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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
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Das Glas, seine physikalischen und chemischen Eigen-schaften.

Unter der BezeichnungGlas" in technischem Sinne verstehen wir ein inhohen Temperaturen dünnflüssiges, beim Sinken der Temperatur allmälig durchden zähflüssigen in den starren Zustand übergehendes Silicat oder Silicatgemengcsehr variabler Zusammensetzung, in dem das unbewaffncte Auge keine krystallinischeStrnctnr zu erkennen vermag, und das für tropfbare wie gasförmige Flüssig-keiten undurchdringlich ist.

Der für das Glas charakteristische allmälige Uebergang aus dem flüssigenin den festen Zustand, sowie die bedeutende Härte, die es in letzterem besitzt,gestatten eine Mannigfaltigkeit der technischen Bearbeitung dieses Materials, diees bereits dem Alterthume, so. z. B. Plinius, alsbildsamsten Stoff" erscheinenließ und ihm neben seiner Undnrchdringlichkeit für Flüssigkeiten die mannigfaltigeVerwendung zu den verschiedensten Bedarf- wie Luxusgefäßcn verschaffte.

Je nach seiner Zusammensetzung besitzt das Glas verschiedenes specifischesGewicht sowie größeren oder geringeren Glanz. Für Alkali-Kalkgläserschwankt das specifische Gewicht zwischen 2'4 und 2'6, bei Alkali-Barytgläsernsteigt es bis 2'9, bei Alkali-Bleigläsern liegt es zwischen 3'0 und 3'8, für Lamy'sThallium-Bleiglas endlich wurde es 4'18 gefunden.

Wie die Dichtigkeit in gewöhnlichem Sinne, so ist auch die optische Dich-tigkeit der Gläser eine verschiedene. Im Großen und Ganzen steigt mit demspecifischen Gewicht auch das Lichtbrechungsvcrmögen, ohne daß indeß die Reihender Dichtigkeiten in bcidem Sinne genau parallele wären. Die nachstehende kleineTabelle giebt für die in ihrer ersten Colonne bezeichneten Glasarten in der zweitenColonne das specifische Gewicht, und in den folgenden die Brechnngsexponentenfür die den Buchstaben am Kopfe entsprechenden Frauenhofcr'schcn Linien desSonnenspectrums.