Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
549
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Gcheimeräthsverordmingcn Geheimschrift L-19

Geheimerathsverordnungen oder Onlre., c>5 <2niin>ül,Verfügungen, die überSkaatsverwalkimgSgegenstände aus dem Geheimem aihe des(unverantwortlichen) Königs von Großbritannien und mi Namen desselben, nachvorgängigcr Berathschlagung und Abstimmung der (verantworilichcn) Geheimen,rathe, und zwar der Stimmenmehrheit gemäß, erlassen werten. Die ÜbersetzungCabinclsordre ist nicht passend, weil wir unter letzterer gewöhnlich einen von derreinen Willkür eines unumschränkt regierenden Fürsten ausgehenden Besohl rei ste--hen. (Vgl. Eontinentalsysiem.)

In den meisten deutschen Ltaalen (und ehemals auch in Sachsen ) wirdGe-Heimerath oder Geheimerathscollegium dasjenige Ministerium genannt,dessen Sitzungen der Fürst selbst beiwohnt, und welches über alle Gegenstände inletzter Instanz entscheidet. Im Königr, Sachsen ist gegenwärtig der Gehe ime-rath ein hohes Laudescollegium, welchem die Dberaufsiche und Berathung überolle, das Wohl, die Würde und die Rechte des Landes betreffende Angelegenheitenobliegt. Über die von ihm deßhalb beim Könige eingereichten Gutachten machtdieser seine Entscheidungen durch das geheime Cab inet bekannt, an welches auchdie übrigen höchsten Landesbehorten Vortrüge zu erstatten haben.

Geheimschrift (Kryptographie). Die Kunst, Briefe und Schuftenmit geheimen Nachrichten so einzurichten, daß sie mir von Denen gelesen werdenkönnen, für welche sie bestimmt sind, kannte schon das Alterthum. Dia» schor z. B.einem Selaven das Haupthaar, schrieb auf die Haut mit unverlöschlichen Zeichenund sandte ihn, nachdem das Haar wieder gewachsen war, an seine Bestimmung.Dieses ist jedoch keine eigentliche Geheimschrift, sondern nur ein Verbergen derSchrift. Die Geheimschrift besteht in dem Schreiben mit Zeichen, welche nurDemjenigen lesbar sind, für welchen die Schrift bestimmt ist, oder welchem dieErklärung der Zeichen, derSchlüssel, mitgetheilt ist. Die einfachste (Art derselben ist,für einen jeden Buchstaben des Alphabets irgend ein andres Zeichen oder nur einenandern Buchstaben zu wählen. Allein diese Art von Geheimschrift (< Alll'rc) ist auch,ohne daß man den Schlüssel besitzt, leicht zu entziffern. Daher wendet man mancheTäuschungen an; man scheidet die Worte nicht von einander, man schiebt nichrs-bedeutende Zeichen zwischen die geltenden ein; man wechselt nach gewissen verab-redeten Regeln mit verschiedenen Schlüsseln. Hierdurch wird zwar die Entzifferungder Schrift für den uneingeweihten Dritten sehr schwierig, aber auch für die Eorre-spondirenden selbst außerordentlich mühsam, und ein kleines Versehen macht auchihnen zuweilen die Entzifferung unmöglich. Andre Arten, z. B. sich über ein ge-drucktes Buch zu vereinigen und die Worte aus demselben zu bezeichnen, bat auchdas Mühsame desChiffrirens und Dechiffrirens gegen sich. Die Arr, die eigentlichgeheimen Worte in einem größer»Briefe oder Aufsätze ganz andernInhaliS zu ver-bergen, sodaß solche hervortreten, wenn ein Blatt mit ausgeschnü tcnen Stellen dar-über gelegt wird, hat zwar den Vortheil, daß das Dasein der gebeimen Schriftselbst verborgen wird, ist aber nicht zu großem Mittheilungen geeignet, und derSchlüssel (das durchbrochene Blatt) leicht zu entwenden. Das Schreiben mit soge-nannter srmpatberischer Dinke ist gar zu leicht zu entdecken, weil die Reagentien,wodurch die verborgene Schrift hervortritt, bekannt sind. Daher ist die sogenannte«lbiMr guorr,- oder tchiffm indöobiN-ibl,- sehr beliebt geworden, welche wenig-stens die Leichtigkeit des Gebrauchs, die Schwierigkeit, den Schlüssel zu smden,und die Möglichkeit, denselben im bloßen Gedächtnisse zu bewahren, auch schnellzu wechseln, mit einander verbindet. Sie besteht in einem Täfclchen, worin die 25Buchstaben des Alphabets unter einander gesetzt sind: