erhalten und das Geburt»;geschäft der Natur überlassen kann und muß, und wo diese eS nicht, oder nicht allein,oder nicht ohne.Nachtheil fürMntter oderKmd beendigen kann, und daher die Kunstsicher, entschlossen und bestimmt kandeln muß. l I.

Gedächtniß heißt das Vermögen, und die Fertigkeit des Geistes, gehabteGedanken zu behalten und willkürlich in sich wieder zu erneuern. Es setzt vorausdas Auffasse» des zu Behaltenden, Etwas bald fassen, sich leicht worauf besinnenund es lange behalte», sind Vollkommenheiten des Geistes, welche sich selten bei-sammen finden. Zn Hinsicht des Fassens ist das Gedächtniß schnell oder langsam,in Hinsicht des Besinnens ist es treu oder untreu, leicht oder schwer, in Hinsicht desBehältnis aber stark oder schwach, groß oder klein, indem es mehr oder wenigerVorstellungen längere oder kürzere Zeit behält. Die Beschaffenheit des Gedächt-nisses hängt sehr von der Art des Denkens und von der Aufmerksamkeit ab, welcheman für die Gegenstände hat, welche ins Gedächtniß zu fassen sind. Man unter-scheidet das Wortgedächtniß, welches von mechanisch Auswendiglernen zeugt undkeines sonderlichen LluswaiidS von Geist bedarf, von dem Sachgedächtniß, wozuUrlheffskraft und also selbstthätiger Geist gehört. Ilngemcine Gedächtnißgabenmachen den gelehrten Mann, Nachdenken den Mann von Geist, den Philosophen»Das Gegentheil von» Gedächtniß ist die Vergeßlichkeit, wo der Kopf, so oft er auchgefüllt wird, doch immer wieder leer wird. Dieses Übel ist bisweilen unverschuldet,wie bei alten Leuten, oft aber auch die Wirkung zerstörender Alisschweifungen, zu-mal i» der Jugend, einer gewohnten Zerstreuung oder Mangel an Übung (s. d.fg. Art.),— Gedächtnißkunst s. Mnemonik. >0!.

Geb ä ch t n i ß ü b u n g bezeichnet die absichtliche Thätigkeit der Seele,eine Reihe von Sähen aufzufassen und zu künftigem Gebrauche zu behalten. Mannennt dies auch Memoriren, und die Sprache des täglichen Lebens braucht dafür denAusdruck: Auswendiglernen, vermuthlich darum, weil bei dem Hersagen des aus-wendigzulernenden Stücks der Hersagende nicht das Buch, worin das Memorir-stück steht, geöffnet vor sich haben und hineinsehe» darf, sondern es so hält oder ge-legt hat, daß er nur das Äußere, das Auswendige desselben vor sich sieht. Da derWerth eines guten Gedächtnisses, welches durch Übung gestärkt und also zu einerKraft erköht werden soll, welche leicht und schnell faßt, lange und viel behält, undtreu und zurrechten Zeit sich des Aufgefaßten wieder erinnert, sehr groß ist ; da dasGedächtniß mit Recht die Vorratskammer des Verstandes genannt wird; da durchei» gutes Gedächtniß die nützliche und sittliche Wirksamkeit für das Leben erhöhtwird, so sind die sogenannten Gedächtnisübungen ein betrachtenswerrher Gegen-stand der Erziehung und beim Unterrichte und in jünger» Jahren durchaus nicht zuvernachlässigen, da d^eGedächlnißkrastzuw Theil von körperlichen Organen mit ab-zuhängen scheint. E? muß bei der Leitung dieser Übungen ein natürlicher iLluf, »-gang voni Leichtern zum Schwerern, vom Kürzern zum Lungern, vor» Einfachernzum Zusamiiieiigefttzterii beobachtet werden, wenn das Fortschreiten zum beabsich-