Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
552
JPEG-Download
 

552 Gehorsam Gehörwcrkzeilge

wird. Das Werkzeug des Gehörs ist das Ohr, ein in seinem Baue sehr zusammen-gesetzter, künstlicher Theil des thierischen Körpers. Man theilt es in das äußere,mittlere und innere Ohr. Die beiden erstem Theile sind vornehmlich dazu bestimmt,den Schall aufzufassen und fortzuleiten, indes, die eigentliche Anklingnng der Töneund ihre wettere Fortpflanzung indem innern bewerkstelligt zu werden scheint. Am»äußern Gehör gehört die Muschel und der knorpelige Gehörgang. Dieser schließt sichder GehörgangSröhre an, welche durch das Trommelfell begrenzt wird. Das Trom-melfell ist ein nach Innen convepes, sehr elastisches Häulchen und bedeckt die Trommel-höhle od. sogen. Pauke. In dieser sind die Gehörknöchelchen, ihrer Gestalt wegenHammer, Amboß und Steigbügel genannt, befindlich. Das äußere Ohr ist durchauszweckmäßig gebildet, um die wellenförmigen Erschütterungen der Luft aufzufangenund sie in die Muschel und von da in den Gehörgang zu leiten. Da die Fläche diesesletzter», z. B. beim menschlichen Ohr, 50 Mal kleiner ist als die Fläche des äußernOhrs, so muß hier der Schall um 50 Mal stärker sein, als wenn er ohne das äußereOhr in den Gehörgang gekommen wäre. In der Trommelhöhle bilden sich die Töneund pflanzen sich weiter fort durch die überspannte Haut des Trommelfells und mit-telst der Gehörknöchelchen. Die innerste Höhle des ObrS nennt man das Labvrinkh.Sie liegtüber der Trommelhöhle etwas nach hinten in der festesten Masse desSchlä-feknochenS, und besteht aus dem Dorhof, 3 halbkreisförmigen Rohren und derSchnecke, einem spiralförmigen Canal, der sich um eine Spindel windet. In diesenkünstlichen Theile», die man das innerste Heiligthum des Gehörorgans nennenkonnte, werden die durch das Trommelfell und die Gehörknöchelchen ferner fortge-pflanzten Töne zur Aufnahme noch besonders ausgebildet, und erreichen endlich dieeigentlichen Gehörnerven, denen sie ihre Eindrücke mittheilen, um sie zu dem Gehirnselbst zu leiten, wo sie zur Empfindung erhöht werden. Die Entstehung dieser Em-pfindung hat man aufmaiicherlei W use zu erklären versucht, allein dieNatur wirktbier hinter einem Schleier, den der Geist des Menschen zu durchdringen vergeblichbemüht ist. Eine Reihe der anziehendsten physiologischen Beobachtungen über das Ge-hör und dessen Werkzeuge bei den verschiedenen Classen derThiere findet man inChlad-ni'S „Akustik". Ilb-u die Ausbildung und Veredlung des musik. Gehörs siehe Weber'SAbhandl. in der „Leipziger Musik. Zeit.", 1801. S.Will.Wiight: „<>!, >tie>> ,'iml ch>nu-,o-i ,,k tlm ,ito." (Lond. 1829; deutsch zu Weimar ).

Gehorsam, s. Klostergelübde.

G e h ö r w e r k z e u g e (künstliche), Hörmaschinen, Hörröhren, nennt mangewisse Instrumente, welche angewendet werden, um bei Schwerhörigkeit d e Em-pfindung des Schalls zu verstärken. Die Formen derselben sind sehr verschieden,doch gehen alle darauf aus, entweder, wo das äußere Ohr ganz fehlt, diesen Man-gel zu ersetzen, oder wo das äußere Ohr zwar vorhanden ist, die innern Gekorwerk-zeuge aber erschlafft sind, oder auf irgendeine andre Weise leihen, die Wirkung desäußern OhrS zu verstärken. Es Hai aber das äußere Ohr der Menschen u»d derThiere hauptsächlich den Nutzen, daß durch seine trichterförmige Gestalt die Schall-strahle» gleichsam vereinigt, zusammengedrängt und zu den innern Gehörwerkzeu-gen, dem Sitze der eigentlichen Empfindung des Gehörs, geleitet werden. AlleHörmaschinen nun, welche, wie gesagt, die Wirkung des äußern Ohrs ersetzen oderverstärken sollen, ahmen mehr oder weniger dessen Form nach. Die ältern Werk-zeuge dieser Art gleichen einem Nachtwächterhor» oder einer Trompete, sie sind mei-stens ziemlich groß und gewöhnlich mit Handgriffen versehen, um sie, wenn manetwas deutlicher zu hören wünscht, an das Ohr zu halten, und zwar so, daß dieengere Windung in den Gehörgang gesteckt, die äußere weitere aber gegen den Ortgerichtet wurde, von wo man den Schall erwartete. Diese Instrumente wurdenaber, durch ihre Größe, sowie dadurch, daß sie beständig an das Ohr gehalten wer-den mußten, bald unbequem; auch versteckten sie den Fehler, gegen welchen sie hel-