Gnade
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gebracht haben. Manche, besonders gallische Theologen, fanden indeß, daß Augu-ftin in Absicht dieser Lehre zu weit gegangen sei, und schlugen nach dem Vorgängedes AbtS EassianuS zu Marseille , der schon in einem um 120 geschriebenen Küchedie Wirkungen der Gnade und des freien Willens zur Besserung des Menschen aufeine mildere und scbristmäßigereWeise zu vereinigen gesucht hatte, einen Mittelwegei», indem sie die Vo; herbestinimung Gottes über die Besserung und Seligkeit derMenschen eine durch die Empfänglichkeit und das eigne Verhalten der Menschen selbstbedingte nannten. Sie zogen sich hierdurch den Namen Semipelagianer— halbePelagiancr — zu, ohne jedoch von der kachol. Kirche geradezu für Keßer erklärt zuwerden, da diese den Streit über die Prädestination der Hauptsache nach so gut wieunausgemacht ließ. Daher kam es auch, daß sich in der Folgezeit das sonderbareSchauspiel einer allmäligen Verwandlung der Rollen darbot. Wegen der immermehr zunehmenden Unwissenheit der Geistlichen gerieth der Auzustinische Letzt be-griff von der unbedingte» und particulairen Gnadenwahl, ungeaclnet der großenEhrfurcht vor diesem Heiligen, in Vergessenheit, und dabei war es der scholastischen Theologie des Mittclalters leicht, ihn so zu verkehren, daß er mit dem Pclagiani»scheu verträglich erschien. Schon 818 wurde Gvttschalk, ein aus Fulda flüchtig ge-wordener Mönch, wegen seiner Anhänglichkeit an den Aiigustinischen Lehrsatz, vonder Synode zu Mainz verketzert und zum lebenslänglichen Gefängniß verdammt.Noch auffallender aber war diese Veränderung bei der Disputation, die der streng-kathol. I). Eck mit Luther'S Freund, Karlstadt, 1519 zu Leipzig hielt. Letzterer ver-theidigte die Augustinische Meinung von der göttlichen Gnade, wähl end Eck ihm dieAnsichten des heil. Thomas von Aquinum entgegenstellte, die aufs mildeste semipe-lagianisch zu nennen waren. Indeß blieben die Lutheraner den Katholiken in dieserLehre immer noch näher als die Reformirten, unter denen besonders Calvin undBeza ganz zu jenen harten Grundsätze» Augusiin'S zurückkehrten und eine unbe-dingte göttliche Dorherbestunmung über die Seligkeit gewisser Menschen und überdie Verdammnis; andrer zur Glaubenslehre der reformirten Kirche machten. DieEvangelisch-Lutherischen hingegen nahmen in ihrer Eintrachtsformel an, daß Gottalle Menschen zur Seligkeit bestimmt habe, aber vorher wisse, welche unter ihnensich derselben unwürdig machen würden, daß daher die Gnadenwahl nur die wirklichguten Menschen angehe und die Ursache ihrer Seligkeit sei. In der kathol. Kirchewar inzwischen immer noch nichts Festes über diesen Lehrsatz ausgemacht. Dieszeigte sich bei den Händeln der Dominikaner und Jesuiten , von denen Letztere, wegenihrer mildern Begriffe von der Gnadenwahl und der Kraft des freien Willens, vonden erster» des PelagianiSmuS beschuldigt wurden. Dieses Schicksal trafvorzüglich1588 den Jesuiten Ludwig Molina, von dem daher die Molinistischen Streitig-keiten in den Niederlanden ihren Namen haben. Im 17. Jahrh, entstanden eben-falls in den Niederlanden , wegen Uneinigkeit über die Lehre von der Prädestination,zwei neue Parteien, nämlich imter den Protestanten die Arminianer oder Remon-stranien, die eine allgemeine und bedingte göttliche Vorherbestimmung der Menschenzur Seligkeit gegen die streng-calvüüstischen Reformirten behaupteten, und sich 1610förmlich von ihnen trennten; unter den Katholiken hingegen die Iansenisten, diezufolge des vom Bischof Iansen (st. 1638) erneuerten Augustinische» LehrbegriffS,im Widersprüche mit der damals unter dem Einflüsse der gemäßigter denkenden Je-suiten stehenden kathol. Kirche, eine zwiefache und absolute Dorhcrbestimmung Got-tes über die Seligkeit und Verdammnis; der Menschen annahmen. Seit dieser Zeithat man über diesen Gegenstand zwar immer verschieden in der christl. Kirche ge-dacht, jedoch ist seit der Mitte des vorigen Jahrh, bemerkbar gewesen, daß einerichtigere Bibelauslegung und das jeden Fatalismus verabscheuende menschl. Ge-fühl endlich alle abweichende Meinungen über die Gnadenwahl zu der cchtchristl.Überzeugung vereinigt, Gott schließe Keinen, der sich ernstlich bessert, absolut von der