Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
854
JPEG-Download
 

854

Griechen (Kamps derselben 1826)

ward Omer Vrione von Maurokordatos und Marko Botsaris mit großem Ver-luste zurückgeschlagen; er mußte die Belagerung aufheben, verlorst Geschütz undzog sich nach Vonizza zurück. Die wichtigste Folge des verunglückten türkischenFeldzugs war der Fall von Napoli di Romaina (st d.). Freiwillige erstiegenum "Lage des h. Andreas, des Schutzheiligen von Morea (30. Nov. a. St., 12.Dec.) die Feste Palamtdi; dadurch kam auch die Sradt in die Gewalt der Griechen,welche die Eapuulanon genau erfüllten und die türkische Besatzung nach Scalanuova bringen ließen. Schon sollte der Litz der Regierung in dieses Bollwerk derUnabhängigkeit des Pelopounes verlegt werden, als der alte Zwist unter den Ka-pitanis wieder ausbrach, und Kolokotioni der Absicht, unter istrk. Schutze sichzum Fürsten von Morea zu erheben, verdächtig wurde. — Unterdessen war Kon-stantinopel der Schauplatz des Ianitscharenaufruhrs. Der unglückliche Feldzug inMorea, die Unfälle in Asien , der Mangel in der Hauptstadt, verursacht durch dievon den Griechen gehemmte Zufuhr, die strengen Befehle des Großherrn, welcheden Lupus in Kleidung und Schmuck untersagten und die Ablieferung des Goldesund Silbers in die Münze anordneten, die Herabsetzung des innern MünzwerthSund dic Stockung des Handels erregten allgemeine Unzufriedenheit. Haler Effendi,der treue Jugendfreund des Großherrn — verhaßt durch st Plane, den Trotz derIanitscharen, die nach Morea zu marschiren sich weigerten , um Hülfe asiatischerTruppen und europäischer Kriegszucht zu bändigen, sowie auch sei» Einfluß, derdie Großen des Reichs von dem Vertrauen des Sultans entfernte — wurde dasDpfer der Soldaienwuih. Mahmud sah sich genöthigt, die Anhänger Halet'S,den Großvesier -Laich-Pascha, den Mufti Und andre hohe Beamte abzusehen.Er hoffte st Freund durch eine ehrenvolle Verbannung nach Asien (10. Nov.) zuretten; allein er mußte das Todesuriheil ihm nachsenden, und Haler's Kopf ward,am 1. Dec. 1822, nebst den Köpfen st Anhänger auf den Thoren des Serailsausgestellt. Der Harti-Sheriff, welcher den Abdullah-Pascha, einen Freund derIanitscharen, zum Großvesier ernannte, schloß mit den Worten: „Nimm deineGedanken recht zusammen, denn Gott weiß, die Gefahr ist groß!"

VI. Einführung einer Verfassung in Griechenland , und dritter er-folgloser Feldzug der Türken gegen die Hellenen 1823. Die Eenlralregierung, inwelcher Maurokordatos und NegriS durch richtige Beurtheilung der innern undäußern Verhältnisse Griechenlands sich auszeichneten, verfolgte jetzt einen doppeltenZweck. Eingedenk der Worte eines griech. Schriftstellers: „Da alle StaatenGriechenlands herrschen wollten, haben alle die Herrschaft verloren", suchte sie dieEinheit im Innern zu begründen, worauf zugleich die Hoffnung beruhte, daß Eu-ropa der Wiederherstellung des Hellenenstaais Vertrauen und Billigung nicht ver-sagen werde. In dieser Absicht erließ die Regierung zu Korinlh schon am 15. April1822 eine Erklärung an die christl. Mächte; allein die Verhandlungen über diegriech. Angelegenheit in Wien und später in Verona nahmen, als die Pforte, inFolge ihrer Erklärungen von» 28. Febr. und von» 18. April 1822, nachzugebenschien, eine für die Griechen ungünstige Wendung. Die Fortdauer der Pforie alslegitime Macht und die Erhaltung des Friedens ließen sich mit der Anerkennung ei-nes unabhängigen Griechenstaats nicht vereinigen; doch beschlossen die Mächte, denDivan zur Stcherstellung der Griechen in bürgerlicher und kirchlicher Hinsicht zu be-wegen. Es konnte daher der Abgeordnete der griech. Regierung, GrafMeiapa*) Graf Metara schrieb d. 2. Jan. 182Z von Ancona auS an den Papst Pins VIl.,welchem er die vage der Griecben schilderte, ihn um sein Fürwort in Verona bat,und zugleich erklärte, daß die Griechen ihre Rechte der Prüfung des EongresseSunterwerfen und von einer christlichen Dvnastie unter weisen und dauerhaften Gesetzenbeherrscht zu werden einwilllgten, nie aber mir der Pforte in irgend eine Verbindungwieder treten würden. Dasselbe erklärte die Regierung zu ArgoS in einer an denG'ngreß gerichteten Schrift vom 20. Aug. 1822. Die Eirculardepesche von Verona »