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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Schmelzmaterialicn. Kalk.

angeblich erst in neuerer Zeit erkannt worden. Kunckel erklärt das Glas nochfür einen zusammengesetzten Körper aus Sand und Salz, und ist der Ansicht,daß das Glas,zu welchem Kalchsalz kömmt, allezeit aufMilchfarb falle, derohalb,ob es gleich durchsichtig und helle siehet, doch zum rechten Crystallglas nichtsnütz" sei, er sagt ebenso:das Glas, da Kalch zum Satz genommen, kriegtauch vor andern Risse, und taurct nicht so lang" H. Nach französischen Angabensoll Pierre Delaunay Bestandes^), 1758 bis 1789 Dircctor von St. Gobi»,der erste gewesen sein, der die Sodaaschc durch gereinigte Soda ersetzte wovonübrigens schon bei Kunckel die Rede und den hierdurch bewirkten AusfallanerdigenBestandtheilen" durch directenKalkzusatz deckte 2 ), man ging aber hier-bei sehr vorsichtig zu Werke, und noch 1833 finden wir die Angabe:Man darfaber nicht mehr als höchstens 6 Proc. Kalk zusetzen ^)."

Bei der Auswahl des zu verwendenden Kalkes hat man, wo es sich umHerstellung von Fcinglas handelt, zunächst darauf zu sehen, daß derselbe möglichstrein, namentlich frei von den Oxyden des Eisens, und lasse sich hier nicht durchdie blendend weiße Farbe mancher Kalkspathe täuschen. Bei geschichtet krystalli-nischen Kalken hüte man sich vor der Verwechselung mit den, im Aeußeren täuschendähnlichen, Dolomiten (6a0NK0 2 002), deren großer Magnesiagehalt das Glasschwerer schmelzbar macht, und hierdurch das Läutern erschwert.

Die Verwendung des Kalkes in gebranntem und an der Luft zerfallenemZustande, wo derselbe 70 bis 80 Proc. Kalk (OaO) enthält, ist die ältere. Sieempfahl sich namentlich dadurch, daß es für die alten, mit Brennmaterial ver-schwenderisch, mit mechanischer Kraft ökonomisch umgehenden Hütten keine ein-fachere Art der für sehr wesentlich gehaltenen Zerkleinerung des Kalksteins gab.Andererseits werden bei Verwendung gebrannten Kalkes aus dem schmelzendenGemenge weniger Gase entwickelt, das Glassteigt" undschäumt" in denSchmclzgefäßen weniger stark. Böhmische und einige andere, namentlich Weiß-hvhlglashüttcn, haben die Verwendung des gebrannten Kalks zum Theil noch bisauf den heutigen Tag beibehalten.

Ungebrannt enthält die Kreide oder der gemahlene Kalkstein nur circa56 Proc. Kalk. Die durch Freiwerden der Kohlensäure gesteigerte Gasentwicke-lung, und die in Folge dessen ebenfalls gehobene Bewegung innerhalb der schmel-zenden Glasmasse (dasstarkeArbeiten" der letzteren), ist gerade von ncucrenHüttenals höchst schätzenswcrthe Eigenschaft des roh verwandten Kalkes erkannt worden.Angeblich soll auch die Zersetzung des Glaubersalzes bei Gegenwart von rohemKalk besser von Statten gehen, doch liegen hierfür bisher keine directen Ver-gleiche vor.

Der rohe Kalkstein, wie die Kreide, werden meist in gemahlenem Zustandedem Gemenge einverleibt; übrigens ist die Zerkleinerung des Kalks zu Mehlnicht unerläßlich, da sich bekanntlich kohlensaurer Kalk in schmelzenden kohlensauren

^rs vitriMg, oxxsrimsnialis (Ausgabe von 1718), x. 43.

2) So z. B. nach Psligot: clorms Istzoiis: ^.nn. cln Oonssrv. 2, 489.

6)Geschichte und Stand der Fabrikation von Porcellan und Glas" in Erdmann'sZonen. 17, 353.

Glasfal'rikalion. ^