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Geist der Zeit Geistere»scheiirung
Glaubens an die göttliche Dreieinigkeit gemein. Bon der Wirksamkeit des beil.Geistes in der christlichen Kirebe hat auf der einen Seite die Politik des Driestei re^i-menlS, auf der andern der NivsiicismuS einiger Sekten schwärmensche Vorstellun-gen in Umlauf gebracht (s. Gnade, Hierarchie, Inspiration'), und umseine Gegenwart zu versmnlichen, hat man ihn, zufolge eines mißverstandenen Ge-sichts des Täufers Johannes bei der Taufe Jesu, sogar in Gestalt einer Taube ab-zubilden gewagt. Übrigens kehrt gegenwärtig die Theologie zu den ursprünglichenbiblischen Bestimmungen von dem Begriffe, den Gaben und dem Beistände des heil.Geistes zurück, und unsere Vorstellung von dieser göttlichen Kraft kommt der Ideeeiner gesunden Rcligionsphilosophie von dem Zusammenhange des Geistigen imMenschen mit Gott immer näher. Denn daß Gottes Geist aus der von ihm euige-gegebenen heiligen Schrift, in den Reden und Thaten frommer, für das Gute begei-sterter Menschen, wie in unserm Gewissen spreche, und eine geflissentliche Wider-setzlichkeit gegen die anerkannte Wahl heil und innere Überzeugung — die blinde ge-gen den heil. Geist — unverzeihlich sei; daß man die durch Lehren , Beispiele undinnern Gewissensdrang erweckten Vorsätze und geleiteten Fortschritte unserer sittlichenBesserung als em Werk diesesGeistes, Weisheit, Scharfblick in die Zukunft, Begei-sterung für das Gute lind religiöse Beredtsamkeit als Gaben von ihm, das priestei l.Amt aber als einen Auftrag Gottes betrachten müsse, der nicht ohne Mitwirkung, nichtohne Empfänglichkeit für die Zuspräche seines Geistes würdig erfüllt und nutzbar wer-den könne: alles Dieses steht mit der menschlichen Vernunft keineswegs im Wider-sprüche. Vielmehr unterscheidet diese genau von Dem, was bei den Menschen Geistgenannt wird, den Geist GorteS, und die Erfahrung zeigt, daß ein geistvoller Menschsehr unheilig denken und handeln, der heilige Geist aber mit seinen Gabenund Kräften nur in reinen, unschuldigen Seelen wohnen kann. II.
Geist der Zeit ist die in einem Zeitalter herrschende Denkart und Hand-lungsweise. Es ist also nicht die Zeit, der man einen Geist beilegt, sondern die inder Zeit (d. i. in einem Zeitalter) lebenden Menschen. Wenn man also sagt: derGeist der Zeit ist egoistisch oder revolutionSsüchkig, so heißt dies nichts Andres, alsdie geistige >Ltmmuing der in einer gewissen Zeit lebenden Menschen ist so beschaffen,daß dieMeisten unter ihnen nur für ihr persönliches Wohlbefinden sorgen, oder einengroßen Hang zu politischen Umwälzungen haben. Da nun die Natur in den Men-schen einen gewissen Nachahmungstrieb gelegt hat, vermöge dessen das BeispielAndrer ein äußerer Reiz für ihn wird, Dasselbe zu thun, so ist hieraus begreiflich, daßjeder Einzelne, je nachdem sein Nachahmungstrieb stärker oder schwächer ist, und erweniger oder mehr Selbständigkeit hat, auch dem Einflüsse des Zeitgeistes auf sei-nen Charakter und sein Verhalten mehr oder weniger unterworfen ist. Daher wirddem Zeikgeiste eine gewisse Herrschaft beigelegt, die aber doch nicht so allmächtig ist,daß man sich nicht durch eigne Geisteskraft darüber erheben könnte. Die Ursachen,welche in einem gewissen Zeitalter einen eigenthümlichen Geist hervorbringen, kön-nen sehr verschieden sein, werden aber doch fast immer entweder au? so kräftigen Gei-stern, welche in religiösen, politischen, philosophischen und ästhetischen Ansichteneine bedeutende Änderung bewirkten, oder aus so ausgezeichneten Regenten, derenEinfluß sich weit erstreckt, vereint mit der friedlichen oder kriegerischen, glücklichenoder unglückliche» Lage der Nationen hervorgehen.
G e i ste re rsch e i n u n g. Man versteht darunter in den meisten Fällendas Sichtbarwerden eines abgeschiedenen Geistes in der Gestalt seines vorigen Kör-pers, eines Schemen; die Nachahmung dieses Phänomens durch die natürlicheMagie wird in dieser Beziehung Phantasmagorie (s. d.) genannt. Wieentschieden auch die Philosophie wider die Möglichkeit derselben sich erklärt und alleBerufung auf Erfahrungen mit der Mahnung an die Möglichkeit eines (vielleichtoptischen) Betrugs und einer Selbsttäuschung überreizter Einbildungskraft abgewie-