Buch 
Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
Seite
10
JPEG-Download
 

10

Geschichte.

Glasarbeitern eine weit überwiegende Mehrzahl deutscher Namen, sowie unter dentsi'ininis tsollniois sehr viele deutsche Ausdrücke.

Die aristokratische Abgeschiedenheit, in der sich die eingewandertcn Glasmacher,dieonAnots" fernhielten, bildete dann auch die Grundlage zu der Fabel vornKsntiltroinins vsrrior". Wiederholt bezeichnen zwar ältere französische Werke,so noch die Lno^otoxöäis in lotro, einen Theil des Hüttenpersonals als1ssAsnt.il-Iroininss" aber, trotz der Protcction, die auch die Könige von Frankreich diesemIndustriezweige angedeihcn ließen, kommt in den Privilegien der Glasmacher,weder in Frankreich noch anderswo, eine Ertheilung von Adelsrechtcn an Meisteroder Gehilfen vor, und wird nur wiederholt bestätigt, daß der Adel des Landessich am Glashüttenbetriebe betheiligcn könne, ohne dadurch seiner Standesrechtcverlustig zu werden,Sans pour ss äsroAsr L uoblssss".

Der Theil der Glasfabrikation, in dem Frankreich schon im XVIII. Jahrh.Großes und Selbststäudiges geleistet, ist die Spiegelfabrikation. Aus Venedig, wo1507 durch die Gebrüder d al G al lo die Fabrikation geblasener Spiegel wesentlichverbessert worden war, gelang es Colbert nach wiederholten vergeblichen Bemü-hungen endlich, sachkundige Arbeiter für Frankreich zu gewinnen, mit ihrer Hilfe1665 eine Spiegelfabrik in der Pariser Vorstadt St. Antoinc anzulegen, undunter Direction Nicolas du Noyer's in Betrieb zu setzen. Eine andere solcheFabrik war, etwa gleichzeitig, angeblich von Elsässer Arbeitern, die in Murauo dasVerfahren kennen gelernt, unter Lucas de Nehou in Tour la Bitte bei Cherbourgbegründet worden. Ungeachtet der Vereinigung beider Etablissements, und desenormen Schutzzolles, mit dem ausländische Waare belegt wurde, kam indeß dieFabrikation geblasener Spiegel in Frankreich auf keinen grünen Zweig. Da gelanges dem eben genannten de Nehou, ein neues Verfahren, den Spiegelguß, der insehr beschränkter und primitiver Weise bereits von der englischen Fabrik vonSouth Shields geübt wurde, derartig zu vervollkommnen, daß sich hierauf einegänzlich neue, entwickelungsfähige Industrie zu gründen vermochte. 1688 wurdedie neue Fabrikationsweise einer Gesellschaft auf den Namen Abraham Thsvart'spatentirt und in Paris eine Gießerei eingerichtet, die, bald darauf nach St.Gobinübergeführt, bis 1701 mit großen Schwierigkeiten kämpfend, einen schweren Standhatte, seit dann aber unausgesetzt mit gutem Erfolge arbeitet. Keine Mittel scheuend,wo es sich um Vervollkommnung des Verfahrens handelt, hat sie diesen Zweigder Glasfabrikation zu seiner heutigen Höhe erhoben und ist die Mutter der übri-gen Gußglasfabriken der Welt geworden.

Ein anderes Specialgebiet, aus dem Frankreich heutigen Tages bekannter-maßen excellirt, das der Fabrikation des Bleikrystalls, wurde England entlehnt,und das erste derartige Glas 1784 von Lambert in St. Cloud verschmolzen.1790 wurde die Krystallfabrik von Münsthal oder St. Louis angelegt, 1823kaufte d'Artigues die Glasfabrik St. Anne an und verwandelte sie in die welt-berühmteOr^stallsris äs Laooars.b". Ein Hauptgrund des rapiden undglänzenden Aufschwunges, den die noch im Anfange des XVIII. Jahrh, daniederliegendefranzösische Glasindustrie genommen, ist jedenfalls darin zv suchen, daß die fran-zösischen Hütten, soweit sich das verfolgen läßt, lange nicht das anderswo so aus-geprägte Streben besaßen, sich gegenseitig durch Concurrenz zu ruiniren. Wieder-