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Geschichte.
aus Frankreich eingeführt, und nach dem Muster von St. Gobin mit französischenArbeitern die Spiegelgicßerei zu Ncuhaus angelegt, die in jeder Weise pro-tcgirt, und durch Prähibitivmaßregeln geschützt, 1728 an den österreichischenStaat überging. Doch, wie in Frankreich selbst, so gedieh auch in Deutschlandder Spiegelguß vorläufig nicht. Ebenso wenig glückten von verschiedenen Seitenher aufgenommene Versuche, brauchbares Flintglas für optische Zwecke zugewinnen, und erst seit 1806 fabricirte Utzschneider zu Benedictbeuren ein der-artiges Product, das den an dasselbe zu stellenden Forderungen gerecht wurde.
An literarischen Produktionen bietet die Zeit des XVII. und XVIII. Jahr-hunderts, so weit es die Glasfabrikation betrifft, nur eine hervorragende Erschei-nung, nämlich die zuerst 1689, später in erneuerten Auflagen 1744 und 1789erschienene vitriarig. sxpsriiusutslis" Joh. Kunckel's, des oben er-
wähnten Directors der churfürstlichcn Hütte bei Berlin. Kunckel giebt in der-selben die Bücher Ncri's und die Anmerkungen des Engländers C. Merret's zudenselben in deutscher Sprache wieder, und vervollständigt diese Angaben durcheigene Glossen und Mittheilung seiner Erfahrungen, die /r übrigens lange nichtvollständig preisgiebt. „Weil es mir aber gar viel Zeit, Müh und Arbeit gekostet,und eine sehr rare Sache ist/' sagt er z. B. in Bezug auf das Rubinglas, „alswird mich niemand verdrucken, daß ichs vor dissmahl nicht gemein mache." Un-geachtet dessen erwarb sich Kunckel's Werk, das eine Menge Recepte, Rathschlägeund mit Verständniß angestellte Beobachtungen enthält, unter den Zeitgenossengroßes Ansehen, und blieb, bis in unser Jahrhundert hinein, der gelehrte Rath-geber des Glasmachers, soweit sich letzterer überhaupt um literarische Facherschci-nungcn sich zu bekümmern, gemüßigt sah. — Von weit untergeordneterem Werthesind ein paar andere gegen Ende des XVIII. Jahrh, erschienene Wcrkchen, soHochgesang's „Historische Nachricht von Verfertigung des Glases".
Nach dem Berichte des Plinius besaß das heutige Frankreich bereits zuAnfang der christlichen Zeitrechnung eigene Glashütten, und noch heutigen Tagesist dasjenige Etablissement dieser Art, das sein Bestehen am weitesten zurück nach-zuweisen vermag, eine französische Hütte, nämlich die 1290 durch van Leempoelangelegte Bouteillen- und Grünglasfabrik zu Quiquengrogne bei Lachapelle.Ihr folgte 1330 die Fensterglasfabrik de Cacqueray's zu Bezu oder La Hayein der Normandie.
Ungeachtet solch alter Etablissements, betheiligte sich Frankreich sehr spät ander Fabrikation besserer Waare, und wurde für dasselbe noch im Beginne desXVIII. Jahrh, das bessere Fensterglas ausnahmslos aus Deutschland und Böhmenbezogen. 1740 wurde durch Drolinvaux eine Gesellschaft zur Fabrikation vonfranzösischem Walzenglase gebildet, Arbeiter wurden aus Deutschland herangezogen,und zu Lettenbach (St. Quirin) eine Fabrik gegründet, die zu gutem Rufegelangte, und späterhin die Mutterfabrik der modernen französischen, belgischenund einiger englischen Tafelglashütten wurde. Die herangezogenen deutschen Ar-beiter wußten durch enges Zusammenhalten und conscquentes Abwehren franzö-sischer Lehrlinge sich die Concurrenz der Landescingeborenen lange Zeit hindurchfernzuhalten, und so findet man noch heutigen Tages unter den französischen