Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
561
JPEG-Download
 

581

Geiz Gelbsucht

den Wandel die Gemeinde erbauen soll, und daß manche Beschäftigungen und Ver-gnügungen mit derWürde eines öffentlichen Lehrers zu streiten scheinen. Im vori-ge» Jahrh, traten erst in Frankreich, dann auch in Deutschland viele Feinde desgeistlichen Standes auf, welche die großen Verdienste, die er sich durch BeförderungderNolksbildung erworben hat, verkannten, ihn mildem ungerechtesten Tadel über-häuften und ihm alle seine Rechte entzogen wissen wollten. Auch ist der geistlicheStand in den neuern Zeiten von mehren Regierungen sehr ungerecht behandelt wor-den. Indeß hat sich die öffentliche Meinung schon wieder zu seinem Vortheile ge-ändert, man erkennt seine Nutzbarkeit an, läßt ausgezeichneten Geistlichen Gerech-tigkeit widerfahren, und darf daher erwarten, daß die Regierungen die Rechte derGeistlichen nicht noch mehr, als bereits geschehen ist, beschränken werden, damitdasVerdienst auch in diesem Stande Anerkennung finde, und derGeistliche den äu-ßern Anstand behaupten kenne, den sein Verhältniß fodert. di.

Geiz beruh' aus einer Ausartung des Selbsterhaltungstriebes, vermöge de-ren man das Mittel zur Befriedigung dieses Triebes mit dem Zwecke verwechselt unddaher am bloßen Besitze äußerer Mittel ein so großes Vergnügen findet, daß mannicht nur Andern, sondern auch sich selbst den davon zu machenden Gebrauch oderGenuß versagt. Geiz in weiterer Bedeutung umfaßt auch die Habsucht. Im engernSinne geht er aber auf die Erhaltung des Besessenen, dagegen Habsucht aus den,wenn auch nur augenblicklichen Besitz, oder das sich Aneignen selbst gerichtet ist.Der Geizige strebt vorzüglich nach Geld, da es das vornehmste Mittel zur Befriedi-gung unserer Bedürfnisse ist. Doch wird das Wort Geiz auch auf andre Arten desübermäßigen Strebens bezogen, besonders auf das nach Ehre; daher Ehrgeiz.Wird aber das Wort Geiz schlechtweg gebraucht, so versteht man darunter gewöhn-lich die übermäßige Begierde nach äußern Mitteln oder Vermögen. In dieser Be-deutung wird auch der Geiz eine Wurzel alles Übels genannt; denn er macht denMensche» ungerecht und lieblos, sowol gegen Andre als gegen sich selbst. Wegender theils niedrige», theils ungereimten Mittel, die der Geizige zur Befriedigung s.Leidenschaft braucht, wird er in den Auge» Andrer verächtlich und lächerlich. Dietrefflichste Schilderung dieser häßl. Leidenschaft hat Moliöre in s. Lustsp. „lA.rare"gegeben. — Geiz ist auch eine Benennung verschied. PflanzenauSwüchse, sprossen-der Keime und Scitensprossen, z.B. an den Tabackspflanzen. Geizen, den GeizandenPflanzen und Gewächsen, z.B. am Weine oder Taback, abbrechen. I).

Gekuppelte Wäulen nennt man diejenigen, deren Eapitäle undSchoftgesimse sich berühren. Bei den Griechen kommen sie nicht vor. Erst unterdem AntoninuS PiuS wurde die gekuppelte Säulensiellung eingeführt, um dadurchdem Gebäude das Ansehen eines größer» Reichthums zu geben. Es kann Fällegeben, wo diese nahe Säulensiellung durch die Nothwendigkeit gerechtfertigt wird:wenn nämlich die Last für eine Säule zu groß sein würde, und die Verhältnisse eSnickt erlauben, ihr eine dazu hinreichende Dicke zu geben. Ein geschickter Bau-meister weiß indeß diese Fälle zu vermeiden.

G e l b e s F i e b e r, s. Fieber (gelbes).

Gelbsucht, eineKrankheit, deren hervorstechendesZeichcn ist, daß die Hautdes damit Befallenen am ganzen Körper gelb wird. Der Sitz der Krankheit ist indenVerdauungswerkzeugen, und zwar in der Leber selbst, oder der Gallenblase, demAusfuhrungscanal der Galle rc. Die erstenÄußerungen der Krankheit sind ein un-behagliches Gefühl in der Herzgrube und nach der rechten Seite zu; dann Mangelan Eßlust, Drücken nach dem Essen u. A. m. Allmälig färbt sich die Haut gelb,und zwgr zuerst an ihrem durchsichtigsten Theile, im Auge, daher das Weiße indemselben gelb erscheint. Von da pflanzt sich diese Färbung über den ganzen Körpersor:, sotaß dieser, wenn die Krankheit in hohem Grade stattfindet, schmutzig-gelb er-schcint. Zugleich stellt sich gewöhnlich ein heftiges Zucken in der Haut über den ganzenConversations-Lencou. Bd. IV. 36