Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
839
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Griechenland , das neuere Ausstand der Griechen 8N)

Allgegenwart, Heiligkeit, Güte, Gerechtigkeit und von einer würdigen Verehrungderselben durch Tugend und Reinheit des Herzens. Ebenso lauter war die Sit-tenlehre einzelner Griechen. Man trug sie anfangs in sinnreichen Sprüchen vor;dabin gehören die Sprüche der sogen, sieben Weisen. Nachher traten SokrateS und dessen Nachfolger auf und verbreiteten gereinigte Grundsätze. Die FreiheitS -liebe der Griechen hatte ihren Grund in dem glücklichen Schicksale, lange ohneDruck und ohne Furcht vor andern Völkern gelebt zu haben, verbunden mit einerangeborenen Lebhaftigkeit des Geistes. Sie war es, welche kleine Heere unüber-windlich machte und einen Lykurg, Solon und Timolcon Kronen entsagen ließ.Die Freiheit der Griechen war ein Werk der Natur und Folge ihrer ersten patriar-chalischen Lebensart. Die ersten Könige wurden als Hausvater betrachtet, denenman freiwillig und zu s. eigenen Vortheile gehorchte. Wichtige Angelegenheiten ent-schied die Volksversammlung, In seinem Hause war Jeder Herr; Abgaben wurdenanfangs nicht bezahlt. Als aber die Könige ihre Gewalt mehr i.nd mehr ausdehn-ten, war man darauf bedacht, ihre Würde abzuschaffen, und es entstanden Freistaa-ten, die sich mehr oder weniger zur Aristokratie oder Demokratie hinneigten, oderauch aus beiden gemischt waren; die Bürger klebten den Staat, weil nicht Will-kür, sondern weise Gesetze ihn regierten. Diese edle Liebe für das freie Vaterlandwar es, welche Leonidas dem Perserkönige sagen ließ, er wolle lieber sterben alsüber Griechenland herrschen, welche den Solon , Themistoklcs, Dew.osbenes, Pho-cion begeisterte, da sie, ungeachtet des Undanks ihrer Landsleute, lieber dem Staatund den Gesehen als ihrem eignen Vortheil dienen mochten. Von der Thätigkeitder Griechen zeugt der Anbau ihres fruchtbaren Landes, das durch den Fleiß s. Be-wohner viele Millionen nährte, und der Reichthum ihrer Colonien. Allenthalbenblühten Handel, Schifffahrt und Gewerbe; Kenntnisse aller Art wurden eingesam-melt; der Geist der Erfindung war rastlos geschäftig; man lernte die Freuden einesgeselligen, aber auch allmälig eines üppigen Lebens kennen. Aus dieser Quelle derThätigkeit entsprang zugleich die Liebe zu große» Handlungen und Unternehmungen,wovon die griechische Geschichte so viele Beispiele ausstellt. Noch ein charakteristi-scher Zug des Griechen war sein Sinn für Schönheit, sowol geistige als körperliche.Dieser Sinn, durch die Natur geweckt und gebildet, schuf aus sich selbst ein Idealvon Schönheit, das ihm und uns zum Maßstab ward für jedes Erzeugniß derKunst. Edle Einfachheit ist Allem aufgeprägt, was von ihm ausging. DieserSinn machte die Griechen zu Lehrern aller Zeiten und Geschlechter.

Griechenland , das neuere, nebst Morea und den Inseln (2000Q. M.) zählt etwa 4 Mill. Einw., wovon 1 Mill. in Morea und Negropont.Sie sind ein Gemisch von Griechen, Türken, mohammedan. Assaniern, Juden,Italienern, Zigeunern u. A. Drei Viertel sind eigentliche Griechen oder Nach-kommen der alten Hellenen. Rechnet man hierzu die Griechen in Kleinasien ,Rußland, Deutschland, der europ. Türkei , so darf man wol die Anzahl allerseht lebenden Griechen zu 4 Mill. annehmen. Sie sind übrigens in ihrereigenthümlichen Natur noch die alten Griechen. Darum traten sie, nach fast 2000-jähriger Unterdrückung ihres freien Volkslebens, im 2. Iahrzehend des 19. Jahrh,urplötzlich wieder in der Weltgeschichte auf, um entweder von Neuem zu erblühenoder glorreich unterzugehen. Dieses für Europa wichtige Ereigniß, der

Aufstand der Griechen 1821, wird begreiflich, wenn wir 1. dasNaturverhältniß und die gegenseitige Stellung der Hellenen undTürken betrachten. Wenn in einem formlosen Staate Barbarei und BildungS-trieb, Zwangherrschaft und Freiheikösinn. issermuth und Verzweiflung einanderwiderstreben, da besteht-kein Gesetz und keine Ordnung, für den Gewalthaber sowenig als für den Unterdrückten. Wo überdies noch 2 Volker, das der Erobererund das der Besiegten, Jahrhunderte lang durch Religion, Sprache, Sitten, Ge-