Band 
Vierter Band. F bis G.
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666 Geschmack

mehr Masse, sein Muskelsystem ist fester und kräftiger, die Brust weiter, die Lun-gen sind größer und robuster, die Umrisse seinesKörperS sind schärfer, eckiger, dasGante desselben ist größer und stärker. Dagegen ist das Weib das Zartere, die Kno-chen sind dünn, zur Weichheit geneigter, dieMuskeln weicher und schwächer, dieBrust-höhle enger, die Lungen kleiner, das Herz und das Arteriensystem schwächer, da-gegen dasVenen- und lymphatische Erstem vorherrschend, die Zwischenräume un-ter der Haut und zwischen den einzelnen Theilen sind fettreicher, daher alle Umrissemehr abgerundet, der Wellenlinie näher, das Maß des Körpers im Ganzen kleinerund zarter. Daher offenbart sich in derForm des Mannes mehr die Idee der Kraft,in derForm des Weibes mehr die Idee der Anmuth, und schon in dieserBeziehunggebührt dem weiblichen Geschlechte der Name des schönen oder reizenden mit Recht.Der Geist des Mannes ist mehr schaffend, aus sich heraus in das Weite hinwirkend,zu Anstrengungen, zur Verarbeitung abstraeker Gegenstände, zu weitaussehendenPlanen geneigter. Unter den Leidenschaften gehören die raschen, ausbrechenden demManne, die langsamen, heimlich in sich selbst gekehrten dem Weibe a». Aus demManne stürmt die laute Begierde; in dem Weibe siedelt sich die stille Sehnsucht an.DasWeib istaufeinen kleinenKreis beschränkt, den es aber klarer überschaut; es hatmehrGeduld und Ausdauer in kleinen Arbeiten. (S.Frauen.) DerMann muß er-werben, dasWeib sucht zu erhalten; derMann mitGewalt, dasWeib mit Güte oderList. Jener gehört dem geräuschvollen, öffentlichen Leben, dieses dem stillen häusli-chen Kreise. DerMann arbeitet im schweiße seines Angesichts und bedarf erschöpftder tiefen Ruhe; dasWeib ist geschäftig immerdar, in nimmer ruhender Betriebsam-keit. Der Mann stemmt sich dem Schicksal selbstentgegen und trotzt, schon zu Bodenliegend, noch der Gewalt; willig beugt das Weib sein Haupt und findet Trost undHülfe noch in seinen Thränen. Über die Gleichheit beider Geschlechter im Menschen-geschlechte hatHufeland (Berlin 1820) eine Abhandlung geschrieben. I I.

Geschmack in phy siologischer Bedeutung ist der Sinn, durch denwir gewisse von den in derFeuchtigkeit der Zunge aufgelösten Körperrheilen herrüh-rende Eindrücke wahrnehmen; auch nennen wir so die Geschmacksempfindung selbst.Die an dem obern Theil und auf dem Seitenrande der Zunge befindlichen Nerven-wärzchen sind es, welche dieEmpfindung des Geschmacks hervo-bringen. Die Drüs-chen der Zunge schmelzen die Salze, welche dann aufgelöst in die Nervenwärzcheneindringen und jene Empfindung verursachen. Durch 3 Nerven, die an jeder Seitein die Zunge laufen und mit dem Gehirn und Rückenmark in Verbindung stehen,wird der erregte Eindruck weiter geleitet. Und diesem Eindrucke gemäß schreibenwir den Gegenständen gewisse Eigenschaften und Beschaffenheiten (Schärfe, Säure,Salzigkeit, Süßigkeit) zu. Der Geschmackssinn (psuzlus) hängt mit der Ernährungund dadurch mit dem ganzen animal. Leben zusammen. (S. Geruch und sinn.)— In ästhetischer Bedeutung versteht man unter Geschmack das Vermögen,das Schöne und Zweckmäßige an den Gegenständen zu beurtheilen und von demHäßlichen, Zweckwidrigen zu unterscheiden. Die Ähnlichkeit zwischen jenen, phy-siologischen und diesem ästhetischen Geschmack ergibt sich leicht. Es ist hier unddort etwas für uns Angenehmes oder Unangenehmes, was wir unterscheiden, unddort wie hier unterscheiden wir Beides nur sehr unbestimmt, indem sich die Unter-scheidung mehr auf unser Gefühl als auf den Gegenstand selbst gründet. Dahersagt man auch, daß sich über den Geschmack nicht streiten lasse. In der Thatläßt sich nur über Das streiten, wofür man Gründe vorbringen kann, die den Geg-ner zur Annahme einer Meinung bestimmen können; welche Gründe aber könnteman wol für die Behauptung anführen, daß Zucker ein angenehmes Gefühl errege,außerdem, daß es der eignen Empfindung so vorkommt? Dies wird uns der Geg-ner nicht abläugnen; er sagt uns aber, daß es bei ihm der entgegengesetzte Fall sei,und seine Behauptung hat für ihn denselben Werth, wie die unsnge für uns. Die-