Gelliuö
Vertrauen, den 13. Dec. 1769, in s. 55. Lebensjahre. G. war (wie Nöthe ihnim -.Bde. s.Lebens beschreibt) nicht groß von Nestalt, zierlich, aber nicht hager.Sanfte, eher traurige Augen, eine sehr schöne >Ltirn, eine nicht übertriebene Ha-bichtsnase, ein feiner Mund, ein gefälliges Oval desNesichteS: Alles machte seineGegenwart angenehm. Sein moralischer Charakter war durchaus ohne Flecken.Gesinnungen wahrer Gottseligkeit beseelten ihn; er haue ein liebreiches, menschen-,freundliches, dienstbegieriges Herz gegen alle Mensel en. Die größte irdische Glück-seligkeit s. Lebens war die Freundschaft. Er liebte das Lob des Kenners und desRechtschaffenen, aber mit jener jungfräulichen Schamhaftigkeit, die vor einem jeden,auch wahren Lobe der Schönheit errathet; dabei war Niemand williger, die Gabenund Verdienste Andrer zu erkennen, Niemand geneigter, Ander» den Vorzug vorsich selbst zuzugestehen. Als Schriftsteller zog G. die Neigung s. Nation in einemGrade auf sich, den nur sehr Wenige erreicht haben. Seine Fabeln, welche in derdürresten aller literarischen Zeiten Deutschlands erschienen, gewannen durch freund:liehe Gutmükhigkeit, leicht verständliche Moral, treuherzige Schalkhaftigkeit undpopulairenWitz die Liebe des Volks, und während es dieselben liebte, ward es auchdurch sie gebildet: eine gewisse Breite, Schwatzhaftigkeir und Vei Wässerung dersel-ben mag daher um so eher entschuldigt werden. Seine geistlichen Gedichte bemäch-tigten sich des Herzens der Nation, und es gelang ihm, einige Ahnungen von Reli-giosität selbst bei dem großen Haufen zu reiten. Er erreichte zwar nicht die Tiefeeines Flemming und Gerhard, aber Innigkeit und Hingebung zeichnen s. geistlichenGedichte aus. Dennoch scheint es, als habe er das meiste Talent für die Gattungder kleinen fröhlichen Erzählungen gehabt, wobei es ihm zu statten kommt, daßhierbei eine gewisse Schwatzhaftigkeir eben nicht zu den Fehlern gehört, und daß dieKränklichkeit selbst oft, ihrer Natur nach, witzig ist. Sein spaßhafter Weiberhaßund s. komische Scheu vor der Ehe nahmen sich stets so zierlich und gutmüthig aus,daß er wol nie eine Frau im Ernst erzürnt hat. Für den Roman hatte G. kein Ta-lent , davon hat er in s. „Schwedische » Gräfin" den klarsten Beweis gegeben. Er-freulicher, wiewol auch mißlungen, sind s. Schauspiele. Sie mögen in ihrer zier-lichen Weitschweifigkeit und ehrbaren Langweiligkeit als ein merkwürdiger Beitragzur Culturgeschichte der Deutschen bestehen. Auch seine Briefe sind für die Zeit, inder sie geschrieben wurden, alles Lobes und Beisalls würdig, wenn sie auch von denFehlern jener Zeit nicht ganz frei sind. — Die neueste Ausg. sämmtlicher Werke er-schien Leipzig 1784 in 10 Bdn. „Geliert s Briefwechsel mit Demois. Lucius inDresden ", von 1760 — 69, nebst andern noch »»gedruckten Aufsätzen von G.,gab Hofr. Ebert (Leipzig 1823) heraus. öl.
GelliuS (Auluü), ein römischer Schriftsteller, welcher unter Hadrian undden Antoninen lebte, die Redekunst zu Rom , lind dann zu Athen Philosophie stu-dirte, und in der Folge die Würde eines Centumvir erhielt. Er hinterließ „At-tische Nächte " („Acwtes .Viticn<"), welche sehr anziehende, besonders für denSprachforscher und Kritiker wichtige, zerstreute Bemerkungen, die er während s.Aufenthalts zu Athen aus den besten griech. und lak. Schriftstellern in den Win-ternächten gesammelt, enthalten. Von den Ausg. nennen wir folgende: Paris ,1585, vonHenricuS StephanuS; Paris 1681, 4., in uru,» llelpl.iiü; Amster-dam 1651, 12., bei Elzevir; Leyden 1666, <-»>>> notis var.; Lehden 1706, 4.,von Gronov; Leipzig 1762, 2Bde., von Conradi :c.
Gelnhausen (zur Grafschaft Hanau des Kurfürstenlhums Hessen gehö-rig, 2870 E.), auf der Straße von Fulda nach Frankfurt , einst eine nicht unbe-deutende Reichsstadt, wie die große wohl erhaltene Dreifaltigkeitskirche, ein Werkdes Baumeisters Heinr. Fingerhut , im 13. Jahrh., und die schönen Überbleibselvon St.-Peters Münster noch jetzt beweisen, verdankte s. ehemalige Wichtigkeit s.günstigen Lage am Fuße der Gebirgskette, welche das Rhöngebirge in Franken mit