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Offenbarung der Natur vnd natürlicher Dingen, auch mancherley wunderbarlichen vnd subtilen Würckungen / durch Hieronymum Cardanum. In die ... teutsche Zungen gebracht durch Hulderichum Frölich
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Menſchlichleben.

Vorꝛede

5 die kunſt/ vnnd nicht ſeligers denn die Weißheit erfinden moͤ

gen.

Mich bedunckt es moͤge der anderen Menſchen Leben vnnd Condition der Kauff-

manſchafft/ ſo auff dem Meer getrieben/ recht verglichen werden:alß wann ein jedernach Schiffen ſtellet/ ohn welliche man die Kauffmanſchafft nicht treiben mag/vnnd aber hiemit niemand ſchiffe. Alſo gehet es auch hie zu: daun ſie beſtehen an denendingen/ ſo vmb anderer willen erfunden/ alß wann es die rechten vnd wahꝛen u

ter weren/ nemlich in Reichthummen/ Ehꝛen/ Freundtſchafft/ vnnd Gewalt/ wie

ein Schiff ſtill ſtehet/ nachdem es gemachet/ vnnd man ſich allein darab verwun-deret. Gleiche rechnung hat es auch mit den Kauffleuten dieſer Welt. Dann weil wirſolten gantz luſtige ding erfahꝛen/ vnnd viel goͤttlicher Reichthumb bekommen/ ſeindwir allein dieſe woꝛden/ welliche ſich ab dem Schiff verwunderen. Darumb wannich ſolliehes bey mir dedencke/ halte ich darfůr es ſeye in dieſem Leben nichts herꝛlichers/weder die Fruͤcht der Weißheit. Dann der Menſch wird hiemit von der toͤdtlicheitabgeſoͤnderet/ vnnd bekommet auß der ſchlechten vnreinigkeit das ewige Liecht/ gleich

alß wann er auß dem Toffſtein vnnd kot das Edelgeſtein zuſammen leſe: doch mag

den Edlengeſteinen/ von jhꝛer klarheit/ herꝛlichen/ immerwerenden/ vnnd Goͤttlichen

glantzes wegen nichts verglichen werden. Was man hie für huͤbſch vnnd ſchoͤn haltet

alß die Edlengeſtein/ Gold/ Felder/ Tiſch⸗ Heuſer/ Weyber/ vnnd das Liecht ſelbs-erlangen jhꝛe ſchoͤne geſtalt/ von der hoͤchſten klarheit/ vnnd vberkommen allein denſchatten von derſelbigen. Dieſe ſeind koͤdtlich/ die anderen aber vntoͤdtlich: dieſe vn-rein/ jene aber gar rein: dieſe wuͤſt⸗ die anderen gar lauter: dieſe zerbruͤchlich/ jene garſteiff: dieſe ſeind vnbeſtendig vnnd wanckelbar/ die anderen gantz beſtendig vnndfriedſamlich. 5 s

Es iſt hie nichts vnſer eigen: du liebeſt auch niehts/ das du mit der zeit nicht haſſenmoͤgeſt: aber dieſes alles iſt vnſer eigen/ vnnd einer ewigen liebe wol wirdig. Vns hun-geret hie/ ob wol die voͤlle derſelbigen zergengklichen vnnd erdichteten Guͤteren voꝛ-handen: dieſe ſpeyſen vns wol wir werden aber nicht ſatt: die anderen aber erſettigenvns/ ob ſie vns wol nicht ſpeyſen. Es iſt niemandts der ſie verſuchet/ wellicher ſhꝛenmanglen moͤge: weil aber ettliche dieſe nicht verſuchet/ lieben ſie dieſe nicht/ halten ſieauch nicht fůr hockt. a i

Warlich des Himmels heimliehkeiten/ der Natur verboꝛgene eigenſchafft/ dieGoͤttliche Gemuͤter/ vnnd der gantzen Welt oꝛdnung erkundigen vnd wiſſen/ hat vieleingroͤſſere Gluͤckſeligkeit vnnd Freud hinder jhꝛ/ denn jemandt gedencken/ oder einMenſch hoffen moͤchte. Ich bezeuge es bey Gott/ daß es nicht allein Chriſtenlich/ ſon-dern aller natuͤrlichen rechnung gemeß/ wann nichts nach dem abſterben voꝛhanden/ ſo

were gar kein arbeitſeliger Stand denn des Menſchen: dann es ſeind alle leibliche Guͤ-

ter/ vnd alle Wolluͤſt des fleiſches alſo falſch vnd trugenlich/ daß ſich zu allen zeyten et-was boͤſes vnder das gute vermiſchet. 5

Damit wir aber alles fleiſſiger erwegen/ vnnd nicht allein von gemeinen Sachenreden/ vnnd alſo geachtet/ gleich alß wolten wir mit klugen reden vnnd zierlichen Woꝛ-ten mehꝛ betriegen denn lehꝛen/ vnnd viel mehꝛ vnſer gegenwirtig Werck loben/ denndeſſen vielfaltige Nutzbarkeit anzeigen: was iſt doch gewiſſers denn die GeometriſchenDemonſtrationen vnd Beweyſungen? Was iſt doch ſubtiler denn die Arithmetiſchenerfindungen e Was iſt lieblicher denn der Muſie abrechnung? Was iſt Goͤttlicheroder wunderbarlicher/ ja auch heiliger deñ die Aſtronomey vnd des Himmels oder Ge-ſtirns lauff zu erkundigens Was iſt nutzlicher denn die gewiſſe Gebott vnnd Regel derArchitectur oder Bawkunſt e Was iſt kommlieher denn die Contemplation vnndBetrachtung der Artzney? vnnd zuletſt/ damit ich nicht von einem jeden inſonder-

heit reden doͤꝛffe/ was iſt doch groͤſſer denn die heimlichen verboꝛgenen Kuͤnſt der Na-

tur wiſſene iNachdem

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