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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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38 Schmelzmaterialim, Kieselsäure.

mit Erfolg angewandt, indeß bald wieder, wegen zu großer Kostspieligkeit des Ver-fahrens, aufgegeben worden.

Auf das Waschen des Sandes folgt auf den meisten Hütten dasBrennen",ein Ausglühen desselben in Flammöfen mit ebener Sohle, das ein Austrocknendes gewaschenen Materials, die Zerstörung etwaiger organischer Beimengungenund die Oxydation des anhaftenden Eisenoxyduls zu Oxyd zum Zwecke hat. NachManchen soll der Sand durch das Glühen leichter aufnehmbar werden. Wieweit solche Behauptung berechtigt, ist fraglich, Thatsache indeß, daß sich mancherQuarz beim Glühe» aufbläht.

Die Größe des Kornes, innerhalb der Grenzen, in denen sie bei Sandschwankt, ist bei guten Oefen ziemlich gleichgiltig, nur läßt sich das Material beimittlerer und starker Korngröße besser durch den Schlämmproceß reinigen. Ebensogleichgiltig ist im Grunde die Form der Sandkörner. Wenn scharfkantiger Sandsolchem mit abgerundeten Körnern im Ganzen vorgezogen wird, so liegt der Grundhierfür darin, daß letzterer häufiger von einer stark eisenhaltigen, dünnen, gelb-lichen Kruste überzogen ist, die durch ihren Eisengehalt färbend wirkt. Dafür daßauch Sand von stark abgerundetem Korne ein vorzügliches Schmelzmaterial bildenkann, sobald er jene eisenoxydreiche Kruste nicht besitzt, liefert der angeführte Nivel-steiner ein schlagendes Beispiel. Dem von Fcinglashütten gemiedenen rundkör-nigen Sande geben Grünglashütten häufig den Borzug, wie diese Etablissements,denen es auf die Farblosigkeit ihres Productes nicht ankommt, dann auch ganzrationell verfahren, wenn sie manchen unreinen, z. B. feldspathführenden, somitalkalihaltigen Sand, lieber als reinen, für ihre Zwecke verwenden. Der demSande nahestehende Kies besteht aus gröberen, meist stark abgeschliffenen Quarz-fragmenten, gewöhnlich untermengt mit, der Form nach ähnlichen, Bruchstückenanderer Mineralien und Gesteinsarten, und findet sich namentlich in manchenFlußbetten. Selten ist der Kies, selbst nachdem die nicht quarzigen Stücke aus-gelesen, für die Zwecke der Feinglasfabrikation rein genug, außerdem aber wirdseine Verwendung durch das Auslesen, sowie dadurch, daß er, wie der auf Gängenvorkommende Quarz, durch Abschrecken und Mahlen für das Gemenge vorbereitetwerden muß, sehr vertheuert. Nach geeigneter Vorbereitung liefert der Kies gutesGlas; so wurde solcher aus der Meurthe, noch durch Behandlung mit Salzsäurevon seinem Eisengehalte befreit, um das Jahr 1815 von d'Artigues mit bestemErfolge auf der Lr^stallsris äs Laooarat benutzt, später aber gegen Sand ausder Champagne vertauscht, da letzterer, trotz des weiten Transportes, billiger zustehen kam.

Wie der Kies wird auch der Feuerstein der Kreideformation gelegentlichauf Feinglas verarbeitet, und hat er z.B. dem englischen Flintglase (mit Feuersteinerschmolzenem Bleikrystall) den Namen gegeben.

Ausgebreitete« Anwendung als die letztgenannten Formen der Kieselsäurefindet der Quarz oder Quarzfels, der durchsichtig, farblos oder röthlich, oderopak und weiß, mit muscheligem Bruche, namentlich im Ur- und Uebergangsgebirgein Gängen und auf Lagern vorkommt. Die meisten Hütten Böhmens, wie diedes bayerischen Waldes, sind auf dieses Material angewiesen und liefern mit seinerHilfe ein vorzüglich farbloses Product.