Band 
Vierter Band. F bis G.
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649
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Gesangbücher 649

halb deutsche und halb lateinische Lieder, wie: „In Wiest jubilo" ic. Luther gabsein erstes deutsches Gesangbuch 1524 heraus, welches aus 8, vorher auf einzeln«Blätter gedruckten Liedern bestand; die 2. AuSg. (1525) war mit 8 Liedern ver-mehrt; die 3. enthielt 40, und eine spätere 63 Gesänge, welche theils von Luther selbst neu gedichtet, oder verbessert, oder übersetzt, theils von Luiher's Freunden ver-fertigt waren. Dieses Luther schon Gesangbuchs bediente man sich lange Zeit inden evangelisch-lutherischen Kirchen. S. Rambach'S „Anthologie christl. Gesingeaus der ältesten und mittl. Zeit" (Altona 1816). Lukher'S Beispiel, religiöse Lie-der in deutscher Sprache zu dichten, fand Nachahmer noch im 16. Jahrh., u. A.an Poliander (s. Stammmelodien); Nicol. Decius, Pred. in Stettin (demVerf. von: „AlleinGoit in der Höh' sei Ehr'" rc.); Albert IV., Markgr. zuBran-denburg (st. 1557), Df. von: „Was mein Gott wül" :c.; Nic. Selneccer, Sup.zu Leipzig (st. 1592), Vf. von: „Laß mich dein sein und bleiben" !c.; Mart. Schal-linz, Pred. in Nürnberg (st. 1608), Vf. des von Geliert so geschätzten: „Herzlichlieb hab' ich dich, o Herr" rc.; Phil. Nicolai, Pred. in Hamburg (st. 1608), Vf.der Texte und Melodien von: „Wachet auf, ruft uns die Stimme rc." und: „Wieschön leuchtet uns der Morgenstern"; ün 17. Pchrh. an Martin Ntuckcit k, Vf. derbeiden ersten Strophen des gefeierten: „Nun danket alle Gott " (die 3. Str ophe istvon späterer Hand hinzugefügt); Paul Fle Mining (s. d.), Df. von: „In allenmeinen Thaten" rc.; Christian Kaimann, Rector zu Zitkau (st. 1662), Df. von:„Meinen Jesum laß ich nichtrc.", zu welchem Liede der Kurfürst von Sachsen , Ioh.Georg I., welcher diese Worte vor s. Tode oft sprach, Veranlassung gab; LouiseHenriette , Kurf. von Brandenburg und Gemahlin Friedrich 'Wilhelms des Gr.(st. 1667), Vf. von: „Jesus, meine Zuversicht" rc.; Ioh. Herrmann, Pred. zuLissa (st. 1647); Ioh. Rist, Paul Gerhardt (s. d.), Vf. von 120 Liedern;Simon Dach und Heinr. Albert, Letzter auch als Compsnist; Mart. Geyer, Ober-hofprediger zu Dresden (st. 1680), Vf. von: „Herr, auf dich will ich fest hoffen" rc.;Georg Neumark (s. d.), Vf. von: „Wer nur den lieben Gott läßt wallen" rc.;Sam. Rodigast, Rect. zu Berlin (st. 1708), Vf. von: „Was Gott thut, das istwoklgekhan" rc.; im 18. Jahrh. Benj. Schmolke, Past. prim. zu Schweidnih (st.1737); Erdm. Neumeister, Past. zu Harnb. (st. 1756); Dal. Ernst Löscher,Sup. in Dresden (st. 1749). Die Lieder dieser und vieler andern Dichter erschie-nen größtentheils unter eignen Titeln gedruckt. In den meisten luther. Kirchenhielt man sich lange Zeit bloß an die Luther 'schen Lieder, welche der größere Theilauswendig konnte und sie daher in den Kirchen ohne Buch sang. Cantoren undMusikdirectoren größerer Städte, wie Ioh. Hermann schein in Leipzig und spä-ter VopeliuS, Organist an der Nicolaikirche daselbst, nahinen in ihre Choralbücherauch Lieder von a. Vf. als von Luther ant. Man erlaubte sich, nach Luiher's Vor-gänge, der auch in den von ihm aufgenommenen Liedern, wie in dem Ambrosiani-schen Lobgesange, dem Glauben und andern, bedeutende Veränderungen vorgenom-men hakte, 'Abänderungen und Weglass nzen anstößiger Ltrophen oder veralteterAusdrücke. Von Seiten der geistlichen Bebörden einzelner Provinzen lind Ge-meinden sing man gegen Ende des 17. und zu Anfange des 18. Jahrh, an, neue Ge-sangbücher zu veranstalten. So gab 1696 Trogilius Arnkiel ein holsteinisches Ge-sangbuch heraus; 1703 erschien ein hallesches; 1707 ein hohcnstausischeS; 1711ein berliner, an dessen Stelle aber schon 1713 der Propst und Inipect. Porst einandres herausgab, weil in jenem zu viele schwärmerische Lieder vorkamen. Indes-sen fehlte es auch in dem Porsten'schen Gesangbuche nicht an solchen. Denn diebessei e Bahn, welche Opitz (s. d.) in der Dichtkunst gebrochen hatte, verließ manleider bald wieder. Durch Philipp von Aesen und HarSdörfer (s. Pegnitzord e n)ward ein spielender Geschmack Mode. Lohenstein (st. 1683) und Hoffmannswal-dau(st. 1679), beide Schkesier, gaben den schwülstigen Ton an, welcher vielen Bei-