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Geschichte.
heimische Glasindustrie, die Gegenstände des täglichen Gebrauches in größerer odergeringerer Güte producirte, in früher Zeit auch schon in den übrigen, dem classi-schen Alterthume bekannten Ländern vor, nur in Betreff Hellas scheint es, alshabe dort in alter Zeit nirgends eine Hütte existirt.
Eine feinere Waare liefernde Glasindustrie taucht in Rom erst spät auf. Siescheint aus Aegyptcn eingeführt worden zu sein; wann solches aber geschehen, mußdahin gestellt bleiben. Unter Tiberius war, wie aus einer Bemerkung des Pliniushervorgeht, auf den römischen Hütten schon ein reges Streben nach Verbesserungenvorhanden, und, standen auch um diese Zeit die einheimischen Producte den ägyp-tischen an Farblosigkeit oder Pracht der Färbung sowie an Haltbarkeit noch be-deutend nach, so wurden doch bereits unter Nero Werke von hohem Werthe inRom selbst angefertigt. Gemeinsam mit anderen Gewerben wurde dann unterAlexander Severus auch die Glasfabrikation mit einer Luxussteucr belegt.
Sehr vielseitig wird bereits die Verwendung des Glases. Selbst auf reichbesetzter Tafel beginnt der gläserne Becher den silbernen und goldenen GefäßenConcurrenz zu machen. Luxuriöses Glasgcräth in glänzenden Farben — wahr-scheinlich sind zu diesem auch die „vass. murrliiug/' zu zählen — und mit kunst-voll angebrachter Filigran-, Mosaik- oder angeschliffener Decoration, ja mit frei-stehendem Netzwerke umgeben (cliatrsba), gehörten zum Prunke der verschwende-rischen Kaiscrzeit, in der mit falschen Steinen ein glänzendes Geschäft gemachtwurde. Glasmosaiken von erstaunlicher Feinheit und meisterhafter Ausführungdienten als Schmuckstücke, Täfelungen mit Glas zur Bekleidung der Wände reicherBauten (tlloatruiu 8oauri), und Glastafeln, wenn auch, bei unebener Oberfläche,nur durchscheinend, wurden in Rom und Pompeji als Oberlichter zur Deckunggeschlossener Räume, sowie, wenigstens in einzelnen Fällen, zum Fenstcrverschlusscverwandt.
Finden sich über die vorrömischen Hütten und ihre Technik nur sehrspärliche und vereinzelte, gelegentliche Notizen, so bietet über Roms Fabrikations-weisc Plinius bereits mehr, und genügt solches auch lange nicht, den Leser genauzu orientiern, so gewinnt er doch wenigstens einige Anhaltspunkte. Sand undägyptische Soda, und zwar 1 Thl. Sand auf 3 Thle. Rohsoda, nebst Braunstein —der von Plinius mit Magneteisenstein verwechselt und, nach ihm, als Flußbcför-derungsmittcl zugesetzt wird — sowie, wenn erforderlich, färbende Oxyde, alsZusätze zum Gemenge, werden zunächst in einem mit dem eigentlichen Schmelzofenzusammenhängenden Borofen zusammengefrittet und als Product dieses Processeseine dunkele, stark kaustische Masse gewonnen. Diese „Fritte" (kmmiuouitrum)gelaugt dann in den eigentlichen, mit gedörrtem leichtem Holze geschirrten Glas-ofen, wird hier geschmolzen und dann an der Pfeife ausgearbeitet oder gegossen,endlich durch Abdrehen, Cälircn und andere Verfahren verfeinert und dccorirt:„IISL ökck alia nuuo inatsria ssguatior." Neben farbigen Gläsern, von denenPlinius neben dem hochgeschätzten rothen, blaues, violettes, grünes und obsidian-farbigcö aufführt, und durch Schliff decorirtcn, finden wir um diese Zeit, oder balddarauf, in den Gräbern des frühesten christlichen Rom, vergoldete, so die gold-grundigcn Gefäße (kouäi ck'oro). Behufs ihrer Herstellung wurde das Glas miteinem sehr dünnen Goldblättchen belegt, in dieses Ornament, Schrift oder bild-