2 Geschichte.
lieferten die Ufer des Belus (Nähr Halu, bei St. Jean d'Acre) trefflichen Sand,den die gewerbfleißige Bevölkerung, namentlich die auch auf anderen Productions-gcbictcn als rührig und kunstverständig allgemein anerkannte Einwohnerschaft derStädte Sidon und Tyrus, auszunutzen und aus ihm einweitberühmtesProduct,namentlich schönes Hohlglas, zu gewinnen wußte. Neben diesem scheinen dannauch Pasten gegossen worden zn sein, worauf der wiederholt bei Schriftstellern, z.B.Hcrodot und Strabo, vorkommende Ausdruck „gießen« hinweist. Die Glanz-periode der phönicischen Glasindustrie, an ihrer Spitze Sidons, das Tyrus an Rufweit übertraf, fällt vor die römische Kaiserzeit, gewisse Berühmtheit bewahrte fiefich indeß noch über ein Jahrtausend, und wird sie z. B. im XII. Jahrh, noch lo-bend erwähnt I.
Etwas zahlreichere Daten als über die phönicischc Glasindustrie liegen überdiesen Zweig der Gewerbthätigkcit deS alten Acgyptcns vor. Bereits aufden Reliefs der Königsgräbcr von Beni Hassan (auf dem rechten Nilufer unter2S°B.), die unter der XVIII. Dynastie (circa 1800 v. Chr.) entstanden, finden sich,neben anderen Gewcrbtreibcnden, Glasbläser, in voller Thätigkeit, monumentalverewigt 2 ). Aus dem XVII. Jahrh. v. Chr. ist uns eine gläserne Urne erhalten,auf deren hellblau, dunkelblau und weißem Ornament, dessen Herstellung die Be-kanntschaft mit dem Verfahren des Ueberfangens und mit der Benutzung desSchleifradcs voraussetzt, und eine bereits hohe Entwickelungsstufe des Gewerbesbekundet, sich der Ring des Pharaonen Thutmosis findet ^); und aus dem XV. Jahrh,besitzen wir eine im alten Theben gefundene, mit eingcschliffener hicroglyphischerInschrift versehene Schmnckperle, der Königin Ramaka geweiht^). Auffallendist der in thcbanischen Gräbern gemachte Fund von Flaschen mit chinesischerInschrift I und deutet derselbe vielleicht auf einen Zusammenhang der ägyptischenGlasindustrie mit einer älteren im Reiche der Mitte.
Die wesentlichsten Materialien, guten Sand und die Soda seiner Natronseen,in einem von Memphis nach N.-W. sich erstreckenden Thäte, in dem noch die Napo-leonische Expedition Reste alter Hütten vorfand, besaß Aegypten im eigenenLande, und schon in der ältesten Zeit finden wir die Glasindustrie im Delta, sowienilaufwärts an zahlreichen Orten betrieben. Unter den zahlreichen Fabriken besaßendie von Alexandria das größte Ansehen, und wurde mit ihren Producten, vorAllem farbigem Hohlglasc und Mosaiken, die noch heute gerechte Bewunderungerregen, bis in die späteste römische Kaiscrzeit ein sehr bedeutendes Exportgeschäftunterhalten.
In Rom wird ägyptischen Glases zuerst von Cicero Erwähnung gethan.Zur Zeit des Augustus war es allgemein geschätzt und beliebt, und unter Aureliuswird es (im III. Jahrh.) mit einem bedeutenden Eingangszolle belegt.
Genossen nun auch Phönicier, und Aegypten den unbestrittenen Ruhmder Hauptprodncenten für feines und Luxusglas, so finden wir eine ein-
0 Boissie»: Inssr. äs lösn p. 417.
2) Abgeb. bei Wilkinson: Ilnii uns oustoms V III, 88.
S) Minutoli: Anwend. stirb. Gläser bei den Alten (Berlin 1836), S. 7 .
I Abgeb. bei Wilkinson: Nnnnsrs nnä ensloms 1. Ill, 88.
Ebendaselbst.