Band 
Vierter Band. F bis G.
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Gnade

verlor sich dabei nicht in ein kleinliches Detail, sondern wußte das Bedeutsame undEigenthümliche jeder Ansicht aufzufassen, und sein Styl zeigte tiefes Studium derNamr. In den letzten Jahren machte er auch Versuche im Colorire»; allein er be-saß mehr Sinn fürFormen alsfürFarben. was auch in s. Landschaften nach ClaudeLorrai» bemerklich ist. Außer s. schonen Sepiazeichnungen, beschenkte der fleißigeKünstler das Publicum noch mit vielen großen und sorgfältigen Kupferstichen. Siegehören zu dem Gediegensten, was der Grabstichel hervorgebracht hat, und man be-merkt bloß in einigen spätern Prokuckionen harte und zu starke Deronung einzelnerStellen. G. schnitt feine Platten sehr tief, wahrscheinlich um viele Abdrücke zu ge-winnen, und legte zu wenig Werth auf den malerischen Reiz der Nadel. Sie wur-den, w>e seine Zeichnungen, von Kunstfreunden gesucht, und der arbeitsame Künst-ler sah sich durch ein bedeutendes Vermögen belohnt. G. besaß auch Wissenschaft!.Bildung und ein großes Talent für Mechanik. Er hat einige Maschinen erfunden,u. a. eine für Kupferstecher, die semerCombinationSgabeEhre machen. Zugleich warer ein geschickter Drechsler. S>in Sohn, welcher die Laufbahn seines Vaters betre-ten will, befindet sich in Karlsruhe bei seinem Dhemi, dem Naturforscher.

Gnad e, »ach dem allgemein gültigen Begriffe, das unverdiente Wohlwol-len des Höher» gegen den Niedern, ist im rheolog. System die Gesinnung, mit derGott uns feine Wohlthaten zukommen laßt, und zwar im engern Sinne, seine Ge-neigtheit und Wirksamkeit zur Besserung und Beseligung der Menschen. Vor dem5. Jahrh, hatte man sich wenig mit der christl. Lehre von der Gnade und ihre» Wir-kungen beschäftigt, sie war von den griech. Kirchenvatern nur gelegentlich angedeu-tet worden. Auf Veranlassung einer freien Äußerung des Brite» PelagiuS , welchedein Beistande der göttlichen Gnade bei der Besserung des menschlichen Herzens zuwenig, den eignen Kräften des Menschen zum Guten zu viel Antheil einzuräumenschien, übernahm Augustmus die genauere Erörterung dieser Lehre mit einem Eifer,der in Leidenschaftlichkeit ausartete und ihn zu harren Behauptungen verleitete. Ersagt, der Mensch, von Natur verderbt und zu allem Guten umsichtig, könne durch-aus nichts für seine Besserung thun, er sei für sich nicht fähig, das Gute zu wollen,Alles müsse durch eine innerliche Einwirkung der Gnade auf sein Gemüth geschehen.Dabei kam er, um folgerecht zu sein, auf den empörenden Gedanken, Gott habenach seiner Willkür eimgeMenschen zurBesserung und Seligkeit, andre ebenso un-widerruslich zum ewigen Verderben vorher bestimmt, und zufolge dieses Rathschlus-seS wären die ungetauft gestorbenen Kinder überhaupt und auch die einmal nicht zurSeligkeit erwählten unter den vor ihrem Tode getauften, wenngleich sie noch keinewirkliche Sunde begangen hätten, ohne Rettung verdammt; aber auf Erden wisseman weder, welche unter den Christen die Erwählten, noch welche die Verworfe-nen wären, und solle sich dem unerforschlichen GerichteGotteS ganz überlassen. Ausdieser Behauptung Augusiin'ö und dem Mißverstände einiger bibl. Stellen entstandder kirchliche Lehrsatz von der Gnadenwahl oder Prädestination, der seit dem 5.Jahrh, bis über die Zeilen der Reformation hinaus ein Gegenstand angestrengterUntersuchungen und hitzigerStreitigkeiten derchristl.Ku chenlehrer war. DieMehw-zahl Derer, die sich Rechtgläubige oder Katholische nannten, traten dem Augusti-nus bei und verketzerten Mit ihm die Pelagianer, ohne genauer zu prüfen, inwie-fern seine Meinung Grund in der Bibel hatte, die er selbst nicht einmal i» der Ur-sprache zu lesen verstand. Aber auch Gelehrte späterer Zeiten, die ihn hierin über-sahen, wurden durch seinen Philosoph. Scharfsinn, durch seine Gewandtheit, Al-les zum Vortheil seiner Meinung auszulegen, durch seine hinreißende Beredtsam-keit und strenge Conseguen; geblendet, sodaß man ihn mit Recht den Anführer derlangen Reihe abendländischer Theologen nennen kann, die als strenge Prädestina-tion.»' durch hartnäckiges Beharren der der Augustmüchen Lehre von einer unbeding-ten Gnadenwahl, ebenso viel Verwirrung in als Unfrieden in die Kirche