Band 
Vierter Band. F bis G.
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694 Gherardesca (Familie)

fort mit Kraft und Erfolg als Lehrer und Schriftsteller betrat. Zugleich gründet«cr s. Ruhm als Dichter durch s. „Iduna", eine den Verehrern nordischer Vorzeitgewidmete Zeitschrift. Sein Talent als (Geschichtschreiber beweisen mehre histori-sche Auffitze von ihm, sowol in jener Zeitschrift als in der vielgelesenen „Swea".Seine Vorlesungen als Pros. der (beschichte in Upsala (seit 1815) finden, ihrer Le-bendigkeit, Klarheit und geistigen Erweckung wegen, den größten Beifall; daherauch im Herbste 1819 der Kronprinz G.'s Vorlesungen über die schwedische (be-schichte mit anhaltender Theilnahme besuchte. — Als tiefer und Heller Denker, demdie Wahrheit über Alles geht, hat steh G. in mehren Abhandl. Philosoph, und reli-giösen Inhalts bewährt, u. A. in s. Schrift über falsche und wahre Aufklärung inBeziehung auf Religion; in s. Abhandl. über die Phantasie und ihren Einfluß aufErziehung; in s. am Reformationgfesie 1817 der Universität zu Upsala gehaltenenRede, und in s. Charakteristik Thorild'S. Diese Schrift zog ihm, angeschuldigterKetzerei wegen, eine fiskalische Behandlung zu, an welcher alle Gebildete den leb-haftesten Antheil nahmen, und bei welcher Gelegenheit sich die Liebe und VerehrungderWtudirenden für den Vers. lautäußerte; indem ihn aber die ernannten Geschwor-nen einstimmig für schuldlos erklärten, feierte die Wache der Denkfreiheit in Schwe-den einen wichtigen Sieg. 1825 erschien der 1. Bd. f. schwed. Reichsgeschichte(„8ve.-> 1Ube<i Uällle, "), der in class. Wchreibart eine gründliche Würdigung allerQuellen zur Kenntniß der alten Bewohner Schwedens enthält (ins Deutsche übers.1827). Der König hat dem Verf. eine jährliche Zulage von 600 Thlrn. zur Fort-setzung dieses Werks ertheilt.

Gherardesca, die Familie, spielte bedeutende Rollen in der Geschichteder italienischen Freistaaten des Mittelalters. Sie stammte aus demToScanischen,wo ihr die Grafschaften Gherardesca , Donavatico und Monkescudaio (in dcn Ma-remmen zwischen Pisa und Piombino ) gehörten. Gegen Ansang des 13. Jahrh,schloffen sich die Grafen Gherardesca an die mächtige und reiche Republik Pisa an,wo sie auf Weiten des Volkes standen, welches gegen Sie um sich greifende Ari-stokratie kämpfte. Bei dem großen Streite zwischen den Gibellmen und Gnei-sen hielten sie eS mit der Partei der schwäbischen Kaiser und stritten ebensotapfer als treu unter dem — freilich in Italien nichts weniger als volksthüm-chen —Paniere der Gibellinen. Zwei aus dieser Familie, die Grafen Gerardund Galvano Donavatico, begleiteten Konradin von Hohenstaufen auf s. Zugenach Neapel und starben mit ihm auf dem Blutgerüste. Wegen dieser Anhäng-lichkeit waren die Gherardesca schon um 1237 mit den Viscontis, welche derPartei der Guelfen angehörten, in Feindseligkeiten gerathen. Ganz Pisa theiltesich dieserhalb in 2 Parteien. Endlich beschloß das Haupt dieser herrschsüchti-genFamilie, Ugolino Gherardesca, der Unterdrücker s. Vaterstadt (Pisa ) zuwerden. Als erste Magistratsperson in der Republik und als Haupt der Gi-bellinen in der Stadt glaubte er nur wenig Schwierigkeiten überwinden zu dürfen.Ganz der Politik s. Hauses und s. Zeit entgegen, beging er jedoch den Fehler, dieParrei der Gibellinen gewiffermaffen zu verlassen und sich den Guelfen so weitzu nähern, daß er s. Schwester an Ioh. Visconti, Oberrichter zu Gallura undHaupr der Guelfen in Pisa , zur Gattin gab. Dies machte ihn Allen verdächtig,und in der That hatten die Pisaner aller Farben nicht Unrecht, ein Bündniß mitVerdruß zu betrachten, welches die geheime Übereinkunft zwischen Visconti undUgolino zum Grunde hatte, die Freiheit der Stadt zu stürzen. Nach Ugolino'sPlan sollte Visconti ihm nicht allein die Hülfe der Guelfen in ToScana sichern,sondern auch unbemerkt die Soldtruppen zuführen, die er in Sardinien zu s. herrsch-süchtigen Zwecken gesammelt hatte. Der Plan scheiterte jedoch an der Wachsamkeitt>er Pisaner. Visconti ward an, 21. Juni 1271 verbannt, und Ugolino verhaftet.Wachend hetzte nun der Erstere die Guelfen gegen Pisa auf, sein früher Tod zu