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Entgleisung.
Eine genaue Beobachtung der auf den ersten Anblick durchgehend krystalli-nisch erscheinenden Partien zeigt bereits, daß große Zusammensctzungsunterschiedebeim Vergleiche mit dem umgebenden amorphen Glase nicht zu erwartensind. Das entglaste Glas besteht, fast durchgängig, aus einem Gcwirrehöchst feiner Nadeln oder sechsseitiger Täfelchen, die indeß nicht dicht aneinanderliegen. Die Zwischenräume zeigen sich von unentglaster Grundmasse, die wirals erstarrte Mutterlauge jener Krystalle anzusehen haben, erfüllt. Eine mecha-nische Trennung dieser verschiedenen Bestandtheile ist nicht durchführbar, und sogeben Analysen solchen Gemenges wenigstens zweier unbekannten Substanzennatürlich keinen Einblick in die Constitntion der Einzelbestandtheile.
Anderseits hat schon Leydholt*), durch Anätzen der Oberflächen scheinbarhomogener Gläser mit Flußsäure, nachgewiesen, daß auch diese, also unentglaste,„amorphe Gläser", durchgehend von Krystallen durchsetzt sind, sich somit von dencntglasten wohl nur graduell unterscheiden.
War nun die Trennung von Krystallen und Mutterlauge auf mechanischemWege unausführbar, so sprachen Leydholt's Angaben dafür, daß sie auf chemischemwenigstens bis zu einem gewissen Grade werde erreicht werden können, wenn man einezu vollständiger Zerlegung des Silicatgemisches unzureichende Quantität wässerigerFlußsäure auf das gepulverte Gemenge von Krystallen und Mutterlauge einwirkenließe. Dieses Verfahren brachte ich bei meinen einschlagenden Versuchen (1. o.)in Anwendung, zersetzte die hierbei gebildeten Fluorverbinduugen durch Schwefel-säure, entfernte die Sulphate durch Waschen mit warmem Wasser, und unter-suchte dann den Rest von Neuem, sowohl mikroskopisch als analytisch. In diesemReste fand sich nun eine bedeutend höhere Steigerung des Kieselsäuregehalts, als sieder Methode entstammen konnte, und schien dieses die Annahme Dumas', daß dieEutglasung in einer Ausscheidung saurerer Silicate aus der hierdurch basischerwerdenden Glasmasse bestehe, zu bestätigen. Für diese Annahme sprach dannferner auch die Erfahrung der Praxis, daß Gläser mit hohem Kieselsäuregehalte beson-ders zur Eutglasung geneigt. — Bei einem in dieser Richtung angestellten Schmelz-versuche entglaste ein der Zusammensetzung idlaO 6u08 8iO^ entsprechendes Glasmir bei langsamer Abkühlung, mit Ausnahme ganz kleiner Einschlüsse, scheinbardurch und durch, wenigstens war, bei der Feinheit der Krystalle, keine Mutterlaugemehr erkennbar.
Hätten nun diese Krystalle der Zusammensetzung idlaO OaO 8 810^ ent-sprochen, so hätte die Behandlung mit Flußsäure, in oben angeführter Weise, einenRest geben müssen, dessen Zusammensetzung nahezu dieselbe. Der Zersctzungs-rest bestand aus mikroskopischen säulenförmigen Krystallen und Krystallcomplexen sowie vereinzelten Partikclchen scheinbar amorphen Glases mit zerfressener Oberfläche.
War nun aber, als procentische Zusammensetzung der in Rede stehendenentglasten Masse, die unter I., nachstehender Zusammenstellung, gegebene gesundenworden, so erwies sich diejenige des Zersetzungsrestes gleich der unter II., ja beieinem zweiten Versuche, bei dem die Quantität der verwandten Flußsäure größergewesen, sogar gleich der unter III.
6omxt. rsuck. 34 (1852), 565.