Band 
Vierter Band. F bis G.
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Gift

Hülfe geleistet wird, derBrand hinzu. Andre Gifte wirken mehr durch schnell vor-,übergehende Reizung der Empsintungs- und Bewegungokraft des Organismus,und bald darauf folgende gänzliche Vernichtung desselben. Dies sind die sogen,betäubenden Gifte, worunter die meisten aus dem Pflanzenreiche sind. Sie äußernihre Wirkung durch Übelkeit, heftige Kopfschmerzen, Schwindel, Dunkelheit oderFlimmern vor den Augen, gewaltsam? und unwillkürliche Bewegungen der Glie-der und des ganzen Körpers, Verzerren der Gesichtsmuskeln, Angst, Verlust desBewußtseins rc., endlich kommt Schlagstuß noch dazu. Hierher gehört das Opium,der Schierling ((äenckuiu n>!>cuMt>n>>), das Bilsenkraut (li>e>-icvi,»iu!>), die Bella-donna (.zii">,>i Ilell.icloniii,). Auch in den bittern Mandelkernen steckt ein ähnli-ches, schnell das Leben vernichtendes Gift (Blausäure), das seine Wirkuna äußert,wenn sie in Menge genossen werten, oder wenn das concentrirte deststline Öl in denMagen kommt; dasselbe Gift steckt auch m den Blättern des Kirschlorbers, undunter den Erzeugnissen des Thierreichs wird es in dem Berlinerblau gefunden. Un-ter den Pflanzen gibt es mehre, welche beide Wirkungen vereinigen, und mittelsteines eignen scharfen Stoffes reizend und, vermöge des ihnen zukommenden narko-tischen Stoffes, betäubend wirken. Hierher gehören z. B. der rothe Fmgerhut(l)>pstt:,Ii» purpuie»), das Eisenhütchen ( z<n>i!!i>,„> Xnprlli») u. a. NI. AndreGifte wirken dadurch, daß sie die zum Leben nöthigen Verrichtungen mancher Or-gane plötzlich oder allmälig unterdrücken. Hierher gehören alle die schädlichen Lust-und Gasarten, welche nicht zum Aihemholen taugen, erstickende Dämpfe, z. B.Kohlenstoffgas (die fixe Luft) in Kellern, worin aährendes Bier liegt, Schwefel-dämpfe, Kohlendämpfe, durch das Athmen und die Ausdünstung vieler Menschenin einem verschlossenen Raume verdorbene Luft, große Menge starker Blumcn-gerüche in verschlossenen Zimmern u. a. m. Verschiedene Präparate von Blei,als Bleizucker, Bleiweiß, Mennig, Wein mit Bleiglätte oder Bleizucker versüßtu. dgl. ni., sind in diese Classe zu rechnen, indem sie allmälig die Lebcnsthäligkeit dereinsaugenden Gefäße in dem Darmcanal unterdrücken, sie zusammenziehen, Kolik-schmerzen erregen, und endlich die Einsaugung des Nahtungsstoffeö verhindern,wodurch Auszehrung entsteht. — Mit dem furchtbarsten Gifte, Hgixttl-, ge-nannt, soll, nach einer in Italien verbreiteten Meinung, Papst Clemens X I V. vergiftet worden sein. — Die sogen. Krankheitsgifte oder Anstcckungssioffe, Con-tagien, gehören nicht hierher und werden sehr uneigentlich Gifte genannt, z. B.Wuthgift. (S. Ansteckung.) — Gegengift heißt jede auf den organischenKörper angebrachte Wirkung oder Substanz, welche die schädliche Wirkung einesGiftes vernichten soll, insbesondere aber jedes einem bestimmten Gift entgegenwir-kende Heilniittel. Die Gegengifte sind ebenso verschieden, als es im Allgemeinen dieGifte sind. Sie sollen theils den Körper gegen die Einwirkung des Giftes schützen,theils das letztere so umändern, daß es seine schädliche Wirkung verliert, theils dieschon geäußerte» nachtheiligen Wirkungen wieder aufheben. So wendet man über-haupt gegen die ätzenden und scharfen Gifte schleimige und fette Mittel an, z. B.Öl, fette Mtlch u. dgl., um die Wände des Magens und der Gedärme gegen diezerstörende Wirkung des Giftes zu schützen. Gegen die metallischen Gifte dienennoch außerdem Seifen- und Schwefelleberauflösung, um durch die Verbindungmit dem Laugensalz und dem Schwefel die ätzende Schärfe jener Metallgifte zu ver-hindern. Gegen die concentrirten Mineralsäuren dienen besonders auch Öl, Laugen-salze und Seife. Gegen Kanthariden dienen schleimige, ölige Mittel mit Campher.Gegen die betäubenden Gifte wirken vorzüglich die schwächer» vegetabilischen Säu-ren, Essig, saure Weine, Caffee . Die Wirkung des Gifts der Blausäure vernichtetdas Laugensalz, auch eine Eisenauflösung. Gegen Opium wirkt besonders derCaffee , auch der Wein und der Camphcr rc. Ehemals glaubte man durch Schwitzenalle schädliche Stoffe aus dein Körper heraustreiben zu können, daher man sich eine