Germanien 689
die Fenni (Finnen), die Ästhi (Esthen), die Denedi (Wenden). Nach Ptolemäus bewohnten die Westseite Skandinaviens dieChadeni , die Ostseite die Phavones undPhiräsi, die Südseite die Gokä und Dauciones, das Mittelland die Levoni. DieStämme der Hermionen, die in herumschweifenden Parteien auch Sueven hießen,waren die Varini zwischen den Mündungen der Trave und Warne, die Sidoni,von der Warne bis zur Oder, die Teutanoardi und Viruni im Lauenburgischen undMecklenburgischen, die Nugier, Turcilingier und Licirri in Pommern , und an derOstsee die Heruler, Ilachbarn der Gothonen, und diese selbst mit ihren Nebenzwei-gen in Polen; ferner die Wandalen mit den Silingi im Riesengebirge und der Lau-sitz , die Burgundiones und die Lygier, die nebst den Buriern u. A. hinter den Wan-dalen in Schlesien und Polen ihre Wohnsitze hatten. Als einzelne Stämme derHermionen, welche sich unter den Ingävonen und Istävonen niederließen, werdendie Langobarden und 'Angeln genannt. Jene wohnten an der Elbe und nachher indem Lande der Cherusker, diese vereinigten sich von der Ostseite der Elbe her mit denSayen. Im Süden von Deutschland finden wir nur Auswanderer, die erst spä-ter, aus mehren Muttervölkern zusammengeschmolzen, zum Theil große Reichestifteten. Dergleichen südliche Colonisten waren die O.uaden, dieMarkonianncn, dievon denselben abstammenden Bojarier, die Hermunduren und die aus ihnen ent-sprossenen Sueven.
Die Römer lernten zuerst im I. der Stadt 640 die Germanen kennen, als einwilder Dölkerschwarm, der sich Cimbern nannte, neue Wohnplätze suchend an den'Alpen erschien, den Consul PapiriuS Carbo schlug und sich von da, im Verein mitden Tigurinern, gegen die Allobrogen wandte. Nachdem sie auch hier die Römerin 2 großen Schlachten geschlagen, fielen sie vereint niit den Teutonen und Am-bronen in das transalpinische Gallien , schlugen die Römer nochmals am Rhodanug,verbreiteten sich dann nach Westen, kehrten sich aber, durch die Tapferkeit der Ibe-rer und Belgier in ihren Fortschritten gehemmt, nach Italien , in welches die Teu-tonen und Ambronen über die westlichen, die Cimbrer und Tiguriner über die nörd-lichen Alpen einzudringen suchten. Marius ward Roms Retter; er besiegte dieErster» bei Aix im I. Roms 651, und 101 v. Chr. auch die Cimbern. Die Über-reste zerstreuten sich theils in Gallien, theils kehrten sie an die Donau zurück. Nach-dem Cäsar Gallien unterworfen und seine siegreichen Waffen bis an den Rhein ge-tragen hatte, lernte er hier zuerst ein Volk kennen, das man ihm Germanen nannte.Ariovist, der dasselbe führte und früher auf der Südseite der Donau gewohnthatte, wollte sich in Gallien niederlassen, mußte aber, von Cäsar geschlagen, wiederüber den Rhein flüchten. Nur die Bricocci und Remotes, die zu jenen Heerhausengehört hatten, blieben auf der Westseite des Rheins; aus den über den Rhein zu-rückgekommenen Überresten scheint sich der Schwärm der Markomannen gebildetzu haben. Cäsar ging 2 Mal über den Rhein , doch nicht um in dem wüsten LandeEroberungen zu machen, sondern nur um Gallien vor den verheerenden Einfällender Barbaren zu schirmen. Er nahm sogar Deutsche in Sold, Zuerst gegen dieGallier, dann gegen Pompejus . Kennen lernte er nur die zunächst wohnendenUbier, Sygambrer, Usipeter und Teuererer. Das übrige Deutschland wei de, sagteman ihm, von den Sueven in 100 Gauen bewohnt, deren jeder 1000 Mann ausFreibeuterei ausschicke, welche jährlich abgelöst würden. Sie lebten mehr von Jagdund Viehzucht als von» Ackerbau, besaßen die Felder gemeinschaftlich und hieltenalle fremde Völker durch Verwüstung der Grenzen von sich ab. Diese Nachrichtensind wahr, wenn wir sie auf die Deutschen überhaupt ausdehnen und unter den 100Garien die einzelnen Volksstämme derselben verstehen. Roms Bürgerkriege zogenjetzt die Aufmerksamkeit von den Deutschen ab. Der Bund der Sygambrer fiel un-gestraft in Gallien ein, und die von ihnen hart bedrängten Ubier versehteAgrippa andie Westseite des Rheins. Als aber die Sygambrer Augusts Legaten, Lollius, im