Von der Esopischen Fabel. 201
ter mancherley Allegorien und Sinnbildernunsre Pflichten vorhält. So wohl die leb-losen , als die lebendigen Geschöpfe sindunsre Lehrmeister, die uns vortreffliche Lek-tionen geben / so oft wir sie mir aufmerk-samen und vernünftigen Augen betrachten.Eine solche Lehre ist zum Ex. folgende, vonweicher Canitz uns die Sternen unterwei-sen läßt:
Deine Pflicht kaust du erlernenVon den Sternen,
Deren Gold der Sonne weicht,
So laß auch vor Gott zerrinnen,
Was den SinnenHier »m Finstern schöne beucht.
Folglich ist die Dichtung der Fabel wederverwegener noch unwahrscheinlicher, als ei-ne sehr gewohnte Metapher, die nieman-dem unbekannt oder anstößig seyn kan, da-her kömmt es auch, daß wir an unsermOrte sehr willig und fertig sind, der Er-dichtung Gehör zu geben.
Was die thierischen kabeln ins besondereangehet, so haben dieselben einen mehren»Grad der Wahrscheinlichkeit, weil die Thie-re in einer genauern Verwandscbaft mitdem Menschen stehen als die übrigen Ge-schöpfe. Dieses Geschlecht der Geschöpfegränzet so nahe mit dem unsrigen, daßman schier nichts mehrers zu thun gehabtN s hat,