Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
685
JPEG-Download
 

Gesundheit 685

kung der Leidenschaften und Begierden bedroht wird, da ferner s. Thätigkeit nichtbloß körperlich, sondern auch geistig ist, und endlich s. Consumtion um Vieles schriebler vor sich geht als bei den Thieren. Allein in der Natur des Menschen selbstliegen auch mehre Schutz- und Hülfsmittel, welche s. Gesundheit zu statten kom-men. Seine körperliche Organisation und Structur ist zugleich zart, weich undnachgiebig; die Mannigfaltigkeit derselben und der Berührungspunkte mit der Au-ßenwelt bietet auch den heilsamen Einwirkungen mehr Seiten dar, welche den nach-theiligen das Gleichgewicht halten. Der Organismus kann niemals von allenSeiten zugleich angegriffen werden, sondern da s. Theilganzen oder Organe mit ein-ander im Gegensatze und dadurch im Gleichgewicht stehen, so istDasjenige, was dieeine Function herabsetzt, für die andre ein Erregungsmittel, wodurch sogleich beideeine Zeit lang im Gleichgewicht gegen einander bleiben, bis, nachdem im Organis-mus herrschenden Gesetze der Gewöhnung, der nachtheilige Eindruck durch Gewohn-heit geschwächt wird, oder die Einwirkung von Außen nachläßt, und demnach dieFunktionen beiderseits auf ihren Normalgrad zurückkehren. So sehen wir z. B.bei der schlimmsten und schnell veränderten Witterung dennoch viele Menschen ihreGesundheit behaupten, denn die Einwirkung der Atmosphäre, welche vielleicht dieAusdünstung der Haut vermindert, vermehrt die Absonderung des Urins u. s. w.Endlich macht ihn das Geistige selbst vieler angenehm erregenden Einwirkungenfähig; Vernunft und Verstand lehren ihn seine Leidenschaften und Begierden mä-ßigen, äußere widrige Eindrücke abwenden oder unschädlich machen, und überhaupts. Gesundheit schützen. Wenn dessenungeachtet die Erfahrung lehrt, daß die Ge-sundheit der meisten, wenigstens der im Culturzustande lebenden Menschen so oftgestört wird, und so wenige derselben das ihnen von der Natur bestimmte Lebenszielerreichen, seist dies eine natürliche Folge der Vernachlässigung oder Vereitelung dererwähnten Schutzmittel ihrer Gesundheit, oft sogar der noch erhöhten Einwirkungjener Veranlassungen zu Störungen derselben. Beide Fälle werden durch falscheCultur, durch Lupus , Sucht nach Vergnügungen, Mangel an Herrschaft der Ver-nunft, oft auch durch unvermeidliche Schicksale u. s. w. herbeigeführt. Ze mehrdie Menschen die ihrer Gesundheit drohenden Gefahren einsahen, desto mehr suchtensie neue Schutzmittel ausfindig zu machen. Hieraus entstand die Gesund-heitskunde, welche sich jedesmal nach der herrschenden Mode in der Medicingebildet hat. Manche glaubten, die Kunst, die Gesundheit zu erhalten, bestehe imGebrauch von Lebenselipiren oder von gewissen Vorkehrungsmitteln, z. B. Aderläs-sen, Brechen, Lapiren u. dgl.; Andre wollten durch Abhärtungen des Körpers, An-dre durch Wein und a. Reizmittel, Andre wieder durch a. Mittel diesen Endzweckerreichen. Während dessen versäumte man die in der menschlichen Natur selbstliegenden Hülfsmittel, die Gesundheit zu erhalten. Erst in der neuern Zeit sindmehre gelungene Versuche, diese Kunst auf naturgemäße Grundsätze zurückzufüh-ren, gemacht worden, unter denen das Hufeland'schcWerk („DieKunst, das mensch-liche Leben zu verlängern") sich vorzüglich durch Richtigkeit s. Grundsätze, leicht faß-lichen anziehenden Vertrag und durch zweckmäßiges Hervorheben des wohlthätig-sten Einfiusses der Moralität auf die Erhaltung der Gesundheit auszeichnet. Dieeinzig wahre Art, die Gesundheit unversehrt zu erhalten, besteht in einer vernünf-tigen, jenen Eigenthümlichkeiten der menschlichen Natur gemäßen Lebensweise,und kann ausfolgende Punkte zurückgebracht werden: die Lebcnsrhätigkeit auf demGrade zu erhalten, daß die V.rzchrung der organischen Masse und derKrafte nichtübermäßig befördert werde; den Wiederersatz des Verlorene» zu befördern; die Or-ganisation in gehörigem Stand zu erhalten, die zum Wiederersatz gehörigen Stoffevon Außen aufzunehmen, zu verarbeiten, sich anzueignen, alle Funclionen gehörigund zur gehörigen Zeit zu verrichten, den äußern schädlichen Einwirkungen zu wider-stehen. Alles, was hierzu förderlich ist, gehört ju den Freunden der Gesundheit,