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§• 24.
Wie schon bemerkt, sind zum Löschen geschickte und erfahrne Arbeiter nöthig,da sich über das passendste Verfahren dabey, so wie über die Menge des zuzugiefsen-den Wassers keine genauen Regeln geben lassen, indem sich beydes ganz nach derBeschaffenheit der Kalksteine richtet.
Beym Löschen kann der Arbeiter die Güte des Kalkes am besten beurtheilen; er-hitzt sich derselbe schnell, braust sehr auf, zerfällt bald und völlig, so ist er gut, imandern Falle, schlecht gebrannt oder sehr unrein.
Finden sich, wie diefs wohl auch bey übrigens gut gebranntem Kalksteine derFall seyn kann, einzelne Stücke in der Kalklösche, welche sich nicht aufgelöst haben,so müssen diese, vor dem Ablassen in die Grube, mit der Krücke auf die Seite gezo-gen werden.
§• 25.
Zum Kalklöschen ist das reinste Wasser nöthig, daher das Regenwasser am besten,nächst diesem, reines, geschmackloses Flufswasser; am wenigsten empfehlungswerth,sowohl wegen seiner mineralischen Bestandtheile, als auch wegen seines gröfseren Ge-haltes an Kohlensäure, ist das Brunnenwasser, manches davon gar nicht anwendbar.
Förster empfiehlt zum Löschen, Wasser, in welchem so viel Kalk aufgelöst ist,als nöthig, um alle darin enthaltne Kohlensäure zu binden, welcher Kalkgehalt alsdanneine dünne Haut auf der Oberfläche bildend, den Zutritt neuer Kohlensäure abhält.
§. 26.
Die Consistenz des durchgearbeiteten Kalkbreyes soll so seyn, dafs, wenn maneine Maurerkelle in denselben steckt und wieder herauszieht, der Kalk nicht abtröpfelt,sondern die Kelle in einer dünnen Schicht bedeckend, hängen bleibt.
§. 27.
Durch das Löschen wird das Volumen des Kalkes vermehrt, so dafs eine Tonne— Cub. Fufs ungelöschter Kalk, 7\ bis 7£ Cub. Fufs gelöschten geben. Nach an-deren Angaben gieht 1 Cub. Fufs ungelöschter 3 Cub. Fufs gelöschten, welches Ver-hältnifs sich freilich stets nach den Gemengtheilen richtet.
Dieses Aufquelleu nennt man das Gedeihen und beurtheilt wohl auch danach dieVollkommenheit des Brennens. Gleich nach dem Brennen gedeiht der Kalk besser alsnach längerem Liegen; wahrscheinlich weil sich alsdann schon ein gröfserer Theil wie-der mit Kohlensäure gesättigt hat, und in diesem Zustande keines Aufquellens inehrfähig ist.
§. 28 .
Ist der sämmtliche Kalk gelöscht und in die Kalkgrube gebracht, so giefst man,um dessen Oberfläche vor der Einwirkung der Luft zu schützen, 1 bis 2 Fufs hochWasser darauf; oder, vorzüglich wenn man ihn längere Zeit aufbewahren will, manbedeckt ihn mit einer starken Lage frischem Sande, welche denselben Erfolg hervor-bringt. Ist hingegen die Oberfläche des Kalkes der Berührung der Luft ausgesetzt, sobildet sich eine steinige, unbrauchbare Rinde auf demselben und auch der übrige Kalkverliert leicht an bindender Kraft. Die von Manchen gehegte Meinung, dafs längereingesiimpfter Kalk besser seyn soll als eben gelöschter, kann daher nur auf dem Um-stande beruhen, dal's im ersteren, Stücke Avelche beym Löschen noch nicht ganz zer-setzt Avorden sind, bey längerer AufbeAvahrung sich noch auflösen können. Diefs scheintsich dadurch zu bestätigen, dafs länger aufbeAvahrter Kalk vornehmlich zum Weifsenbesser seyn soll, einer Art der Anwendung, bey AvelcherFeinheit und Gleichförmigkeitdes Breyes das Haupterfordernifs ist. Für die Mauerung Avird es daher stets vorzuzie-hen seyn, frisch gelöschten Kalk anzuAvenden, dafern derselbe nur gut gebrannt unddurchgearbeitet Avorden ist.
Der ehemalige Oberkunstmeister Baldauf zu Freyberg, hat auch noch den, auseigner Erfahrung gefundenen Grund für den baldigen Verbrauch gelöschten Kalkes ge-o-eben: dafs, da der Kalk nach dem Löschen noch aufquelle, es besser sey, es ge-schehe diefs in der Mauer, avo er dadurch alle ZAVischenräume ausfülle, als Aorher.Ein Grund, Avelcher Aveit triftiger erscheint, als der von Anderen für die längere Auf-