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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Schmelzmaterialien, Kieselsäure.

natürlichen Silicaten, sehr verbreitet, dennoch bildet reine Kieselsäure ein vonallen Feinglashütten hoch geschätztes, aber nur sporadisch vorkommendes Material.Die für Verwendung auf der Hütte geeignetste Form der Kieselsäure ist die desSandes, leider indeß sind nur wenige Lager bekannt, die von fremden Bestand-theilen, namentlich den Oxyden des Eisens, so freien Sand liefern, daß er zu denhöchsten Glassorten ohne gleichzeitige Anwendung sogenannter Entfärbungsmittelverwandt werden könnte. Einzelne durch Reinheit hervorragende Sandlager habenseit Alters auf den Hütten sich großen Rufes erfreut, so dasjenige an der Mündungdes Belus (Phönicier:), und ein solches zwischen Cumae und Linternum in Cam-pamen. Unter den zur Zeit berühmten Lagern weißen Sandes besitzt Frankreich diemeisten, so eines bei Fontainebleau (Dep. Seine et Marne), ein anderes in der Um-gegend von Nemours, das Lager von Chantilly und einige andere. Von deutschenLagerstätten nimmt, in Beziehung auf Reinheit des gelieferten Materials, das Lagervon Nivelstein oder Herzogenrath bei Aachen den ersten Rang ein. Dieses Lager,dessen Sand weit über die Grenzen Deutschlands versandt wird, vonKellerKüppers Raabe et Comp." exploitirt, liefert fast chemisch reine Kieselsäure vondurchsichtigen:, farblosem, unregelmäßig gestaltetem Korn, mit abgerundeten Kanten,das recht gleichmäßige Größe hat. Nach einer von Nivelstein aus verbreitetenAnalyse enthält dieser Sand in 1000 Theilen:

Kieselsäure.

. 999-75

Kalk.

. o-io

Magnesia.

. 0-06

Thonerde und Eisenoxyd .

. 0-09

1000-00

somit einen Gehalt an fremden Bestandtheilen, der auffallend gering.

Belgien besitzt ein Lager guten Sandes bei Namur. Der beste von englischenHütten benutzte einheimische Sand kommt von der Insel Wight, doch ist auch erfür Krystall nicht rein genug, und verschmelzen die großen englischen Krystallfabrikendaher meist amerikanischen und australischen Sand.

Das geeignetste Mittel, einen Sand rasch annähernd zu taxiren, ist die mikro-skopische Untersuchung. Zeigt der Sand bei dieser ein durchsichtiges, farbloses Korn,und ist er frei von fremden mineralischen Beimengungen, so ist er für gewöhnlicheZwecke gut.

So wie der Sand aus der Grube kommt, ist er nur selten direct verwend-bar, meist findet sich ihm seiner unreiner Staubsand und Thon beigemengt, vondenen er durch einen Schlämmproceß, das sogenannte Waschen, gereinigt werdenmuß. Dieses Waschen erfolgt in Bottichen, in denen der Sand durch einen Wasser-strahl und Rührvorrichtung, oder, bei stehendem Wasser, durch letztere allein, aus-geschlämmt und aus denen die feinen Beimengungen durch das fließende Wasser wegge-führt, oder aber, mit dem stehenden, nachdem sich der Sand gesetzt, abgelassen werden.

Eine Behandlung eisenhaltigen Sandes mit verdünnter Salzsäure, oder einemGemisch von Schwefelsäure und Kochsalz, behufs Ueberführung des Eisenoxydesin Chlorid, und hierauf folgendes Auswaschen des letzteren, ist zwar hier und dort