892 Großbritannien . Geschichte von England bis 1485
reich unmittelbar gehörte, besaß. Aber eben dieses Verhältniß wurde Veranlassungzu öfter» Kriegen mit Frankreich . Heinrichs II. lange Regierung — er starb 1189— war zwar durch seine kriegerischen Unternehmungen glänzend, aber, besondersgegen das Ende durch Streitigkeiten mit den Geistlichen und die Empörungen seinerSöhne, sebr unruhig. Heinrichs Sohn und Nachfolger, Richard Ldwenherz(s. d.), so benannt wegen seiner außerordentlichen Tapferkeit gegen die Sarazenen,wurde von der Nation geliebt, und man schmolz selbst Kirchengefäße ein, um dasfür s Befreiung aus der Gefangenschaft in Ostreich gefederte Lösegeld von 150,00»Mark Silber aufzubringen. Während Richards Abwesenheit waren in EnglandUnruhen und ein verderblicher Krieg mit Frankreich entstanden. Ihm folgte (1199)s. Bruder Johann, ein schwacher Regent, der, in einem Kriege mit Frankreich , dieNormandie und andre Länder verlor, in den Streitigkeiten mit dem Papste sichgroße Demüthigung gefallen lassen mußte, und von seinen Unterthanen gezwungenwurde, ihnen 1215 den großen Freiheitsbrief (>Iusl!> >, t->, >I,<! «gcut01>.'>rt,'r, s. Oliari.i äl.) zu geben. Dieses Grundgesetz ist von verschiedenen Königenbekräftigt und erweitert worden. Neue Streitigkeiten mit den Großen des Reichshatten die Folge, daß Johann von ihnen der Regierung entsetzt und nach Schottland zu flüchten genöthigt wurde, wo er (1216) starb. Er heißt daher Johann ohne Land .Sein Sohn Heinrich III. hatte eine lange, aber durch eigne Schuld unruhige Re-gierung; unter ihm entstand seit 1265 das Unterhaus des Parlaments, oder dasHaus der Gemeinen. Unter seinen Nachfolgern war Eduard I I I. (von 1327 — 77)einer der mächtigsten Könige Englands. Er entzog sich der Oberherrschaft desPapstes und eroberte einen beträchtlichen Theil Frankreichs , weswegen er den TitelKönig von Frankreich annahm, den seine Nachfolger bis 1801 geführt haben.Diese Eroberungen gingen zum Theil noch bei Eduards Leben, aber fast gänzlichunter s. Enkel und Nachfolger, Richard II. , verloren. Richard, der die Rechte derNation verletzt hatte, verlor den Thron und ini Gefängnisse das Leben (1399).Nun entstanden zivischen den beiden von Eduard I I I. abstammenden Familien Lan-caster und Hork wegen der Thronfolge Streitigkeiten, die beinahe ein Jahrhunderthindurch dauerten. Sie werden der Streit zwischen der rothen und weißen Rosegenannt, weil die Familie Lancaster eine rothe, Pork aber eine weiße Rose ini Wap-pen führte. Heinrich VII. , Grafv. Richmond, aus dem Hause Lancaster, behaup-tete (1485) den engl. Thron und vereinigte durch s. Heirach mit Elisabeth aus demHause 2)ork das Interesse beider Familien, deren übrige Mitglieder durch Schlach-ten, Mord und Hinrichtungen aufgerieben worden waren. Nachdem einige vonMißvergnügten erregte Unruhen gedämpft worden waren, gelangte England ineinen ruhigen Zustand, welchen es diesem Heinrich VII. , dem man den Beinamendes engl. salomo gab, verdankte. Mit ihm begann die Reihe der engl. Regentenaus dem Hause Tudor (ein Name, den Heinrichs Großvater geführt hatte), die mitElisabeth (1603) endigte. Sein söhn, Heinrich VIII. , unternahm viel, übersästimmer ohne wichtige Folgen. Er hätte in dem großen Streite zwischen Karl V. und Franz 1 . einen entscheidenden Einfluß haben können, wäre er nicht zu wankel-müthig gewesen, und wäre er nicht den Ansichten seines ersten Ministers, desCardinals Wolsey, gefolgt, den persönlicher Vortheil von einer Partei zur andernhinzog. Durch den Besitz von Calais war es den Engländern leicht, in Frankreich ,so oft sie wollten, zu landen; doch gingen Heinrichs Eroberungen daselbst bald ver-loren, und nur Calais blieb ihm noch. Die Kirchenverbesserung in Deutschland erregte auch in England Aufsehen; ungeachtet des strengen Verbots wurdenLuther s Schriften häufig gelesen. Heinrich Vlll., nicht ohne gelehrte Kennt-nisse, besonders in der scholastischen Theologie, unternahm es, die Lehre der römi-schen Kirche von den sieben Sacramenten in einer eignen Schrift zu vertheidigen,welche Luther mit Heftigkeit widerlegte, Papst Leo X. aber dadurch ehrte, daß er