Band 
Vierter Band. F bis G.
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Geisteskrankheiten Get'stik

sen hat: immer bleibt im Gemüthe des Volks eine geheime Neigung zu dem Glau-ben an diese Möglichkeit, und darum isi auf der Bühne die Erscheinung eines (Gei-stes oder Schemen einer der stärksten tragischen Hebel, eins der wirksamsten Mit-tel zu kunsizweckmaßiger Bewegung des Gemüths. Die griechischen Tragiker ha-ben sich dessen sowol bedient als «Lhaksxeare, Colderon u. a. neuere Dichter; den-noch ist der Geschmack der Franzosen im Ganzen dagegen, wegen seines Anspruchsaus Naturaemäßheit aller theatralischen Ereignisse; und sie haben selbst „Hamlet "ohne Geist aus ihre Bühne gebracht. Das ist eine von den Folgen des Irrthums,daß Alles, was auf der tragischen Bühne als ein Wahres auf die Handelnden zuwirken scheint, auch die Zuschauer täuschen und ihnen als Wahrheit vorkommenmüsse. Geschähe das bei der Erscheinung des erschlagenen Banguo in „Macbeth"z. B-, so würde eben dadurch die Kunstwirkung vernichtet werden, und an ihreStelle eine rein peinliche natürliche treten: der Zuschauer würde nicht Theilnahmean einem fremden Schrecken, sondern ein eignes Entsetzen empfinden. Jene Theil-nahme, auf welche hier Alles ankommt, hängt keineswegs vom wirklichen Glaubendes Zuschauers, sondern von dem scheinbaren des Spielers ab, und wir müssen Ban-quv'S Geist nur darum auf dem Theater sehen, weil wir sonst über die Ursache vondes Königs Schrecken zweifelhaft bleiben würden. Inzwischen beruht der richtigeGebrauch dieses tragischen ErregungsmittelS auf mancherlei Bedingungen, welchehäufig verletzt werden, und der neueste Versuch, der in dem Trauerspiele: „Die Ahn,frau", gemacht worden isi, die Erscheinung und Mithandlung einer Verstorbenenals Hauptsache zu behandeln und das ganzeStück hindurch die Zuschauer mit einerArt von künstlerischem Gespenstcrschauder zu unterhalten, scheint aus einer Ver-wechselung der Begriffe von Mittel und Zweck hervorgegangen zu sein. bl»r.

Geisteskrankheiten sind diejenigen Arten von Störungen des freienBewußtseins, in welchen der Mensch fortdauernd entweder keiner lebhaften und be-stimmten Vorstellungen fähig ist, oder verkehrte, d. h. dem gesunden Verstände wi-dersprechende Vorstellungen bei sich unterhält, ohne sich von ihrer Verkehrtheit über-zeugen zu können. Im 1. Falle ist Blödsinn vorhanden, welcher, wenn er sichals allgemeine Abstumpfung der geistigen Empfänglichkeit und Selbstthätigkeit zeigt,Dummheit, wenn er aber als kindisches Unvermögen, Vorstellungen zu festenBegriffen zu verbinden, erscheint, Albernheit genannt wird. Im 2. Falleführen die mancherlei krankhaften Erscheinungen der geistigen Thätigkeit den allge-meinen Namen der Verrücktheit, weil hier gleichsam der Geist aus seinen Fu-ge» gerückt ist. Sehr häufig sind diese verschiedenen Krankheiten des Verstandesund der Phantasie, oder mit einem Worte, des Geistes, mit einander verbunden,oder haben wenigstens, auch wo sie einzeln erscheinen, das Gemeinsame, daß siesämmtlich den Krankheiten des Gemüths (s. d.) und Willens entgegenstehen, un-ter denen sich besonders die Melancholie und die Tollheit auszeichnen. Derbeste allgemeine Name für sie alle ist: Seelenkrankheiten, von denen die Geistes-krankheiten dann nur einen besondern Zweig ausmachen, indem sie die Erscheinun-gen des krankhaften VorstellungSvermögenS ausdrücken, aus dessen Mißbrauche,z. B. durch überspanntes Nachdenken, sie zum Theil entspringen. So werden me-chanische Künstler über die Bemühungen, das I'c^>rluui„ Mathematiker,

die Quadratur des Cirkels zu finden, Theologen über die Erklärung der Apokalypseverrückt. Der Melancholie, dem Wahnsinn, der Tollheit gehen heftige Leiden-schaften und überhaupt Störungen in den Gefühlen und Trieben voraus, alsderen Erzeugnisse jene Krankheiten zu betrachten sind, zu welchen sich die Ver-rückungen u. s. w. nur nebenbei gesellen. tk.

Geistik (griech. von Gea, die Erde), derjenige Theil der phys. Geographie,welcher die Kunde von den festen Landmasscn vorträgt. Man unterscheidet folgendeAbthl. derselben: 1) nesologische oder Inselgevgraphie, von den Inseln u. Halb-