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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Geschichte.

holt sehen wir Fusionen der gezwungenermaßen concurrirenden Geschäfte ein-treten, die Gesellschaften dann mit vereinten Kräften, und meist großen Mitteln,in rationeller Weise vorgehen, und auf diesem Wege zu glänzenden Erfolgengelangen.

Aus der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrh, besitzt die französische technische Lite-ratur in den der Akademie vorgelegten Studien Bosc d'Antic's ein sehr bcach-tenswcrthes Werk, das die Fehler und Uebelstände auf Hütten sachgemäß bespricht,erklärt und Mittel und Wege zu ihrer Beseitigung angiebt. Eine ebenfallsaus sachkundiger Feder stammende Beschreibung des damaligen Glashüttenwesensgiebt der von dc Joucourt verfaßte ArtikelVsrrs" in derLno^oloxoäisin tolio", so wie der Artikelktuoss" von Allut derLno^oloxoeUs xnr oräroäs inrrtivrss."

Belgiens Glasindustrie machte sich die französischen Errungenschaften zuNutze, verlegte ihren Schwerpunkt aber hauptsächlich in die Massenproductionfür den Export, in der Qualität der Waare hinter Frankreich zurückbleibend.

Ueber eine alte Glasfabrikation Englands ist nichts bekannt. Aus Frank-reich für das Kloster Uviramutha (Wearmouth in der Grafschaft Durham) im-portirter Glasfenstcr wird gegen Ende des VII. Jahrh. Erwähnung gethan. ImXV. Jahrh, dagegen existirt in England bereits eine einheimische Fcnsterglasfabri-kation; ihr Product muß aber kein besonders gutes gewesen sein, denn in einemContract des Grafen Warwick mit dem Glaser Prudde vom Jahre 1439 wirdletzterem ausdrücklich vorgeschrieben, bei der Berglasung eines Prachtbaues keinenglisches Glas zu verwenden. Einigermaßen gutes Hohlglas wurde in Englanderst von der Hütte zu Savoy-House (Strand-London), gutes Fensterglas erstvon Crutched FriarS, einer Fabrik, die 1557 in London gegründet war, geliefert.

Im Jahre 1670 zog der Herzog von Buckingham venetiauischc Spiegel-arbeiter ins Land, und legte, somit ziemlich gleichzeitig mit der ähnlichen franzö-sischen, die erste englische Fabrik geblasener Spiegel, die gute Waare lieferte, zuLambeth an. Nicht so rasch wurde von England das Gußverfahrcn acceptirt.Erst 1771 gründete eine Gesellschaft mit Hülfe französischer Arbeiter nach demMuster von St. Gobin unter der Firmalüs Uritisü Ulnts (Hass Oomx." zuRavcnhead bei Prescott (Lancashire) die erste Spiegelgicßerei.

Der Bleikrystall ist, wie bereits erwähnt, englische Erfindung. War solcherauch bereits früher hier und da sporadisch angefertigt worden, wie dieses z. B. dersogenannteSpiegel des Virgils" im Kirchenschatze von St. Dcnis beweist, sogebührt England doch das Verdienst, ihn in großem Maßstabe in die Praxiseingeführt zu haben. Die erste Bleikrystall- oder Flintglashütte wurde in Eng-land zu Anfang des XVIII. Jahrh, angelegt.

Ueber die Entwickelung der Glasindustrie in den übrigen europäischenStaaten ist nur wenig Näheres bekannt. So wurde 1728 in Spanien einekönigliche Spiegelgießerei zu St. Jl dc fonso gegründet.

In Rußland faßt die Glasfabrikation erst im XVII. und XVIII. Jahrh, festenFuß. Deutsche und böhmische Arbeiter importircn diese Industrie. Ueber dieEinzelheiten ist wenig in die Oeffcntlichkeit gelangt. 1717 geschieht einer Glas-fabrik zu Schabino bei Jamburg Erwähnung und 1720 wird eine Fabrik für