Band 
Vierter Band. F bis G.
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Griechenland (Volkscharakler)

im römischen Reich« sich ausbreiteten. Der Charakter der Nation war jetzt sorief gesunken, daß die Römer einen Griechen in der Regel als das nichtswü'tigsteGeschöpf verachteten. Asiatischer Luxus hatte sie ganz verdorben; da? ehemaligeGefühl von Freiheit und Selbständigkeit war erstorben, und niedriger Sklavensinnan seine Stelle getreten. Gegen den Anfang des 4. Jahrh, zeigte dieNanon kaumnoch eine Spur ihrer schönen Eigenthümlichkeiten. Zugleich singen die barbarischenVölker jetzt an, auch Griechenland verheerend zu überziehen. — Auster den bekann-ten Werken über die griech.Geschichte von Mitford, Gillies, Barlh lemy (Anachar-sis)u. A. nennen wir noch Clinton'« „I'nrli IlrNcuiu," (Oxford 182-1, 2. A. mitZus. Oxf. 182°!), ein für die bürgerliche und likerarische Chronologie Griechenlands von der 56. —124.Olymp, wichtiges Werk (von I>.Krüger, Lpz. 1825, latein.);Wachsmuth's „Hellenische Alterthumskunde" (2 Thle., Halle 1826 sg.), undAacowaky RizoNerulos's „Illiit, niocloriit: (In la 6>ö<:<,- (I^iuiilu uliütrdelä:,»-ziiro ,1'Oi irul ju?g» ä la pei .,0 <Ie äli,rn>>iu^I>>".

Hauptzüge in dem Charakter der alten Griechen waren Einfalt und Größe.Der Hellene war sein eigner Lehrer, und wenn er von Lindern lernte, geschah e? mitFreiheit und Selbständigkeit. Lein großes Vorbild war die Ichkur, die in seinemVaterlands alle Reize in sich vereinigte. Der noch ungebildete Grieche war männlichund stolz, thätig und unternehmend, ebenso ausschweifend in seinem Hasse wke ins. Liebe. Er schätzte und übte Gastfreundschaft gegen Fremde undLandSleuke. DieseGrundlage des Charakter« der Griechen hatte auf ihre religiösen, politischen, sitt-lichen und philosophischen Meinungen einen großen Einfluß. Griechenlands Götterwaren nicht wie in Asien in ein HeiligesDunkel gestellt; sie waren in ihren Fehlernund Tugenden menschlich, standen aber höher als die Menschen. Sie gingen mitdenselben vertraut um; Gutes und Böseü kam aus ihren Händen; alle körperlicheund geistige Gaben waren ihr Geschenk. Ebenso menschlich war auch die Moralder ältesten Griechen. Sie befahl, die Götter durch genaue Beobachtung derGebräuche zu ehren, die Gastfreundschaft heilig zu halten, selbstMörder zu schonen,wenn sie zu den Göttern ihre Zuflucht nähmen. Gegen den Feind war List undRache erlaubt. Kein Gesetz befahl die Keuschheit. Nur die Gewalt des Vaters,Ehegatten oderBruderS beschützte die Ehre des weiblichen Geschlechts, welches da-her in beständiger Abhängigkeit lebte. Verlorne Unschuld wurde zwar streng be-straft, aber der Verführer freute sich s. Siegs ohne das Gefühl eines begangenenUnrechts, und brachte den Göttern ebensowol Opfer und Geschenke, als ob er dierühmlichste Handlung begangen hätte. Die Sicherheit des häuslichen Lebens be-ruhte einzig auf dem Hausvater. Aug diesen Grundzügen der ältesten Sitten derGriechen entsprang in der Folge die Eigenthümlichkeit ihrer religiösen Gesinnungen,ihre Liebe zur Freiheit und Thätigkeit, ihre Vorliebe für Schönheit, ihr Großsinnund die Einfalt in ihrem häuslichen und bürgerlichen Leben. Die Religion derGriechen war nicht in dem Grade, wie die Religion der Römer, abergläubig; sokannte z.B. der Grieche das Auguralwesen nicht. Er neigte sich, auch in der Reli-gion, zur Fröhlichkeit, und diente den Göttern weniger durch Gesinnungen als durchäußere Ceremonien. Auf die Sittenlehre, den Glauben und den Unterricht desGeistes hatte die Religion wenig Einfluß. Nur den Glauben an die Götter undeine Fortdauer nach dem Tode federte sie, ferner Enthaltung von den gröbsten Ver-brechen und Beobachtung der vorgeschriebenen Gebräuche. Gute Sitten und wahreReligiosität zu befördern, wirkten anfangs bei den Griechin die Einfalt ihrer Lebens-art und gewisse dunkle Vorstellungen von einer Alles regierenden, das Gute lieben-den und belohnenden, das Böse hassenden und bestrafenden Gottheit, späterhin abereine durch Dichtkunst und Philosophie erzeugte Aufklärung, welche von den Gebil-detem sich auch dem großen Haufen mittheilte. Alan hatte in der Blüthe der grie-chischenBildung geläuterteBegriffe von einer einzigen Gottheit, ihrer Allwissenheit,