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Geist
Meist. Im Gegensatz des Körpers wird der Geist als ein Wesen gedacht,das mitBewußtftin thätig ist, dessen Thätigkeit daher im Vorstellen und Streben,oder, auf einer höhern -Llufe gedacht, im Denken und Wollen besteht. Wird einsolches Wesen in Verbindung mit einem Körper, durch welchen es mit einer äußernWelt in Wechselwirkung steht, gedacht, so heißt eS Seele, und jener Körper seinLeib. Ob es reine, d. h. körperlose Geister gebe, ist nie ausgemacht worden. In-dessen hatte man auf diese Voraussetzung die Geisterlehre oder Pneumatologie er-baut. Diese angebliche Wissenschaft hat von jeher viele Verehrer gefunden, beson-ders unter den Schwärmern, die bei ihrer überspannten Einbildungskraft die Gei-ster wol gar in körperlicher Gestalt zu schauen und mit ihnen in übernatürlicher Ver-bindung zu stehen wähnten. Solche Geisterseher unterschieden dann auch, vermögeihrer Bekanntschaft mit dem Geisterreiche, verschiedene Ordnungen von Geistern,als gute und böse Geister, nach ihrem Charakter und Einfluß auf den Menschen;Luftgeister, Erdgeister u. s. w., nach ihren Wohnungen. (S. Dämonologie,Engel, Teufel, Gabalis.) Auch gaben dergleichen Personen oft vor, daßsie die geheime Kunst besäßen, die Geister sich unterwürfig zu machen, sie erscheinenzu lasse» u. s. w., wozu man sich gewisser Formeln oder Zauberwörter bediente.Daher entstanden Geisterbeschwörer oderGeistercitirer, die oft nur verschmitzte Be-trüger waren, welche die Leichtgläubigkeit der Menschen durch angebliche Entdeckungverborgener Schätze u. dgl. zu ihrem Vortheile benutzten. Obgleich nun das Grund-lose der Geisterlehre und das Trügliche der Geisterkunst (Magie) theils durch Schrif-ten (vgl. Kant'S Träume eines Geistersehers, erläut. durch Träume der Metaphy-sik), theils durch Nachahmung der sogen.Geistererscheinungen mittelst der optischenTäuschungen, welche die natürliche Magie lehrt, oft genug dargethan worden ist,so hat doch der Aberglaube sich noch immer nicht davon losreißen können, wie derBeifall beweist, den Iung'g Schriften über die Geisterwelt in unsern Zeiten, selbstunter den höhern Ständen gefunden haben. —- Man nimmt aber das Wort Geistoft auch in andern Bedeutungen, sodaß man darunter nicht ein besonderes, mitBewußtsein thätiges Wesen versteht, sondern die innern, durch Sinne nicht wahr-nehmbaren Bestimmungen gewisser Dinge. Ferner bezeichnet Geist eine höhereRegsamkeit der Geistesthätigkeit, besonders aber der Erkcnninißlhätigkeiten, und imGegensatz des Gemüths oder des Herzens. So sagt man von einem Menschen, erhabe Geist, wenn seine Denkkraft in einem vorzüglich hohenGrade wirksam ist; undwiefern sich dies auch äußerlich im Antlitz oder Äuge des Menschen abspiegelt, legtman auch wol diese» Theilen des Menschen Geist bei. Daher sagt man: ein geist-reicher oder geistvoller Mensch, Schriftsteller, Künstler, deSgl. eine geistreiche Physio-gnomie, ein geistvolles Auge u. s. w. Ja man trägt die letztere! Ausdrücke auch aufmenschliche Erzeugnisse über, wiefern sich in ihnen die innere Kraft des Menschen, dersie hervorbrachte, ankündigt, und sagt daher: ein geistreiches Buch, ein geistvollesKunstwerk, Gedicht, Gemälde u.s. w. Bei geistreichen Kunstwerken kommt es aberweniger auf die Stärke der Denkkraft als vielmehr der Einbildungskraft an, wie-wol diese allein noch kein wahres Kunstwerk zu schaffen im Stande ist, sondern inVerbindung mit dem Verstände bei ihren Hervorbringungen wirksam sein muß. End-lich trägt man dasWort Geist selbst auf Getränke über, wiefern sie die Kraft haben,Zu berauschen und dadurch die Einbildungskraft zu erregen. Deßhalb nennt man siegeistige Getränke. Dasjenige Element derselben, welches man als den Grund jenerbelebenden Kraft betrachtet, nennt man ihren Geist, z. B. Weingeist (s. Alkoho l),und bezeichnet die übrigen Bestandtheile mit dem WortePblegma. In einer andernBedeutung setzt man in Beziehung auf die menschliche Rede dem Geiste, d. h. deminnern oder höhern Sinne derselben, den Buchstaben, d. h. den bloßen Wortsinn derRede, entgegen. Im Franz, heißt Geist (e,zuit) oft nichts Anderes als Witz oderLaune, deßgleichen die Gabe, ein unterhaltendes Gespräch zu führen. I).