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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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44 Schmelzmaterialien, Natron.

Krystallen wiederholt werden, doch gelingt es nicht, die, bei gut geleitetem Ver-fahren indeß auch unschädlichen, letzten Spuren der fremden Salze zu entfernen.Ist die Lauge genügend rein, so wird sie zur Trockne verdampft und das gewonneneSalz in geschlossenen Kästen aufbewahrt, da es an freier Luft Feuchtigkeit anziehenund zerfließen würde. Die Rückstände dieses Reinigungsprocesfes guter Pottasche,im Wesentlichen aus schwefelsaurem Kali bestehend, können zu ordinärer Waareunter Zusatz von Kohle verschmolzen werden.

Von den übrigen Kalisalzen findet nur der Weinstein, das saure WeinsäureKali, das sich beim Glühen in kohlensaures Kali und Kohle zersetzt, sporadischdort Anwendung, wo es darauf ankommt, die feinzertheilte Kohle des zersetztenKalisalzes als reducirendes Agens zu benutzen, so bei Darstellung des Kupfer-rubinglases. Das schwefelsaure Kali ist, ungeachtet es bereits 1826 vonLong in Coustein an der Donau verwandt worden, bisher nicht zu allgemeinererBedeutung für die Glasindustrie gekommen.

Natron. Kommt es auf ausgebreitetcre Verwendung an, so spielen für dieGlashütten eine weit wichtigere Rolle als die Kali- die entsprechenden Natronsalzc,die im Mineralreich weit verbreiteter vorkommen, und daher auch in beliebigerQuantität zu beschaffen und billiger sind. Von Natronsalzen finden in derGlasfabrikation allgemeine Anwendung die Soda (kohlensaures Salz) und dasGlaubersalz (schwefelsaures Salz), sporadische, das Kochsalz (Chlorverbindung),der als Oxydationsmittel benutzte Natronsalpeter und der Borax.

Wie bereits oben erwähnt, kommt das kohlensaure Natron in Pflanzenaschenund im Mineralreich als Efflorescenz (Auswitterung), sowie gelöst, in dem Wassereiniger Seen vor. Von den durch Auslaugen der Pflanzenaschen gewonnenenSalzgemengen, die als Soda in den Handel kamen, auch wohl gelegentlich nochheute kommen, wie die spanische Barilla, der schottische Kelp, der Varec derBretagne und Normandie, die Rochette Syriens und andere, ist die Barillaaus der Asche der zu diesem Zwecke an der spanischen Küste cultivirten LalsolnLockn bereitet, die natronreichste, sie enthält meist 14 bis 20, in erster Qualitätsogar 25 bis 30 Proc. kohlensaures Natron. Behufs Herstellung weißen Glases,mußten alle genannten Sodaarten des Handels durch Auslaugen, Abziehen dergeklärten Lauge, und Eindampfen oder Krystallisirenlassen derselben von erdigenBeimengungen und pflanzlicher Kohle gereinigt werden, was in früheren Jahr-hunderten, wie uns Antonius, Neri, Kunckcl und Andere berichten, auf denHütten selbst geschah. Wie bereits erwähnt kann aber bei den Natronsalzen dieAbscheidung des Sulphats vom Carbonat durch Auskrystallisirenlassen nicht durch-geführt werden, da hier das kohlensaure Salz nicht zerflicßlich, die Löslichkeit desCarbonats und Sulphats nahezu gleich ist.

Die aus Pflanzenaschen gewonnene Soda genügte der aufstrebenden Industrieweder nach Qualität, noch nach Quantität; gegen Ende des vorigen Jahrhundertssetzte daher die französische Akademie einen Preis von 12 000 Frcs. auf die Um-wandlung des Kochsalzes in Soda aus, und veranlaßte hierdurch eine der für dieGlasindustrie, wie für manche andere Zweige der Technik, höchst wichtige Entdeckung,die der Fabrikation der sogenanntenkünstlichen Soda". Angeregt durch dieeinschlagenden Arbeiten Malherbe's (1777) und de la Mstherie's machte