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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Zusammensetzung des Glases.

Temperatur mehr aufgenommen wird, als bei allmäligem Abgehen der letzterenin ihm zurückgehalten zu werden vermag, daß ferner auch feldspathartige Massenvom schmelzenden Glase aufgenommen und gelegentlich wieder abgeschieden werden,endlich auch Sulphate, Phosphate, Borate, Metalloxyde und Metalle (Gold) indie Constitution des Glases überzugehen vermögen, so lassen diese Thatsachen kaumeine andere Erklärung als die zu, die Gläser des Handels seien rasch erstarrteLösungen, nicht nur von verschiedenen Silicaten in einander, sondern ebenso auchLösungen basischer Oxyde, oder der Kieselsäure, vorkommendenfalls auch ander-weitiger Salze und Metalle, in geschmolzenem Silicat. Ob dann ein allenGläsern gemeinsames Grundsilicat, etwa eine Verbindung RaOOaOöLiO? oderUaOOaO 4 8102, als lösende Masse anzunehmen oder nicht, muß, so lange nichtNäheres als bisher bekannt, fraglich bleiben, von den einschlagenden Beobachtungensprechen manche scheinbar allerdings für eine derartige Annahme.

Ist nun aber auch das Glas nicht als einheitliche chemische Verbindungaufzufassen, so ist damit nicht gesagt, daß das relative Verhältniß seiner Einzel-bestandtheile gleichgiltig. Einer Erhöhung des Kieselsäuregehaltes im Glase ent-spricht nach alter Hüttenerfahrnng, die auch durch Berthier's^) Untersuchungenbestätigt wurde, ein Steigen der Strengflüssigkeit und der Härte, bei gleichzeitigsteigender Sprödigkeit des Productcs. Erhöhung des Kalkgehaltes, auf Kosten desAlkalis, macht dagegen neben Strengflüssigkeit und Härte zugleich auch die Resi-stenzfähigkeit gegen chemische Agentien und die Elasticität steigen. Jnfluirt nunaber, wie schon aus dem Angeführten ersichtlich, das relative Verhältniß der Ein-zelbestandtheile auf die Eigenschaften des Productcs, so ist es für Theorie wiePraxis des Glashüttenwesens von größtem Interesse, sich davon zu überzeugen,ob es ein Glas giebt, das den verschiedenen Anforderungen der einzelnen Zweigeder Glasfabrikation zu entsprechen vermag, das somit alsNormalglas" angesehenwerden könnte; und zeigt sich, daß solches der Fall, die Zusammensetzung desselbenfestzustellen.

Ueberblickt man die bisher bekannt gewordenen Analysen verschiedener Gläserdes Handels, so scheinen sie zunächst wenig für die Klärung der Frage über eineetwa existirende Normalconstitution zu versprechen. Die größte Uebereinstimmungzeigen noch die Tafelgläser, aber auch bei diesen kommen große Abweichungennicht selten vor. Läßt man nun aber, behufs Sichtung des analytischen Mate-rials, zunächst diejenigen Gläser unberücksichtigt, die von den Analytikern alsschlecht bezeichnet worden, schließt ihnen analog zusammengesetzte ebenfalls von derBetrachtung aus, und berücksichtigt vorläufig auch diejenigen sehr complicirtcr Zu-sammensetzung, so manche ordinaire Bouteillengläser, nicht weiter, so findetman größere Uebereinstimmung, als man sie von der Empirie der Hütten er-warten konnte, und zerfallen die Alkalikalkgläser, ihrer Zusammensetzung nach,abgesehen von kleinen Schwankungen, in zwei Gruppen.

Ueber die Zusammensetzung der zur ersten dieser Gruppen gehörigen, an-erkannt guten Gläser, die meist Producte der Tafelglasfabrikation, giebt nach-stehende Zusammenstellung einen Ueberblick:

st ^.nn. eüirn. xüxs. (1830) 44 , 433 und Erdmann's Journ. (1835) 4 , 491.