Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
566
JPEG-Download
 

566

Gelehrsamkeit

wurde. Nebenher erhielt er einigen Unterricht in der Malerei. Einige Bilder vonGottfried ValS entzückten ihn so, daß er, trotz s. Armuth, zu diesem Künstler nachNeapel reiste, um von ihm zu lernen. Nun entwickelte er ein so vorzügliches Genie,daß er bald selbst in der Reihe der ersten Landschaftsmaler stand, besonders nachdemer in der Lombardei und in Venedig die Landschaften von Giorgi»ne und Titian stu-dirt und sich die Art der Beleuchtung un^ des Coloritg dieser Meister eigen gemachthatte. Nach einer Reise in sein Vaterland ließ er sich 1 627 in Rom nieder, wo er,da s. Werke sehr gesucht wurden, in Wohlstand lebte, bis er 1682 am Podagra starb. Die großen Galerien in Italien, Frankreich, England, Spanien undDeutschland besitzen von ihm schätzbare Werke. Vier seiner besten befinden sich i»der Galerie zu Kassel, und zwei in der zu Dresden . Das vorzüglichste, und woraufer selbst den meisten Werth legte, ist s. Abbildung eines Wäldchens der Villa Ma-dama. Clemens X I. machte sich anheischig, es ganz mit Goldstücken zu bedecken;der Künstler ober wollte es durchaus nicht geben, da er es, nach der Natur copirt,als Studium brauchte. Bei einem ungemeincn Reichthum der Erfindung, kraftdessen er in den Gegenständen einen beständigen Wechsel anzubringen wußte, hatteer ein ernstes, tiefes Studium. In der Wahrheit, womit er die Wirkung der Sonnezu den verschiedenen Stunden des Tages, und die sanften kühlenden Lüfte, die durchdie Wipfel Hinspielen und in das Gemurmel eines unter dem Schatten sich hinschlän-gelnden Baches flüsternd einstimmen, täuschend auszudrücken wußte, steht ihm nurKaspar Dughet zur Seite. Alle seine Nebenbuhler aber übertraf er darin, daß ereinigen dunkel beschatteten Stellen eine thauige Feuchtigkeit zu leihen wußte, dieganz unnachahmlich ist. Unvollkommen waren dagegen s. Figuren, und er wußtedies selbst so gut, daß er zu sagen pflegte, er verkaufe die Landschaften und gebe dieFiguren zu. Bei einem großen Theil s. Bilder sind sie aber von Lauri und Fran-ce-co Allegrini. Am öftesten wählte er angenehme, grenzenlose Aussichten, in de-ren täuschende Ferne das Auge sich verliert. Er stattete sie gern mit großartiger 'Ar-chitektur aus und machte s. Landschaften zur Scene eines mythischen oder historischenGegenstandes. Die Sammlungen der von ihm zu s. Gemälden verfertigten Zeich-nungen nannte er lälni ,1, vr-iliä. Eine solche Sammlung von 200 Zeichnungenbesitzt der Herz. v.Devonshire; eine andre von 130 Zeichn. Lord Holland. <1,1.

Gelehrsamkeit oder Gelahrtheit, wie man sonst sagte, beziehtsich ursprünglich auf Alles, was gelehrt, und folglich auch gelernt werden kann.Man nennt aber eigentlich nurDcnjenigcn gelehrt, der einen bedeutenden Theil dermenschlichen Erkenntniß oder irgend ein Hauptfach des menschlichen Wissens sichdurch ein methodisches Studium zu eigen gemacht hat. Gründlichkeit, Deutlich-keit, Ordnung u. Zusammenhang sind daher die charakteristischen Merkmale, welchedie gelehrte Erkenntniß von der gemeinen unterscheiden. Die Gelehrsamkeit aberwird entweder subjectiv, als die Eigenschaft eines Gelehrten, oder objectiv, als derInbegriff aller der Kenntnisse gedacht, dir man von Demjenigen fodcrr, der in einemHauptsache des menschlichen Wissens als Lehrer auftreten will. Hierzu gehört in-sonderheit ele Kenntniß der griechischen und der lateinischen Sprache; denn da dieneuern Gelehrten einen großen Theil ihrer Kenntnisse den Griechen und Römernverdanken, so wird von einem heutigen Gelehrten mit Recht gefedert, daß er ausden Quellen selbst zu schöpfen im Stande sei und also die Schriften der allen Ge-lehrten in den Originalen selbst benutzen könne. Es haben übrigens die Gelehrtenunter allen gebildeten Völkern stets einen bedeutenden Einfluß auf die Gesellschaftbehauptet, welcher Einfluß um so stärker war, wenn, wie bei den Ägyptern und an-dern orientalischen Völkern, die Priester zugleich den Stand der Gelehrten bildeten.Diese Verbindung des Priesterthums mit dem Gelehrienstande war aber den Wis-senschaften nicht förderlich, da die Priester bald ihre gelehrten Kenntnisse verheimlich-ten und den Laien (d. i. dem Volke, ckaiei) nur so viel davon mittheilten, als sie für