Band 
Vierter Band. F bis G.
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Griechen (Aufstand in Griechenland 1821)

bräuchr, Denkart und Charakter- getrennt, sich gegenseitig abstoßen, da gibt es kei-nen geselligen Verband, und selbst die Möglichkeit ist nicht vorhanden, daß er je sichbilden wei de. Ein solcher Staat ist kein Staat, sonder» ein Zuiammenwurf vonTrümmern, gebalken von der Schwere und dem Druck der Massen. Menschen indiesem Staate sind keine Bürger; denn das LooS des Sklaven hängt ab von derPersönlichkeit ü Treibers. (Greift nun das der Willkür und Laune s Zwingherrnpreisgegebene und Hunden gleich behandelte Volk endlich, von Verzweiflung getrie-ben, nach s alten Rechten, kämpft es um Leben, Ehre, Bürgerthum, (Glauben undVernunft, erhebt es sich aus der Verwilderung eines gesetzlosen Zustandes zur Civi-lisation, lind wehrt eö von sich ab die beschloss»? Vertilgung: so ist dies nicht Em-pörung , sondern ein Kampf um das heilige Menschenrecht der Natur auf.Religion,(besetz und Vaterland. Solchen Kampf, Volk gegen Volk, hat von jeher, seit esVölker und Ltaaleu gab, denen häusliche Sicherheit, Schuh des Fleißes und Eigen-thums, Religion und Bildung theure Güter sind, die Geschichte m ihrem Tempelgefeiert. Solchem Kam, fe verdankt es Europa, daß es keine Satrapie von Asien ,Rußland, daß es kein mongolisches Khanat, Spanien , daß es keine Provinz desKha-IifatS u. Asi'ckas Nebenland, Ungarn, daß es kein Pasebalik der Os-nanen, Deutsch-land , daß es kein Vasallenbund für Napoleons Welti'eich geworden ist. Nur dasVolk geht unter und verschwindet, das, in sich verdorben, an s. Namen lind an s. Da-sein verzweifelt. Es gibt keine Römer mehr, aber es gibt noch Griechen. Das ältesteVolk in Europa , welches Sprache, Gestalt, Denkart und Charakter, welches denLeich'sinn wie die Begeisterung, den Heldenmuth und die glänzenden Naturgabenwie die Fehler und den Thatendurst s. Altvordern, welches den Ruhm und die Grä-ber s. Vater L Jahrtausende hindurch, mitten unter dem Zusammenstoße des N. mitdem D. und des Morgenlandes mit dem Abendlande, treu bewahrt, welches end-lich seit 4 Jahrh., von Hohn und Verachtung gepeinigt, den Glauben der Christennicht verlaugnet hat: dieses Volk kämpft jetzt wieder für s. alten Rechte, unbeküm-mert um das Kunstgefuge des europäischen StaakenbaueS, der jünger ist und ver-änderlicher als der geistig-siitlich-polirische BilkungStrieb der Griechen, welcher Eu-ropa selbständig gestaltet hat, und der jetzt aufs Neue erwacht ist, um das jüngsteGeschlecht der alten Hellenen aus dem Schlamme der Unterdrückung zu ziehen undaus äinechten des Orients dasselbe in europäische Bürger zu verwandeln. Darumverdient die letzte Erhebung der Griechen gegen Mohammed und Osman, selbstwenn der-Lieg den Kampf mchk krönen sollte, die Achtung der Nachwelt, und es istPflicht der Zeitgenossen, dieKunde davon treu aufzubewahren, ohne sich dabei durchAnsichten irre fuhren zu lassen, welche dasVorurtheil oder der Nutzen des Augenblickserzeugt bar. — Hellenen und Osmanen standen, durch Volks - und Glaubenshaß ge-schieden, feindlich einander ae^ müder, 3't I. seitKonstanti» XI. im Sturme derE: oberer erschlagen ward, und 110 I.seit die Republik Venedig Morea und die In-seln verlor. Kein Staaisvertrag hatteDolk und Land denTurkcn unterworfen; selbstMorea war ohne ausdrückliche Abtretung von Seiten Venedigs (im passarowiherFrieden Isi 18), nach dem bloßenRechte des Waffenbesitzstandes (u i> possi-luG), eineProvinz der Pforte geblieben. Die Gewalt des Siegers und die Ohnmacht des Be-siegten entschieden allein das Schicksal der Hellenen; dennoch war dieses Volk nieganz unterjocht; einzelne Stämme behaupteten in denGebirgen fortwährend die Un-abhängigkeit, so die Lphakioten auf Kreta , so dir Mainotten, die Stilis-ten, die Montenegriner (s. d.); selbst abhängige Häuptlinge schüttelten oftst» e Fesseln ab. und die Abenteuer kühner Griechen, der sogen. Klephten, welchevor dem Aufstande ein freies Leben und mit den Türken immer Krieg führten, wur-den der Hauptgegensiond neugriechischer Volksgesmge. Bloß Fanarioten (s. d.)hatten sich dem Sultan unterworfen, weil sie ihm dienten. Das Leos d->r unter-j»chten Rajahs ab» war nie und nirgend allgemein gesetzlich festgestellt, sondern