Band 
Vierter Band. F bis G.
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611
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Geographie 611

rungs-und Erwerbszweige, und die einzelnen Merkwürdigkeiten, dnrchgehends»ach der Örtl'chkeit. Bisher entlehnte man aus den eigentlichen statistischen No-tizen für die Geographie wahrscheinlich nur deßhalb so viel, um diese für den Iu-gendunterricht anziehender, oder die Handbücher derselben für die Bedürfnisse derLeser aus verschiedenen Stünden und Volksclassen reichhaltiger zu machen. Die-ses Mißverbültniß in den geographischen Hand - und Lehrbüchern, und die fort-dauernden Veränderungen in dem politischen Zustande der europäischen Staatenund Reiche, welchen selbst die in kurzer Zeit einander verdrängenden Lehrbücher der(Geographie und die wiederholten Aussagen derselben nicht immer schnell genug fol-gen und den jedesmaligen neuesten Zustand der politischen Geographie bestimmtdarstellen konnten, veranlaßte mehre denkende Männer, nach GattereS frühererAndeutung, eine sogenannte reine Geographie vorzuschlagen und auszufübren, inwelcher man die natürliche Beschaffenheit des Erdbodens, nach seinen Meeren,Bergketten und Flüssen, als Grundlage der Geographie behandelte, sie als Behufder Eintheilung der Oberfläche festhielt, und die Wissenschaft selbst nach diesemMaßstabe vollständig durchführte. Obgleich nun diese Behandlung der Geogra-phie durch die Einfachheit ihres Grundsatzes und durch ihre genaue Sonderungvon der Statistik sich empfiehlt, so dürfte sie doch, besonders wenn sie beim Jugend-unterrichte die einzig gültige werden sollte, die Lücken nicht ersetzen, welche nothwen-dig aus der gänzlichen Verdrängung der wohlverstandenen politischen Geographieentstehen müßten. Auch sind die in dieser Hinsicht gemachten Versuche im Gan-zen zwar nicht mißlungen, aber noch n'cht hinreichend begründet und erschöpfenddurchgeführt. Die politische Geographie kann sich natürlicherweise nicht inallen Zeitaltern gleich sein; man theilt sie daher historisch in die alte, mittlere,neue und neueste ein. Im wettern Sinne umschließt die alte Geographie nicht al-lein die Darstellung des Zustandes der historisch bekannten Erde und ihrer Bewoh-ner seit der ersten beglaubigten historischen Kunde bis zum Umstürze des römischenWestreichs, sondern auch die einzelnen Spuren der dahin gehörenden Nachrichtenin den mythischen Zeitaltern. In ihren Umfang gehören alle Völker des Alter-thums. Em Theil derselben, die biblische Geographie, eine Hülfswissenschastder gelehrten Bibelauslegung, istvorzüglich von Bochart, Michaelis, Rosenmüller(s. dessen „Handb. der bibl. Alterthuwskunde", Leipz. 3. Bde.), I. «Lchulkheß u.A.angebaut worden. Rich.Palmer'S „Oiblo Atlas, or s.acreü ^ef-^rupln <!,>!>>,c-aloil",in 26 Kärtchen (Lond. 1823),verdient eine kritische Bearbeitung. Die mittlereGeographie, welche mit dem Umstürze des römischen Westreichs anhebt, reicht her-ab bis zur Entdeckung des vierten Erdtheils, Amerika (von 476—1492). Dieneuere Geographie umfaßt die Periode von der Entdeckung Amerikas bis auf d. I,1789, und die Neueste die Zeit von 1789 bis jetzt.

In der Geschichte der Geographie, als Wissenschaft, kann manfolgende Perioden annehmen: 1) Mythische von der ältesten Zeit der «age bisauf Herodot. Quellen sind hier Moses, Homer und Hesiod . Das Meiste ist dun-kel und unsicher, der Nachrichten nur wenige, und mehr chorographisch als geogra-phisch. 2) Periode des einzelnen Sammelns von Herodot bis Erato-sthenes, 270 I. v.Ehr, Hanno, Skylap, Pycheas, Aristoteles , Dikäarchus liefernvon einzelnen Ländern anziehende Beschreibungen. 3) Systematische Pe-riode von Erawsihenes bis Claudius PtolemäuS , 161 I. nach Chr. PolvbiuS,Hipparchus, Artemidoriis, PosidoniuS. Strabo , DionysiuS Periegeta, Pompo-niuS Mela, Plimsts gehören hierher. 4) Geometrische Periode von Pkc-lemäus bis Nic. KopernicuS, 1520 I. nach Chr. Länge und Breite der Örterwerden bestimmt. Man kann hier unterscheiden ->) die Zeit vor den Arabern (Pau-saiuas, Marcianus, AaalhemeruS, Peutingerische Tafel, Kosmas); l>) Zeit seit denArabern, von 800 ». Chr. (Al-Marun, Abu Ischak, Scherif Edrisi, Nassir-Etdin