Band 
Vierter Band. F bis G.
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Grillparzer

kichern Fleiße verfolgte er jetzt den Gedanken einer neuen Ausgabe des N. Testani.Vorsicht bewog ihn, der ten Ruf zu einer ordentl. Professur der Theologie zu Jena erhalten hatte, zuvörderst nur mit seiner Synopsis der Evangelien die Stimmungzu prüfen. Bald aber folgte die erste AuSg. des ganzen Testaments. Das Eigen-thümliche derselben ist, daß bei ihr nicht bloß von aufgenommenen und verworfenenLesarten die Rede ist, sondern auch die verschiedenen Grade der Wahrscheinlichkeitbestimmt und durch leicht verständliche Zeichen unter dem Text aufgeführt werden.Zu bedauern ist, daß er die vollständige AuSg., die 1198 begann und zu Halle undLondon zugleich erschien, nicht so vollenden konnte, wie er es gedacht halte. Erwar indeß bis an seinen Tod unablässig damit beschäftigt und erlebte wenigstensdie Freude, die bei Göschen herausgekommene Prachtausgabe vollendet zusehen.Neben der jfjrchengeschichte und Exegese und den dazu gehörigen Hülfswissenschaf-ten stiftete er auch durch s. populaire Dogmatik um so bleibendern Nutzen, als erdarin, ein geübter, selbst überzeugter Sachwalter des alten Glaubenssystems, derNeuerungssucht mit weiser Mäßigung Schranken zu setzen wußte. Gabler hatG.'s „< >jiii><uila sosN-mioa" (Jena 1824, 2 Bde.) herausgegeben. S. G.'sLeben, von Abeken, in den „Zeitgenossen", H. Vill. 1829.

Grillparzer (Franz), geb. in den neunziger I. des verflossenen Jahrh.,lebt seit 1823 als (systematisirrer Hosconcipist) in Wien . Er zog seit 1818 die Auf-merksamkeit des Publicums als dramat. Dichter auf sich. Sein erstes dramatischesWerk: „Die Ahnfrau ", erweckte große Hoffnungen. Wie Müllner, durch Werner'S„Dierundzwanzigsten Februar" angeregt, s. „Schuld" dichtete, so wahrscheinlichG., durch diese „Schuld" veranlaßt, s. viel fatalistischere „Ahnfrau". Schauer derNacht wehen durch die ganze Dichtung; in Nacht gehüllt (sie verbirgt auch man-ches Unnatürliche der Fabel) bewegt sich die Handlung; in Nacht gehüllt sitzen dieZuschauer vor der Bühne, und die Schrecken der Darstellung, welche sich ununter-brochen aneinanderreihen, werden größer durch den Eindruck dieser Nacht. NichtsMindert diese Schrecken als eben die ununterbrochene Folge selbst, in welcher sie sichdem Gemüthe von Außen aufdringen,sodaß der Unbefangene wol schwerlich den Ge-danken, es sei ansein Gaukelspiel der Phantasie abgesehen, ganz abhalten kann.DasFeuer aber erblicken wir hier nur in seiner zerstörenden Wirkung hervorbrechendund alle Figuren mit einem gewaltsamen Lichte färbend. Mit großer und kühnerlyrischerKrast maltderDichterdieSituationendieserDichtuiig aus. Aber wederdieKraft der Schilderung noch die musikal. Sprache beruhigen und versöhnen mit derGrundidee; die Ruhe am Schlüsse ist nicht die Ruhe der gestirnten Nacht, sonderndie Verödung räuberisch verbrannter Wohnungen. Die „Ahnst au" wurde zuerst inWien , und seirdem fast auf allen deutschen Bühnen mit Wirkung gegeben und inverschiedenen Aufl. gelesen. 1818 trat der junge Dichter mit s. „Soppho" auf.War dort die Grundidee das Fehlerhafte, so wurde es hier die Ausführung, die derDichter einer schwankenden Fabel aus antiker Zeit gab, mit welcher seine durchausmoderne Weltansicht sich nicht vertragen will. Überhaupt hat G. bei weitem mehrdas Talent, interessante Situationen dramat. und lyrisch auszubilden, als seine Per-sonen auf dramat. Wege in dieselben zu versetzen. — Auch dieses Drama wurde mitdem größten Beifall in Wien und Berlin , sowie aus mehren andern Bühnen aufge-nommen, wozu ohne Zweifel beitrug, daß dasselbe in der Rolle der Sappho den be-rühmtesten tragischen Schauspielerinnen, die wir besitzen, einen erwünschten Stoffdarbot, ihre Virtuosität zu entwickeln. Aber dieser Beifall ist verhallt. Eine Reise,die G. nach Italien im Gefolge des Kaisers unternahm, unterbrach seine dramat.Wirksamkeit. Nach einer längern Pause ließ er 1822 sein drittes dramat. Werk,mit welchem sein poetischer Genius sich länger beschäftigt hatte, nämlich: „Dasgoldene Vließ", in drei Abtheilungen („Der Gastsi eund", „Die Argonauten",„Medea") hervortreten, welches aber wenig Glück auf derBühne gemacht hat. Die