Geheime Gesellschaften 547
borgener Kenntnisse, Geistersehen, Goldmachen und andrer wunderbarer Kräfte.DaS 11. Jahrh, ist reich an dergleichen Thorheiten (s. Rosenkreuzer und An-drea), aber dennoch schienen sie erst im 18. eine fast allgemeine Herrschaft zu er-reichen. Unglaube und der finsterste Aberglaube haben in jener Zeit ihre naheVerwandtschaft recht augenscheinlich bewiesen; denn während cS unerläßliche Be-dingung vornehmer Bildung schien, über Alles, was dem Menschen heilig seinmuß, über Tugend und Religion zu spotten, ließen sich von einem so gemeinenCharlatan, wie Cagliostro , auch die Aufgeklärtesten betrügen. Nachdem von Eng-land aus seit dem Anfange des vorigen Jahrh, die Freimaurerei sich nach dem übri-gen Europa verbreitet hatte, diente sie jener Geheinmißkrämerei, dem Hange nachverborgenen Künsten, der Eitelkeit, welche mit Rang und OrdenSzeich'en spielte,und deni Betrüge, welcher jene Schwächen benutzte, theils zum Werkzeuge, theilszum Vorbilde. Unläugbar kleideten sich Adepten auch in dieses Gewand und führ-ten ihre leichtgläubigen Anhänger durch eine Menge von Graden und Vorbereitun-gen, welche nicht ohne Bezahlung ertheilt wurden, und den Vortheil gewährten,daß das vorgespiegelte eigentliche Geheimniß immer im Hintergründe gehalten wer-den konnte. Es braucht ebenso wenig geläugnet zu werden, daß auch eine nicht ge-ringe Zahl andrer Bestrebungen von der entgegengesetztesten Art, Proselytenmache-rei und Jlluminatismus, sich der maurerischen Verbindungen und Formen bedien-ten, um sie zu ganz fremdartigen Zwecken zu benutzen. Aber der echten Freimau-rerei wird man nie den Vorwurf machen können, daß sie aufStörung der bestehen-den bürgerlichen Ordnung sinne, oder etwas Andres sein wolle als ein Bund, wel-cher mit brüderlicher Liebe die ganze Menschheit umfaßt, in dessen Innerm derMensch nur gelten will, was er als Mensch werth ist, und alle Spaltungen derMeinung, alle äußere zufällige Unterschiede, ohne sie je als politische Einrichtungenanzutasten, verschwinden. Statt also die Freimaurerei anzuklagen und zu verfol-gen, sollte man froh sein, in ihr einen Tempel der Versöhnung und des rein sitt-lichen Streben« zu besitzen, dessen wohlthätiges Wirken nie nothwendiger ist alsnach den großen politischen Entzweiungen unserer Tage, und man sollte nur dieVerunstaltungen von ihr trennen, welche sich ihrer zu fremden Zwecken bemächtigthaben. Dies wäre aber um so leichter, als die echte Maurerei ihre Pforten nur gegenden großen Haufen schließt, gegen die Regierungen aber nirgends geheim sein will.Nicht nur in, sondern auch neben derFreimaurerei bildeten sich im vorigen Jahrh,fast in allen Ländern Europas eine Menge ähnlicher geheimer Gesellschaften undOrden, zum Theil von sehr unreiner, aufdie roheste Sinnlichkeit abzweckender Art.Es wäre zu wünschen, daß die vorhandenen Materialien einer Geschichte dieserVerbindungen, von welchen die Orden unter den Studirenden einen besondernZweig ausmachen, gesammelt und öffentlich bekanntgemacht würden, um mancheirrige Ansicht über Geist und Zweck derselbe» zu widerlegen. Zn der neuer» Zeit istallerdings die politische Richtung vorherrschend geworden, obwol an die Märcheneines Robison , Barruel, FabriciuS u. A. kein besonnener Mensch mehr glaubt,und selbst die Erzählungen von einer revolutionnairen Propaganda in Frankreich ,welche von da aus allenthalben das Bestehende umzustürzen suchte, und von welcheralle Unruhen in andern Ländern angestiftet würden, nach und nach ihr Ansehenverlieren. Denn überall, wo dergleichen Unruhen ausgcbrochen sind, lassen sicheigenthümliche locale Veranlassungen derselben nachweisen; wo diese (wie in Eng-land die Noth der Fabrikarbeiter, welche die Bewegungen der Radikalen hervor-brachte) gehoben werden konnten, ist auch sofort die Ruhe von selbst zurückgekehrt,sowie dieselbe, wo dergleichen locale Ursachen der Unruhen nicht vorhanden waren,gar nicht gestört worden ist. Bei einer Geschichte dieser neuern geheimen Verbin-dungen zu politischen Zwecken würde man übrigens auch die Überzeugung gewin-
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