VÜO Gustav u.
1521 hatten ihm die Stände den Titel eines Administraton! ertheilt; 1523 riefensie >hn als König aus. Bei Annahme dieser Würde schien er nur mit Mühe denWünschen der Nation nachzugeben; die Krönungsfeier aber verschob er, um nichtdie Aufrechrhaltung der kath. Religion und der Rechte der Geistlichen beschwörenzu müssen. Er fühlte, daß die Wohlfahrt des Reichs eine Kirchenverbesserung erhei-sche; aber er fühlte auch, daß dieselbe nur durch eine gänzliche Reform herbeigeführtwerden könne. Sein Kanzler, LarS Anderson, riech ihm, sich der Lutherischen Lehrezu bedienen, um s. Absicht zu erreichen. Gustav genehmigle diesen kühnen Planund führte ihn noch mehr durch die Überlegenheit s. Politik als durch s. Macht aus.Wahrend er insgeheim die Fortschritte des Lutherthums begünstigte, ertheilte er s.Günstlingen die erledigten Pfründen und legte unter dem Verwände, das Volk zuerleichtern, der Geistlichkeit auf, für den Unterhalt der Truppen zu sorgen. Baldwagte er mehr; 1527 verlangte und erhielt er von den Ständen die Abschaffungder Vorrechte der Bischöfe. Die Lehre Luthers verbreitete sich indeß mit Schnellig-keit. Gustav kam den Unruhen zuvor oder unterdrückte sie; er hielt die Unzufrie-denen im Zaume, schmeichelte den Ehrsüchtigen, gewann die Schwachen, „,,d tratendlich öffentlich zu einer Religivnspanei über, zu der sich bereits die Mehrzahl s.Unterthanen bekannte. (1530 nahm ein Nationalconcilium die AugsburgischeConfession als Glaubenür^el an.) Nachdem Gustav, wie er sagte, sein Reich aufdiese Weise zum zweiten Mal erobert hakte, blieb ihm noch übrig, s. Kindern dieNachfolge zu sichern. Auch dies Verlangen bewilligten die Stände, indem sie 1542das Wahlrecht abschafften und das Gesetz der Erbfolge feststellten. ObgleichSchweden eine sehr beschränkte Monarchie war, so übte doch Gustav eine fast unbe-schränkte Gewalt aus; aber dies war ihm vergönnt, weil er sie nur ausübte, umSchweden im Innern zu beglücken, s. Feinden furchtbar und s. Freunden achtungs-werth zu machen; auch verletzte er nie die Form der Reichsvcrfassung. Er vervoll-kommnete die Gesetzgebung, bildete das Volk, milderte die Sitten, ermunterteGewerbfleiß und Gelehrsamkeit und erweiterte den Handel. Nach einer 37jährigenruhmvollen Regierung starb er 1560 in einem Alter von 70 I. S. v. Archen«holz's Gesch. Gustavs Wasa u. s. w." (Tübingen 1801, 2 Bände).
Gustav >>., Adolf, Schwedens größter Monarch und Deutschlands Net«ter, war ein Sehn Karls I X., der nach der Entsetzung eLigismundsaufden schweb.Thron gestiegen war, und ein Enkel Gustavs Wasa. Geb. zu Stockholm 1594,empfing er die sorgfältigste Erziehung. In s. 12. I. trat er in die Armee, undschon in s. 16. leitete er die Angelegenheiten, erschien im Staatöl ath und an derSpitze des Heeres, gehorchte als Soldat, unterhandelte als Minister und befahlals König. 1611 ertheilten, nachKarls IX, Tode, die Stände dem 18jähr. Fürsten die Krone und erklärten ihn, ohne das Gesetz zu berücksichtigen, für mündig, dasie einsahen, daß nur die kräftigsten Maßregeln das Reich vom Untergänge rettenkönnten, eine Regentschaft aber e« zu Grunde richten würde. Gustavs scharferBlick erkannte in Apel Oxenstjerna, dem jüngsten unter den damal. ReichSräihen,den großen Staatsmann, dessen Rath er in den schwierigsten Lagen folgen dürfe.Durch die innigsten Bande der Freundschaft knüpfte er ihn an sich. Dänemark, Po-len und Rußland waren gegen Schweden im Kriege. Gustav, 3 so mächtigenFeinden nicht zu gleicher Zeit gewachsen, verstand sich zwar gegen Dänemark indem Frieden zu Siördd, 1613, zur Zahlung von einer Mist. Thlr., erhielt aberalles Eroberte zurück. Rußland schloß er, nach einem vvrtheilhaften Feldzuge, inwelchem er nach s. eignen Geständniß durch Jakob de la Gardie s. milüairischenTalente ausbildete, durch den Frieden von Stolbowa 1617 von der Ostsee ganzaus; Polen aber, wiewol es nicht glücklicher gegen ihn gewesen war, ging, »ach derEroberung Liefiands durch Gustav Adolf , nur einen Waffenstillstand von 6 Jahrenein, den dieser annahm, theils weil er an sich vortbeilhafk war, theils weil er ihmZeit genug ließ, um etwas Entscheidendes gegen Ostreich zu unternehmen, dessen