862
Griechische Kirche
in tas orientalische oder griechische lind occidentalische oder lateinische, die auf denKirchenversammlüngen zu Konstantinopel, 381, und zu Chalcedon , 151, durch-,gesetzte Erhebung des Bischofs zu Konstanlinopel zum zweiten Patriarchen der Chri-stenheit nach dem römischen, die Eifersucht des letztem gegen die anwachsende Machtdes erstem, dies Alles waren Umstände, bei denen es nur der Zweideutigkeit des vomgricch. Kaiser Zeno 482 gegebenen und den Lateinern wegen des Scheines einerÄbweichung V0n den Beschlüssen der chalcedonischen Kircherwersammlung anstößi-gen EdickS, bekannt u. d. N. desHenotikon, bedurfte, um eine förmliche Spaltungin der christlichen Kirche herbeizuführen. Der Patriarch Felix 11. zu Rom sprachüber die Patriarchen zu Konstanlinopel und Alepandrien, welche die vornehmstenWerkzeuge des Henotikons gewesen waren, 484 den Bannfluch aus und hob da-durch die Kirchengemeinschaft sämmtlicher morgenländischen, diesen Patriarchen an-hängenden (Gemeinden mit den abendländischen auf. Zwar vermochte der römischePatriarch Hormisdas , bei veränderten Gesinnungen des kaiserl. Hofes, 519, dieWiedervereinigung der griechischen Kirche mit der lateinischen zu erzwingen; alleindiese ohnehin nicht ernstlich gemeinte und nur lose angeknüpfte Verbindung wurdedurch Hartnäckigkeit von beiden Seiten und römische Bannflüche gegen die Bilder-stürmer unter den Griechen, 733, und gegen den Patriarchen Phokius zu Konstan-tinopel, 862, wieder aufgelöst. Die Vermehrung des griech. Kirchengebiew durchneubekehrle Völker, z. B. die Bulgaren , erweckte um diese Zeit die Eifersucht desPapstes aufs Neue, und er verfuhr um so übermüthiger gegen die Griechen, da ersich von der Oberherrschaft der griech. Kaiser losgemacht und an dem neuen frän-kisch-römischen Kaiserthum einen sichern Schuh gegen sie hatte. PhvtiuS dagegenmachte den Lateinern die Willkür zum Vorwürfe, mit der sie einen schriftwidrigenZusatz in das Evmbolum vom Ausgange des heiligen Geistes eingeschaltet und man-chen Gebrauch der alten rechtgläubigen Kirche geändert hätten, z. B. daß sie denPriestern die Ehe verboten, das Chrisma wiederholten und Sonnabends, als amjüdischen Sabbath, fasteten; besonders aber beschwerte er sich mit Recht über dieAnmaßung des Papstes, der sich zum Oberherrn über die ganze Christenheit, aus-werfen und auch die griech. Patriarchen als seine Untergebenen bebandeln wollte.Die zwei Mal vom Papst errungene Absetzung dieses Patriarchen stellte dennoch dieKirchengemeinschaft der Griech n mit den Lateinern nicht völlig wieder her, und dader konstantinop. Patriarch Michael Ccrularius 1054 die Lateiner, außer den vonPhotius gerügten Punkten, auch weaen des Gebrauchs ungesäuerter Brote beimAbendmahl, wegen des Genusses vom Blute eistickterThiere und terSittenlosigkeitder latein. Geistlichkeit überhaupt aufs Neue verketzerte, Papst Leo IX. ihn dagegenünf die übermüthigsteWeise epcommunicii te, so kam es zu einer völligen Trennungder griech. Kirche von der lateinischen. Stolz, Rechthaberei und priesterlicher Ei-gennutz vereitelten seit dieser Zeit alle Versuche, welche theils die Papste, um denOrieNt in ihr Kirchengebiet zuziehen, theils die von Kreuzfahrern und Mohamme-danern gleich bedrängten griech. Kaiser, um sich des BeistarideS abendländischer Für-sten zu versichern, zur Vereinigung der getrennten Kirchen machten. Keine vonbeiden wollte in den oben berührten streitigen Punkten der andern nachgeben. Wäh-rend der Katholicismus sich nun unter Gregor VI I. und durch die scholastische Phi-losophie immervollkommener und eigenthümlicher ausbildete, blieb die griech. Kirchebei dem von Johannes dem Datnascener schon 730 geordneten Lehrbegriffe Undihrer alten Kirchenverfassung stehen. Die Eroberung von Konstanlinopel durchsran:, Kreuzfahrer und Denetianer 1204, und die harten Bedrückungen, welchedie Griechen von diesen Lateinern und den päpstl. Legalen erdulden mußten, konntenihre Erbitterung nur Vermehren, und obgleich der griech. Kaiser Michael I I. Paläo-logus, der 1261 Konstantinopel wiedererobert hatte, den Primat des Papstes an-erkennen wollte und durch seinen Gesandten und einige seiner Ergebenen aus der