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Geschlecht
dieses Charakters ist aber: Entgegensetzung zusammengehöriger und zu gemeinschaft-lichem Zeugungszweck wirkender Kräfte. Überall demnach, wo wir Zeugung ausentgegengesetzten Kräften wahrnehmen, können wir auch den Geschlechtscharakteranerkennen, gleichviel, ob diese Kräfte in der Gestalt der uns bekannten Organis-men erscheinen oder nicht, wenn sich nur der eine Theil als bestimmendes, gebendesPrincip, der andre als bestimmtes, empfangendes verhält, bsm es mit einemWorte auüzusprechen, so ist überall Geschlecht, wo Zeugung ist. Zeugung aber istin der ganzen Natur; oder vielmehr diese selbst ist nichts als ein unendlich mannig-faltiger Zeugungsact, der sogar unter dem Wcheine von Zerstörung vor sich geht.Sy sind also Sonnen und Planeten, der Wassertropfen und das Staubkorn ebensogut Geschlechiswesen als die Thiere und die Pflanzen, weil sie ebcnsowol als dieseZeugungswesen sind. Denn wird nicht z. B. der Schoß unserer Erde durch denbefruchtenden Strahl der Sonne, und allein durch ihn, aufgeschlossen und zu denmannigfaltigsten Erzeugnissen geweckt? Entsteht nicht aus dem verwitterten Steine,der uns kodier Staub scheint, und aus den Wassertropfen, die er in sich aufnimmt,eine junge, neue Gestaltung, der Erstling der Pflanzenwelt? Ja, gehen nicht in demInnern der Erde selbst unaufhörlich neue Zeugungen vor, indem entgegengesetzteKräfte sich mit einander vermählen? Woher die Verkalkungen, die Krystalle, diegewächsarligen Gestaltungen der Mineralien? Überall finden wir einEinwirkemeinSichqnschließen fremder Stoffe (Kräfte) an etwas Heimisches, Mütterliches, undüberall Verwandlungen dieses Mütterlichen zu neuen Gestalten; überall, wo nichtentwickeltes, doch keimendes Geschlecht. Das männliche Geschlecht nun ist dem-nach überall das Zeugende, den Keim zum künftigen Individuum Befruchtende,von welchem der erste Antrieb zu dessen Fortbildung ausgeht; das weibliche Ge-schlecht ist das den Keim des künftigen Individuums in sich Tragende und Aufbe-wahrende, den zeugenden und belebenden Stoff Aufnehmende, Dasjenige, welchesden Keil» ernährt, bis zu der Periode, wo seine Individualität zu dem Punkte auS-. gebildet ist, daß es sich losreißen kann, sein eignes selbständiges Leben beginnend.Geschlechtslos werden Thiere oder Menschen genannt, bei denen durch eineSiörung des BildungStriebcS kein Geschlechtsorgan sich bestimmt ausgebildet hat,die man folglich weder zu dem männliche» noch zu dem weiblichen Geschlechte rech-^nen kann. Geschlechtsverhältnisse sind die Verhältnisse, in welchen ein Geschlechtzu dem andern und gegen das andre sich verhält. In der Pflanzenwelt sind beideGeschlechter in den meisten Classen in einer Blüthe vereinigt, in manchen Classenjedoch auch getrennt, sodaß beiderlei GeschlechtStheile entweder auf einer Pflanze,jede in besonder»Blüthen, oder sogar auf verschiedencnPflanzen vertheilt sind, Beiden Thieren, wenigstens den vollkommener ausgebildeten, d. h. auf einer höhere»Stufe des Thierlebens stehenden, ist die Trennung der Geschlechter herrschend. Hiertreten demnach die Geschlechtsverhältnisse am bestimmtesten„hervor und offenbarensich nach derStufenreihe der Thierclassen in mannigfaltigenAnderungen gegen ein-ander, bis zu dem die höchste Stufe in der sichtbaren Schöpfung einnehmendenMenschen. So ist im Allgemeinen das männliche inz Verhältnisse zu dem weib-lichen das stärkere, jenes sich unterwerfende, daü aus sich hinaus auf das weiblicheÜberwirkende, das belebende, begeistigendc. Das weibliche, in» Verhältniß zu demMännlichen, ist das zartere, jenem sich unterwerfende, das aufnehmende, fortbil-dende, ernährende und endlich gebärende. Diese Grundcharaktere beider Geschlech-ter, die aus ihrem Begriff und ihrer Bestimmung nothwendig hervorgehen, schim-mern mehr oder weniger deutlich bei allen Gattungen lebender Wesen durch, bis sieim Menschen auf eine der menschlichen Würde angemessene Weise am höchsten ge-steigert und in den feinsten Schattirungen, sowol im Körperlichen als auch bis zumGeistigen überschreitend, sich am klarsten offenbaren. Daher erscheint der Mannschon im Physische»; als der Stärkere, sein Knochenbau ist ansehnlicher und hat